8. RETTmobil im Rückblick


Fulda (rd.de) – Mit zirka 340 Ausstellern unterstrich die 8. RETTmobil wieder mal ihre Bedeutung für die Rettungsdienstbranche. Der Trend, dass auch ausländische Unternehmen die Messe nutzen, um sich zu präsentieren, setzte sich fort. Der Veranstalter versuchte daher, besonders die Qualität nationaler Ausbauhersteller hervorzuheben.


Der erste Eindruck täuschte: Als Dieter Udolph, Geschäftsführer der Messe Fulda, im Rahmen der offiziellen Eröffnungsfeier die zahlreichen Gäste begrüßte, führte er zunächst auf, wer nicht zur Eröffnungsveranstaltung gekommen war. Der hessische Wirtschaftsminister musste beispielsweise wegen eines dringenden Parlamentstermins absagen, und Hans-Peter Kröger, Präsident der Deutschen Feuerwehrverbandes (DFV), war aus familiären Gründen abwesend.
Ein Zeichen von Geringschätzung für die RETTmobil? Im Gegenteil! Denn zum einen gab es immer noch genügend Amts- und Würdenträger, die diese Veranstaltung durch ihre Anwesenheit den entsprechenden Rahmen verliehen. Und zum anderen war der Besuch des Bundesinnenministers am folgenden Samstag vom „Promi-Faktor“ kaum noch zu toppen.
„2001 hätten wir nicht für möglich gehalten, was mittlerweile hier entstanden ist“, gab IKR-Vorsitzender Manfred Hommel stellvertretend für alle Mitglieder der Interessengemeinschaft der Hersteller von Kranken- und Rettungsfahrzeugen (IKR) zu. Die Idee damals wie heute: das Thema Rettungsdienst einengen und den „Wildwuchs“ an Klein- und Kleinstmessen eindämmen. „Das ist uns eindrucksvoll gelungen“, so Hommel, der im Jahre 2008 auf zirka 340 Aussteller verweisen konnte und daran erinnerte, dass man vor sieben Jahren mit 60 Firmen – „die wir mit Müh und Not zusammenbekommen hatten“ – anfing.
Die RETTmobil habe sich zu einer international anerkannten Messe entwickelt und in all den Jahren ihren Charakter – „Technik erlebbar machen“ – beibehalten. Die Internationalität wurde aktuell auch dadurch spürbar, dass sich kurzfristig eine chinesische Delegation bei Hommel meldete und um Hilfe für die Opfer des Erdbebens in Zentralchina bat.
Erneut sprach sich Hommel wie schon in den Jahren zuvor für den Veranstaltungsort Fulda aus. Man habe sich seinerzeit bewusst für einen Messestandort entschieden, der nicht zu den etablierten zählt, weil hier die Kosten akzeptabel und die Möglichkeiten am besten gewesen seien, eigene Ideen umzusetzen. Dies war zum Beispiel auf die Teststrecke gemünzt, die man (zumindest in den vergangenen Jahren) für Slalomfahrten und Bremsmanöver mit Einsatzfahrzeugen nutzen konnte. Aber auch ein Offroad-Parcours, wie er jetzt seit ein paar Jahren auf dem Messegelände zur Verfügung steht, wäre an anderen Messestandorten in dieser Form kaum zu realisieren gewesen. „Wir wollten die grüne Wiese mit Zeltstadt“, so Manfred Hommel, der sehr gut weiß, dass es in Reihen der Aussteller auch andere Meinungen zu diesem Ambiente gibt.
So aber konnten sich während der viertägigen RETTmobil die Besucher auf dem Offroadgelände daran erfreuen, schwere Atego-Lkw mit Allradantrieb bei der Bewältigung von Steigungen zu beobachten oder selbst eine solche Probefahrt durchs Gelände mitzumachen. Da die asphaltierte Teststrecke zugunsten weiterer Messehallen entfallen musste, bot Volkswagen Testfahrten mit Einsatzfahrzeugen auf normalen Straßen rund um das Veranstaltungsgelände an.
Aktionen auf dem Freigelände wurden aber auch von der Feuerwehr Fulda, der Bundeswehr und dem Technischen Hilfswerk durchgeführt. Zu erleben waren unter anderem Abseilaktionen einer Höhenrettungsgruppe und Führungen durch eine Luftlanderettungsstation des Bundeswehr-Sanitätsdienstes.
Der „Brückenschlag zur Feuerwehr“, wie es Manfred Hommel nannte, gelang in diesem Jahr besonders gut. War auch in den letzten Jahren der DFV als ideeller Unterstützer der RETTmobil aufgetreten und hatte sich die Feuerwehr Fulda von Anfang an als tragende Säule der Veranstaltung erwiesen, so erhielt diesmal das Thema Brandschutz einen noch größeren Stellenwert durch den Deutschen Feuerwehrverbandstag. Schon am Freitag, aber besonders am Samstag drängten sich Hunderte von Feuerwehrkräften sowohl auf dem Messegelände als auch in der Fuldaer Innenstadt, um an den zahlreichen Aktivitäten rund um den Verbandstag teilzunehmen.
Ein Höhepunkt auch in der Geschichte der RETTmobil war am Samstag der Besuch von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble. Ein so hochrangiger Politiker hatte bislang noch nie der Messe seine Aufwartung gemacht, was in den Augen der Organisatoren auch ein Zeichen für den Stellenwert ihrer Veranstaltung darstellte.
