DRK weist den Weg in die Zukunft des Ehrenamts


Foto: Markus BrändliMünster (DRK) – „Ohne das persönliche Engagement der Bürgerinnen und Bürger ist kein Staat zu machen“, findet DRK-Präsident Dr. Rudolf Seiters. Am Ende des großen DRK-Zukunftskongresses wurde die „Münsteraner Erklärung“ veröffentlicht, die wichtige Leitlinien für die Zukunft des Ehrenamtes formuliert. Demnach soll die Wirtschaft eine Mitverantwortung für das ehrenamtliche Engagement übernehmen und dafür steuerlich entlastet werden.

Dr. Rudolf Seiters, Präsident des Deutschen Roten Kreuzes, sagt zur Schlussveranstaltung des Kongresses: „Damit wir auch in Zukunft in einer lebenswerten Gemeinschaft leben, müssen wir noch mehr Menschen für das freiwillige Engagement begeistern. Unsere ‚Münsteraner Erklärung‘ setzt hierfür wichtige Impulse.“

Offener, jünger, spontaner, älter, gemeinsamer, anerkannter – das sind die Schlagworte der Erklärung. Gemeint ist, dass die Zielvorstellung eines lebenslangen Engagements nur zu verwirklichen ist, wenn einerseits das Angebot auch für alle Kulturen, sozialen Hintergründe und Altersgruppen attraktiv ist. Daran will das Rote Kreuz selbst arbeiten. Gemeint ist aber auch, dass freiwilliges Engagement noch stärker anerkannt und gefördert werden muss. Auch die Wirtschaft muss mehr Mitverantwortung für die Bürgergesellschaft übernehmen, beispielsweise durch die Freistellung von Arbeitnehmern für wichtige gesellschaftliche Aufgaben. Und die Politik muss das Engagement der Bürger noch stärker fördern, beispielsweise durch Steuererleichterungen für Zeitspenden.

Motivierbares Potenzial

Zum großen DRK-Zukunftskongress „Engagement heute. Die neue Bürgergesellschaft“ hat das Deutsche Rote Kreuz zudem in einer Emnid-Studie nachgefragt: Wie viele und welche Menschen sind – über die bereits Engagierten hinaus – offen für ein ehrenamtliches Engagement? Befragt wurden 1005 repräsentativ ausgewählte Personen ab 14 Jahren. Dabei fand man heraus, dass sich von den derzeit nicht ehrenamtlich Aktiven 24 % ein solches Engagement vorstellen könnten. In Zahlen bedeutet dies, das Ehrenamt hat ein Potenzial von weiteren 17 Millionen Bürgern. Damit ließe sich die Zahl der Ehrenamtlichen verdoppeln. Bei den über 60-Jährigen ist das motivierbare Potenzial geringer. Hier könnten sich nur 18 % vorstellen, ein Ehrenamt zu übernehmen.

Ausgezeichnete Projekte

Die Vizepräsidentin des Deutschen Roten Kreuzes, Donata Freifrau Schenck zu Schweinsberg, ehrte beim Zukunftskongress zudem die Preisträger des Wettbewerbs „Engagiert im DRK“. Der erste Platz ging an das Projekt „Rette sich wer’s kann – Schwimmen lernen im Kindergarten“ des DRK-Landesverbandes Mecklenburg -Vorpommern, der zweite Platz an das Projekt „Fit für den Job – Das Mentorenprojekt“ des DRK-Kreisverbandes Münster und der dritte Platz an das Projekt „Schulsanitätsdienst – Ausbau und Intensivierung“ des DRK-Kreisverbandes Offenbach. Die Preisverleihung moderierte Rotkreuz-Botschafter Jan Hofer.

Der Kongress war die größte Veranstaltung in Deutschland im Rahmen des Europäischen Jahres der Freiwilligentätigkeit 2011.

