Apoplex-Aufklärung zeigt Wirkung


Berlin (idw) – Kommt es zu einem Schlaganfall, zählt jede Minute. Unmittelbar nach Symptombeginn beginnen die betroffenen Hirnzellen abzusterben. Genau an diesem Punkt setzen Aufklärungskampagnen für die Bevölkerung an. Ob und in welcher Form diese Bemühungen Früchte tragen, untersuchte jetzt eine Studie des Kompetenznetzes Schlaganfall.

„Der Schlaganfall ist immer ein Notfall: Eine rasche Behandlung – insbesondere innerhalb den ersten drei bis viereinhalb Stunden – ist lebenswichtig“, erläutert Dr. Christian Nolte, Neurologe an der Charité – Universitätsmedizin Berlin und Mitautor der Studie. Je schneller ein Schlaganfall behandelt wird, desto größer ist die Chance, Folgeschäden wie Lähmungen und Sprachstörungen zu verringern oder gar zu vermeiden. Trotzdem kommen noch immer viele Patienten zu spät ins Krankenhaus, da sie die Symptome falsch interpretieren und/oder keine adäquate medizinisch Hilfe aufsuchen.

Ob und wie effektiv speziell schriftliche Informationen die Zeit von Symptombeginn bis zum Eintreffen ins Krankenhaus verkürzen, untersuchte nun eine Studie des Kompetenznetzes Schlaganfall.

Für die Studie erhielten etwa 75 000 zufällig ausgewählte Berliner Bürger im Alter von über 50 Jahren Informationsmaterial über die Symptome des Schlaganfalls wie plötzlich auftretende halbseitige Lähmungen, Gefühls-, Sprach- und Sehstörungen. Außerdem wiesen die Forscher ausdrücklich darauf hin, bei Auftreten einer dieser Warnsignale sofort zu handeln und den Rettungsdienst über Notruf 112 zu alarmieren.

Das Informationsmaterial wurde zwischen Februar und April 2004 verschickt und bestand aus Aufklärungsbriefen, Lesezeichen und Aufklebern. Eine vergleichbare Kontrollgruppe erhielt keine derartigen Informationen.

Zwischen April 2004 und Dezember 2005 registrierten die drei an der Studie beteiligten Berliner Krankenhäuser bei 647 Patienten der Interventionsgruppe und bei 741 Patienten in der Kontrollgruppe einen Schlaganfall. Die Gesundheitsaufklärung erzielte bei den Frauen einen deutlichen Effekt: Aufgeklärte Schlaganfallpatientinnen kamen wesentlich schneller ins Krankenhaus als jene Frauen, die zuvor kein Informationsmaterial erhalten hatten. Die Zeit zwischen dem Einsetzen der Symptome bis zur Einlieferung ins Krankenhaus verkürzte sich bei den Frauen um 27 Prozent.

Bei den angeschriebenen Männern hingegen zeigte die Intervention keinen Effekt. „Frauen scheinen für eine schriftliche Informationsvermittlung empfänglicher zu sein als Männer“, so Müller-Nordhorn. Die Gründe hierfür sind nicht ganz klar.

In früheren Studien konnte nachgewiesen werden, dass Frauen im Allgemeinen besser über Risikofaktoren und Anzeichen des Schlaganfalls informiert sind als Männer. Bisher konnte aber nicht gezeigt werden, dass dieses Wissen auch in adäquates Handeln umgesetzt wird. „Frauen zögern vielleicht, wenn sie den Rettungsdienst verständigen müssten, weil sie niemandem zur Last fallen wollen“, sagt Nolte. „Durch die schriftliche Aufklärung und eindeutige Handlungsanweisung wurde diese Zurückhaltung vielleicht überwunden.“

In künftigen Untersuchungen soll besonderes Augenmerk sowohl auf die geschlechtspezifischen Unterschiede bei der Wirkung von Gesundheitskampagnen als auch auf die Nachhaltigkeit und die Übertragbarkeit gerichtet werden.

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