Einsatzbilanz des Zugunglücks in Südtirol


Bild vom Unglücksort (Foto: LPA)Bozen (pm) – Neun Tote, sieben schwer und 21 leicht Verletzte: Dies ist die Bilanz des südtiroler Zugunglücks vom 12. April 2010. Die Bergungsarbeiten dauern auch zwei Tage nach dem Unfall an. Den Einsatzkräften wird psychologische Unterstützung angeboten.

Am Montag um kurz nach 9:00 Uhr wurde zwischen Kastelbell und Latsch (Südtirol) ein Zug von abgehenden Erd- und Schlammmassen verschüttet. Gerade einmal fünf Minuten nach der ersten Meldung über das Zugunglück im Vinschgau waren die ersten Einsatzkräfte vor Ort.

„Nach unseren Berechnungen muss das Unglück um kurz nach neun Uhr passiert sein, um 9:03 Uhr ist die erste Unglücksmeldung eingegangen, um 9:08 Uhr waren die ersten Einsatzkräfte an der Unglückstelle“, so Landeshauptmann Durnwalder. Die Unglücksstelle ist schwer zugänglich, es musste deshalb zunächst ein Zugang zur Einsatzstelle geschaffen werden. „Der Unglückszug, dessen erster Waggon über die Böschung hinaus geraten war, wurde sofort stabilisiert, die Hänge über der Unfallstelle wurden gesichert und die Verletzten erstversorgt“, so der Landeshauptmann.

Feuerwehren, Rettungsorganisationen, Berg- und Wasserrettung, Notfallseelsorger sowie Ordnungskräfte waren an der Unfallstelle im Einsatz. Zugute gekommen ist ihnen dabei, dass vor vier Jahren ein ähnliches Unglück im Rahmen einer Übung simuliert wurde. „So hat der Einsatz reibungslos geklappt“, unterstrich Durnwalder.

Die Bergung von Verletzten und Toten gestaltete sich überaus schwierig, weil die Waggons bis zu eineinhalb Meter von Erdreich, Geröll und Schlamm bedeckt waren. Gegen 12:20 Uhr konnte der letzte Verletzte gerettet werden.

Nach bisherigen Erkenntnissen hat einsickerndes Wasser den gesamten Hang in Bewegung gesetzt und die Schlammlawine ausgelöst.

Bergungsarbeiten dauern an

Koordiniert vom Zivilschutz des Landes wird derzeit intensiv an zwei Fronten gearbeitet. So laufen seit gestern Nachmittag die Arbeiten zur Bergung der beiden Waggons des Unglückszugs zwischen Kastelbell und Latsch. Die beiden Zugwaggons sollen mit Hilfe großer Kräne von den Gleisen gehoben werden.

Bevor dies geschieht, müssen die Waggons allerdings vom inzwischen getrockneten Schlamm befreit werden, von dem sie gestern bis zu eineinhalb Meter hoch verschüttet worden sind. Zudem müssen vor der Bergung rund 990 Liter Treibstoff aus dem Zugtank gepumpt und gesammelt werden.

Seelsorge für die Einsatzkräfte

Die zweite Front, an der gearbeitet wird, ist die Nachbereitung des gestrigen Einsatzes am Unglücksort. „Notfallpsychologen und -seelsorger stehen nun auch allen freiwilligen und hauptamtlichen Einsatzkräften zur Verfügung“, erklärt der Leiter des Landeszivilschutzes, Hanspeter Staffler. Er betont: „Ein Unglück eines solchen Ausmaßes bedarf nach der akuten Phase des Rettungseinsatzes einer intensiven Nachbearbeitung, sei es technischer oder psychologischer Art.“

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