Mehr: Die Müsteraner Erklärung im Volltext

 

(Foto: Markus Brändli)

5 Responses to “DRK weist den Weg in die Zukunft des Ehrenamts”

  1. Hansaretter on November 1st, 2011 15:26

    In einer Gesellschaft, in der zunehmend immer mehr Menschen einen Zweitjob brauchen, um über die Runden zu kommen, muss zwangsläufig das Ehrenamt auf der Strecke bleiben!
    Bei wievielen Veranstaltungen stehen schon jetzt Hauptamtliche Rettungsdienstkollegen neben ehrenamtlichen Sanitätskräften, da Fachkräfte nicht mehr für das Ehrenamt zu motivieren sind.
    Und wenn dann noch verboten wird, die Transporte selber durchzuführen und sie stattdessen an den Regelrettungsdienst, bei gleicher Ausrüstung und Qualifikation, abzugeben, sinkt auch noch das letzte bißchen Motivation.
    Randbermerkung: Bei Mangel im Regelrettungsdienst wird dann auf die Ehrenamtlichen zurück gegriffen.
    Fazit: Ich sehe die Zukunft des Ehrenamts im Bereich Rettungsdienst und Katastrophenschutz düster, aber Möglichkeiten, Menschen für leichtere, einfachere Aufgaben zu gewinnen
    Ich selber bin übrigens aktiver Lehrrettungsassistent und mit Herzen beim Ehrenamt.

  2. locco on November 2nd, 2011 12:08

    Grandios was das DRK da wieder vollbracht hat. Das sind doch alles keine neuen Erkenntnisse. Die Hiorgs sichern Veranstaltungen ab, kassieren dafür vom Veranstalter Geld und was kommt bei den Helfern an? Vielleicht eine kleine Aufwandsentschädigung und eine Händedruck. Kurios! Bei einigen Hios müssen die Helfer ihr Einsatzkleidung selbst bezahlen und die Hio kassiert Geld für Veranstaltungen. Das da keiner mehr mitmachen möchte ist doch verständlich. Besonders bei Jugendlichen ist das doch verständlich. Als ich selbst bei einer Hio als Jugendlicher tätig war, erntete ich unverständnis bei Freunden und Bekannten warum ich auch noch Geld mitbringe.

  3. Ulrich on November 2nd, 2011 14:13

    @Iocco
    Die Zeiten im Ehrenamt in einer HiOrg haben sich gewaltig gewandelt. Auch ich bin teilweise Deiner Meinung, dass Vorgaben rechtlicher Art professionelle Leistungen provozieren. Und früher hat es eben diese Bezahlung dafür nicht gegeben.

    Ob aber das Geld zulasten des Ehrenamtes dann auch nicht für das Ehrenamt ausgegeben wird, dürfte sicherlich nicht zur Motivation beitragen. Wenn aber der Helfer eine Bezahlung erhält, ist das für mich kein Ehrenamt mehr.

  4. locco on November 2nd, 2011 17:24

    @Ulrich: Ich wollte nicht damit sagen, dass Ehrenamtler bezahlt werden sollen. Gegen eine Aufwandsentschädigung ist aber nichts einzuwenden. Im Sport bekommen Übungsleiter schließlich auch eine Aufwandsentschädigung von bis zu 17 €/Stunde. Da ist natürlich ziemlich viel, aber ich finde 5 bis 10 € Aufwandsentschädigung durchaus angemessen.

    In unserem LV wurden selbst die Fahrkosten von 3€ pro Wochenende vor einigen Jahren gestrichen.

  5. Olli on November 7th, 2011 09:26

    Nur mal kurz etwas zu den „objektiven“ Zahlen:
    Wenn 24 % der nicht ehrenamtlich aktiven Mitbürgerinnen und Mitbürger über 14 Jahren sich ein ehrenamtliches Engagement vorstellen können, dann soll das „in Zahlen“ (?, naja, 24 ist ja auch keine Zahl, sondern…?) „ein Potenzial von weiteren 17 Millionen Bürgern“ sein???
    Die Gesamtzahl der nicht ehrenamtlich tätigen Deutschen über 14 Jahren müsste hiernach rund 71 Millionen betragen. Laut Wikipedia sind rund 23 Millionen Deutsche über 14 Jahren bereits ehrenamtlich aktiv, womit wir in Deutschland rund 94 Millionen Menschen über 14 Jahren haben müssten.
    Laut dem Statistischen Bundesamt lebten am 31.12.2009 aber „nur“ 81.802.257 Menschen in der Bundesrepublik Deutschland (incl. der unter 14jährigen).

    Also „sehr optimistische“ Zahlen… oder Effekthascherei… oder Interessenpolitik!

    Setzen – Sechs! 🙂

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