Der Minister unternahm einen Messerundgang, wobei er unter anderem bei einigen Ausbauherstellern vorbeischaute, und ließ sich am Stand der Deutschen Rettungsflugwacht das Flight-Following-System erläutern. Anschließend wohnte Schäuble noch einer THW-Übung auf dem Freigelände bei, ehe er sich Richtung Innenstadt verabschiedete, wo er der Delegiertenversammlung beiwohnte und das Deutsche Feuerwehrmuseum besuchte.
„Die Erfolgsstory der RETTmobil soll fortgeschrieben werden“, bat Hommel und forderte zugleich, die von heimischen Unternehmen gelieferte Qualität zu estimieren. Um diese stärker in den Vordergrund zu rücken, erhielten die beiden Geschäftsführer der ostsdeutschen Ausbauhersteller – Karl-Peter Boddenberg von Fahrtec und Hans-Jürgen Schwarz von Ambulanzmobile – als Zeichen ihrer Verdienste stellvertretend für alle deutschen Unternehmen dieser Branche Urkunden überreicht.
Neben deutschen Firmen drängen seit einigen Jahren immer stärker auch ausländische Unternehmen auf die Messe, um sich hier zu präsentieren und neue Kontakte zu knüpfen. In diesem Jahr verzeichnete die Messe Fulda Aussteller aus 14 Ländern. Doch nicht alle schielen auf den deutschen Markt. Das finnische Unternehmen Pensi zum Beispiel – Spezialist für Krankentragen und Tragestühle – ist nach Fulda gekommen, um hier in erster Linie mit osteuropäischen Rettungsdiensten ins Geschäft zu kommen. Den deutschen Markt habe man nur in zweiter Linie im Visier, da hier die Konkurrenz relativ stark sei.
Eine Feststellung, die auch die Firma Kartsana bestätigen kann. Das spanische Unternehmen versucht bereits seit fünf Jahren, mit seinen Fahrtragen in Deutschland Fuß zu fassen. Obwohl die Modelle über alle erforderlichen Sicherheitszertifikate verfügen, dieselben Features wie etablierte Modelle besitzen und preislich sehr attraktiv sind, kann Kartsana bislang nur bescheidene Erfolge verbuchen.
Optimistisch ist dagegen Stryker, seine bisherigen Erfolge in Deutschland fortsetzen zu können. Nachdem das US-Unternehmen bislang von WAS-Sanimed hierzulande vertreten wurde, hat man die Vermarktung seit 1. April 2008 selbst übernommen. Ein großer Stand, der auch Fahrtragen für den internationalen Markt umfasste, sorgte bei vielen Besuchern für Beachtung.
Interessante Neuigkeiten gab es auch zum Thema Defibrillatoren. GS elektromedizinische Geräte Stemple – Hersteller der bekannten Corpuls-Geräte – meldete, dass man 30 Apparate des neuen Corpuls³ an die Deutsche Rettungsflugwacht liefern werde, um deren Rettungshubschrauber und Ambulanzjets auszustatten.
Primedic stellte auf der RETTmobil einen neuen automatisierten externen Defibrillator vor, der speziell für den privaten Bereich entwickelt wurde. Der HeartSave PAD kann quasi intuitiv bedient werden und besitzt eine dreijährige Stand-by-Zeit. Das Gerät lässt sich mit nur einer Taste bedienen und verfügt über eine optische sowie akustische Menüführung.
Auch Schiller hatte Neuigkeiten in seinem Defi-Programm. So verfügt der schon bekannte FRED easyport jetzt auch über eine manuelle Betriebsart. Dadurch kann beispielsweise ein Arzt den klassischen AED-Modus ausschalten und dann zum Beispiel anhand des EKG-Bildes auf dem Display selbst entscheiden, ob er einen Schock abgeben möchte oder nicht.
Neu ist auch das AED-Netzwerkkonzept FRED easy Online. Es ermöglicht Zentralen, gleich mehrere Geräte zu überwachen und bei Entnahme aus der Halterung beispielsweise die nächste Rettungsleitstelle zu informieren. Geräte, die über FRED easy Online miteinander verbunden sind, sind durch die Zentrale jederzeit unter Kontrolle und werden von hier direkt verwaltet. Wahlweise ist das neue System sowohl für halb- als auch vollautomatische Ausführungen erhältlich.
Die Bedeutung der RETTmobil zum einen und des gesamten Rettungswesens zum anderen machte Fuldas Oberbürgermeister Gerhard Möller am Beispiel des wenige Wochen zuvor nahe Fulda entgleisten ICE deutlich. Sowohl Messe als auch begleitender Kongress würden über neue Techniken informieren und Möglichkeiten der Fortbildung sowie des Erfahrungsaustausches bieten. Der Einsatz auf der ICE-Strecke, bei dem ein Schnellzug mit einer Schafherde kollidiert war, zeige nun, wie wichtig ein funktionierendes Rettungssystem und eine Veranstaltung wie die RETTmobil seien.
Dasselbe Beispiel nahm auch Professor Dr. Peter Sefrin auf, der schon seit Jahren für das Kongressprogramm verantwortlich zeichnet. Auch er fand, dass dieses schwere ICE-Unglück – zehn Jahre nach Eschede – die Schlagkraft und Qualität des Rettungswesens eindrucksvoll unter Beweis gestellt hätte. „Aber ohne die Unterstützung ehrenamtlicher Kräfte wäre dies nicht möglich gewesen“, erinnerte Sefrin und mahnte vor allem die Politiker: „Qualität kann in Zukunft nicht weiterhin maßgeblich nur auf freiwilliger Basis erfolgen!“

