Baby-NAW „Felix“ nicht notfalltauglich?


Datteln (pm) – Nach monatelangem Ringen um Nachbesserungen am Baby-Notarztwagen „Felix“ ist das Fahrzeug nach Angaben der Vestischen Kinder- und Jugendklinik sowie der Feuerwehr Datteln weiterhin nicht notfalltauglich. Immer noch gebe es massive Mängel besonders am Untergestell des Transportinkubators. Die Björn-Steiger-Stiftung weigere sich, weitere Nachbesserungen vorzunehmen. Wie die Klinik am Montag (11.03.2013) mitteilte, ziehe sie daher die Konsequenzen und stelle die Erprobung des Fahrzeugs bis auf weiteres ein.

Vor fast einem Jahr, am 30. März 2012, war der Baby-Notarztwagen „Felix“ unter großer öffentlicher Aufmerksamkeit in Datteln an die Vestische Kinder- und Jugendklinik übergeben worden. Der neue NAW solle die jungen Patienten ruhiger und vor allem sicherer transportieren, informierte seinerzeit die Björn-Steiger-Stiftung. Schnell machten sich allerdings Mängel am Prototyp des neuen Baby-Notarztwagens bemerkbar.

Nach den ersten Nachbesserungen wurde das Fahrzeug von der Klinik zu Testfahrten eingesetzt. Noch immer hätte es dabei Probleme gegeben, besonders beim Ein- und Ausladen des Inkubators, so die Klinik. Sie habe der Stiftung deshalb weitere Vorschläge für Nachbesserungen unterbreitet.

„Wenn wir einen Transport mit einem schwerkranken Kind fahren, haben wir keine Zeit, uns mit einer nicht einwandfrei funktionierenden Technik zu beschäftigen“, begründet die Chefärztin der Abteilung Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin, Professor Dr. Claudia Roll, die lange Testdauer und die Nachbesserungs-Forderungen an die Stiftung.

„Im Vordergrund steht die Sicherheit unserer Patienten“, erläutert Klinik-Geschäftsführer Andreas Wachtel. „Die können wir in einem nicht einwandfrei funktionierenden Notarztwagen nicht gewährleisten.“

Kritikpunkte am Dattelner Fahrzeug:

1. Das Untergestell des Transportinkubators war bei Auslieferung des Wagens zu hoch. Die begleitenden Ärzte und Krankenschwestern konnten die Patienten nicht erreichen.

2. Die Konstruktion von Notarztwagen, Einladerampe und Inkubator sei insgesamt zu breit. Mindestens 7,5 Meter benötige der NAW in einer Krankenhauseinfahrt.

3. Damit das Dämpfungssystem einwandfrei arbeitet, muss der Inkubator genau auf vier Zapfen aufliegen. „Teilweise müssen wir den Inkubator beim Einladen zwei Mal wieder ausfahren, bis er richtig aufliegt“, merkt Feuerwehrleiter Schalomon an.

Die Klinik zeigt sich enttäuscht vom Vorgehen der Björn-Steiger-Stiftung: „Wir hätten den Wagen natürlich gerne bei uns eingesetzt – nicht zuletzt deshalb, weil die Stiftung in der Region massiv Spenden für dieses Projekt eingeworben hat“, so Geschäftsführer Wachtel.

Die Björn-Steiger-Stiftung war auf Nachfrage von www.rettungsdienst.de zu keiner Stellungnahme zum Dattelner Baby-NAW bereit. Wie zu erfahren war, sei ein baugleiches Fahrzeug aber bereits nach Vechta geliefert worden und werde in den nächsten Tagen offiziell in Dienst gestellt. Derzeit laufen noch die Einweisungen. Unterschiede gebe es laut Stiftung lediglich im Unterfahrgestell des Inkubators. Während Vechta eine elektronische Ausführung erhalten wird, verfügt das Fahrzeug aus Datteln über eine mechanische Lösung.

(Foto: Michael Rüffer)

5 Responses to “Baby-NAW „Felix“ nicht notfalltauglich?”

  1. Frank Markert on März 13th, 2013 10:10

    2012 habe ich das Fahrzeug in Fulda auf der RettMobil begutachten können. Einer von den Steiger-Leuten war vor Ort, bei Gesprächen zum Trage- bzw. Unterfahrgestell wich man immer wieder aus und wurde sogar unhöflich. Sehr schade, dass hier die Steiger-Stiftung wieder mal zickig reagiert. Viele Leute sprachen den Seiteneinstieg an und die begrenzten Breiten in der RTW-Zufahrt der Kliniken. Gespannt bin ich mal, wie das Thema dieses Jahr auf der RettMobol behandelt wird – oder ist man dann einfach nicht mehr auf der Fachmesse vertreten???

  2. der Münchner on März 13th, 2013 12:40

    war hier in den Kommentaren doch das Gleiche. Wurde die Breite ins Spiel gebracht wurde zurückgeschrieben, dass dies kein Grund gegen das Auto sei, nur weil es in irgendeinem „Wald- und WIesenkrankenhaus“ nicht ginge. So gesehen haben wir in München nur „Wald- und Wiesenkrankenhäuser“. Finde es nur in Anbetracht der Kosten (die ja größtenteils aus Spenden stammen) schade. Da wird man in Zukunft nicht mehr so leicht Spender finden, wenn so damit umgegangen wird.

  3. Jörn on März 14th, 2013 09:11

    Das (vorläufige?) Ende eines großen Missverständnisses: http://www.dattelner-morgenpost.de/lokales/datteln/Baby-Notarztwagen-Um-13-15-Uhr-wird-Felix-abgeholt;art1008,973856 vom 12.03.2013

    Winterlich-sonnige Grüße aus dem Südwesten

  4. Bernhard on März 14th, 2013 16:11

    Hallo,

    es ist schon bemerkenswert wie heutzutage mit dem Wohl von kleinen und großen Patienten verfahren wird.

    Gerade die Vorschläge von Menschen die jeden Tag mit dieser Technik umgehen, sollte man doch berücksichtigen, denn gerade beim Thema Rettungswagen und medizinischen Instrumenten muss doch alles einwandfrei funktionieren.

    Es geht hier doch schließlich um das Patientenwohl.

    Ich möchte an dieser Stelle einmal die Gesichter der Entscheider sehen, wenn sie selbst als Patient betroffen sind. Ich glaube dann würden diese Menschen erst begreifen wie wichtig einwandfreie Technik gerade bei der notärztlichen Versorgung vor Ort ist.

    So etwas wäre bei uns Berlin ein absolutes NoGo und das ist auch gut so.

    Ich wünsche euch viel Glück und gutes Gelingen.

    Liebe Grüße aus Berlin

  5. Markus on April 2nd, 2013 01:52

    Verstehe das Problem mit dem seitlichen Ausladen nicht. Bei unserem Baby NAW (ASB Kassel Nordhessen) wird auch der Inkubator seitlich ausgeladen.
    http://www.asb-nordhessen.de/leist/bnaw/ausst.htm
    Wir hatten bisher in keinem Krankenhaus großartig Probleme. Und wenn es mal eng wird, dann steht man halt vor der Halle, das Fahrzeug ist geheizt und der Inkubator auch, da kann man ohne Probleme mal 5 m über den Hof gehen.
    Zum Thema massive Werbung: Das macht die Björn Steiger Stiftung auch in Kassel, mit einem großen Plakat am Werbestand von einem Baby NAW, obwohl dieser in Kassel komplett vom ASB über Spenden finanziert wird.

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