Beratung über neue Ausbildungsstruktur


Bonn (rd.de) – Kurz vor der Sommerpause befassen sich die Experten noch einmal mit der Novellierung des Rettungsassistentengesetzes (RettAssG). Nachdem sich die Fachleute Ende März dieses Jahres etwas überraschend auf gemeinsame Ausbildungsziele geeinigt hatten (rettungsdienst.de berichtete), trifft sich am heutigen Mittwoch erstmals eine Arbeitsgruppe, um über die Struktur der Ausbildung zu sprechen.

Der Themenplan, über den die Experten zu diskutieren haben, könnte umfassender kaum sein. Er beinhal-tet neben so generellen Punkten wie zum Beispiel die Gesamtlänge der künftigen Ausbildung von Ret-tungsassistenten auch die Aufteilung von Theorie- und Praxisanteilen. Zu besprechen sein wird auch, wel-che Anforderungen eine Lehrrettungswache zu erfüllen hat und welche Qualifikation für Lehrkräfte an Rettungsdienstschulen erforderlich ist. Als einer der zentralen „Knackpunkte“ wird die noch gänzlich un-geklärte Frage der Finanzierung angesehen.

Wie oft die AG Ausbildungsstruktur zusammenkommen wird, ist offen. Angesichts der vielen offenen Punkte erscheint es aber sehr fraglich, ob die Novellierung des RettAssG noch bis zum Ende dieser Legisla-turperiode abgeschlossen werden kann.

4 Responses to “Beratung über neue Ausbildungsstruktur”

  1. CK on Juli 10th, 2009 10:01

    „Angesichts der vielen offenen Punkte erscheint es aber sehr fraglich, ob die Novellierung des RettAssG noch bis zum Ende dieser Legislaturperiode abgeschlossen werden kann.“

    Hoffentlich sage ich da nur – bereits 1989 haben wir ein RettAssG bekommen, das aus vielerlei Gründen mit der heißen Nadel gestrickt war, dieser Fehler darf sich nicht wiederholen. Es sind noch viel zu viele Punkte offen, als dass man ernsthaft diese Legislaturperiode noch mit einem Ergebnis rechnen sollte und darf.
    Völlig unbesprochen sind neben den o.g. Punkten nach wie vor die Schaffung einer Durchlässigkeit in andere Berufe (wir erinnern uns an die Verkürzungsmöglichkeiten für Pflegekräfte, die RettAss werden wollen – wie sieht’s umgekehrt aus?) sowie klare und verbindliche Weiterbildungsmöglichkeiten, die einheitlich geregelt sind. Es sind nicht nur die unbefriedigende Ausbildungsstruktur, die rechtliche Unsicherheit oder die verbesserungsfähigen Arbeitsbedingungen, die viele geeignete Bewerber abschrecken: nach wie vor stellt der Beruf eine Sackgasse dar.
    Lieber noch ein wenig warten und dann eine runde Sache, als wieder eine halbgare Geschichte unter Zeitdruck wie 1989…

  2. thomaswagner on Juli 10th, 2009 11:44

    Der Meinung von „CK“ kann ich mich nur anschliessen.
    Ein Lichtblick in dieser Hinsicht stellt meines Erachtens die ebenfalls auf rettungsdienst.de beschriebene Diskussion um die Lehrplangestaltung (s.Startseite) dar. Allerdings wird mein Optimismus auch gleich wieder gedämpft durch die Tatsache, dass wir ja leider alle wissen was bei derartigen Obergruppen, Kleingruppen, Nebengruppen und Untergruppen in diversen Ausschüssen, die sich mit dem gleichen Thema befassen, herauskommt…

  3. Reporter112 on Juli 13th, 2009 14:57

    Damit etwas Vernünftiges für die jetzigen Rettungsassistenten und künftigen Berufsretter herauskommt, sollten sich alle berufspolitisch engagieren, zumindest zu Wort melden:
    Viele Retter waren/sind mit dem BVRD unzufrieden, es hat sich viel geändert. ABER: Dann unterstützen die halt den DBRD, den vdrs oder die ver.di-Fachgruppe Rettungsdienst. Nur Untätigkeit geht gar nicht!
    Berufsretter haben als qualifizierte Mitarbeiter ein Recht auf angemessene Bezahlung und ein angemessenes Berufsumfeld, auf Aufstiegsmöglichkeiten und Weiterbildung bis hin zum Studium für Wachleiter (B.A.), Fachlehrer Rettungsdienst (B.A.), Rettungsdienstleiter und Berufsfachschulleiter (M.A.). Wenn Leute aus der Krankenpflege mit Kurzzeitlehrgang in den Rettungsdienst können, muss das umgekehrt auch möglich sein.
    Die Studienfächer für den Rettungsdienst sind unverzichtbar zur Ablösung der derzeit mit Angestellten-Prüfung 1 und 2 tätigen Quasi-Rettungsdienstleitungen in den Landkreisen und Rettungszweckverbänden. Wie bei im Brandschutz, muss auch in der medizinischen Rettung der Sachverstand in die Gebietskörperschaften einziehen, damit der öffentliche Rettungsdienst so effektiv und effizient werden kann, wie es seine ausführenden Mitarbeiter schon heute ermöglichen würden.
    Szene im Rheinland: Ein seit drei Jahrzehnten im Rettungsdienst tätiger Mitarbeiter gab zu einem neuen RTW, der ohnehin nochmals zum Hersteller mußte, einige praxisrelevante und einfache Umbauhinweise (zum Beispiel kann der RettAss das Flowmeter für Sauerstoff nicht sehen und auch den O2-Anschluss nur ertasten). „Der RTW wurde korrekt nach EN 1789 gekauft, Mischen Sie sich nicht ein“, sagte die Sachbearbeitung beim Kreis. Für solche Leute in der Verwaltung haben wir bei knapper werdenden Mitteln wirklich kein Geld. Die Zukunft fordert Kompetenz, fachlich wie sozial und kommunikativ.

    Wenn wir die nichtpolizeiliche Gefahrenabwehr nicht komplett umwerfen wollen, sollte es auch künftig eine Mitwirkung von qualifizierten Ehrenamtlichen geben. Die Ausbildung zum Rettungssanitäter und nach klaren Richtlinien abgeleistete Praxisstunden könnten zur Verkürzung der Praxisanteile der dreijährigen Ausbildung führen; in anderen Berufen sind zum Beispiel sechs Monate nicht unüblich. Wer in den Job will und es kann, wird sich einem Eignungstest für die Verkürzung stellen.

  4. campesino on Juli 13th, 2009 15:40

    Völlig richtig!

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