Die preiswerte Lösung, sich auf Freiwilligkeit zu verlassen, sei nicht endlos fortzusetzen. Die auf der RETTmobil ausgestellten Produkte und Dienstleistungen zeigten eindrucksvoll, welche Fortschritte in der modernen Medizintechnik vollzogen würden. Um sie adäquat einzusetzen, sei eine besondere Qualifikation des Personals erforderlich, was dauerhaft nicht mit ehrenamtlichen Kräften sicherzustellen sei. „Der hier demonstrierte Fortschritt wird von stattlicher Seite nicht mitgetragen“, beklagte der Mediziner. „Das kann so nicht weitergehen!“ Die staatlichen Investitionen müssten in diesem Bereich gesteigert werden.
Umso größer sei sein Respekt, so Professor Dr. Sefrin, dass sich Jahr für Jahr viele ehrenamtliche Einsatzkräfte nach Fulda auf den Weg machten, um hier in ihrer Freizeit und zum Teil auf eigene Kosten am Kongress teilzunehmen. „Eine staatliche Anerkennung hierfür vermisse ich“, so Sefrin.
In diesem Jahr standen über 40 Referenten auf dem Programm, die unter anderem über neue Ausbildungsansätze, Einsatzkonzepte bei Großschadenslagen, Traumaversorgung und psychosoziale Notfallversorgung berichteten. Aufgrund der eingeschränkten Platzverhältnisse auf dem Messegelände fanden die Vorträge in diesem Jahr im Bürgerhaus Sickels sowie in der Feuerwache Fulda statt.
Wie abschließend bekannt wurde, wird die nächste RETTmobil vom 13. bis 15. Mai 2009 wieder in Fulda stattfinden. Nahezu zeitgleich (15. und 16. Mai) soll auch der 25. Bundeskongress Rettungsdienst in Siegen durchgeführt werden. Besonders kleinere Aussteller äußerten aufgrund dieser Überschneidung bereits ihr Unverständnis und fühlen sich von den Veranstaltern unter Druck gesetzt. Messeauftritte auf beiden Veranstaltungen können sich die meisten weder finanziell noch personell leisten.

Die seit Jahren schwelende und offen kaum zugegebene Konkurrenz zwischen diesen beiden Events scheint damit eine neue Dimension zu erhalten.

Text: Lars Schmitz-Eggen

Fotos: Michael Rüffer

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