25 Jahre Rendezvous in Gütersloh


Ein Mercedes 230 diente 1985 als NEF (Foto: Stadt Gütersloh) Gütersloh (pm) – Rein in den Rettungswagen und ab ins Krankenhaus: Das war bis vor 25 Jahren die übliche Praxis bei akut erkrankten Menschen und Unfallopfern. Am 1. April 1985 führte die Stadt Gütersloh das so genannte „Rendezvous-System “ ein: RTW und NEF fahren dabei unabhängig voneinander zum Einsatzort und leisten im Team professionelle Versorgung – ein Verfahren, das sich bewährt hat.

„In den vergangenen 25 Jahren hat sich die notärztliche Versorgung maßgeblich weiter entwickelt, und das ist gut so“, bilanziert Prof. Dr. med. Dietrich Paravicini vom Klinikum Gütersloh. Der erfahrene Chefarzt der Anästhesiologie und langjährige Notarzt hatte das Rendezvous-System hier damals mit aus der Taufe gehoben, und es ist ihm bis heute eine Herzensangelegenheit.

Erst Münster, dann Gütersloh

Schon als junger Arzt machte Paravicini sich in Hamburg mit der Notfallmedizin vertraut. Dort gab es bereits einen Rettungshubschrauber und einen Notarztwagen. 1976 kam er mit seinem damaligen Chef, Professor Lawin, von Hamburg an das Universitätsklinikum Münster und baute dort in wenigen Monaten ein damals längst überfälliges Notarztsystem als Rendezvous-System auf. Paravicini war von den Vorzügen des Systems überzeugt und setzte sich dafür ein: „Wir mussten einfach schneller werden, eher beim Patienten sein und helfen.“

1984 wurde dann auf die Chefarztposition an das Klinikum Gütersloh berufen. Die Dalkestadt war – wie viele andere Städte – zu dieser Zeit notfallmedizinisch eher im Rückstand. Die Versorgung von Notfällen erfolgte ausschließlich im Krankenhaus – in akut lebensbedrohlichen Situationen manchmal zu spät für die Patienten. An dieser Situation musste sich etwas ändern, darin waren sich Feuerwehrleute und Ärzte einig. Am 1. April 1985 war es nach vorausgehenden Entscheidungen in politischen Gremien endlich soweit: Das bodengebundene Notarzt-System für die Stadt Gütersloh und die angrenzenden Nachbargemeinden im Kreis nahm seinen Dienst auf.

„Als erstes Fahrzeug für den Notarzt musste ein gebrauchter, umgebauter Mercedes der Feuerwehr dienen“, berichtet Eberhard Vogeler, Sachgebietsleiter des Rettungsdienstes der Feuerwehr Gütersloh. Erst drei Wochen später konnte der neue Mercedes 230 in Betrieb genommen werden. Prof. Paravicini schmunzelt, wenn er sich an die Anfänge zurückerinnert. „Damals stand der Wagen noch auf dem Wirtschaftshof des Klinikums im Freien, eine Garage hatten wir nicht“, berichtet er. Um die Medikamente vor Frost zu schützen und das Kühlwasser auf Temperatur zu halten, schloss man das NEF an das Stromnetz an. Auch die Ausstattung war damals noch nicht so ausgereift wie heute. Doch über die Jahre wurden die Geräte stetig an die aktuellen medizinischen Anforderungen angepasst.

Eine Erfolgsgeschichte

Bereits in den ersten drei Wochen nach Einführung des Rendezvous-Systems brachte es der neue Notarztwagen auf 40 Einsätze – die meisten nachts. Damit lohnte sich die Anschaffung als hervorragende Ergänzung zum Rettungshubschrauber Christoph 13, der in der Nacht und bei Nebel nicht fliegen darf.

Heute – 25 Jahre und einige Notarztfahrzeuge später – ist das damals revolutionäre Rendezvous-System zum professionellen Standard geworden. Von 850 Einsatzfahrten pro Jahr in der Anfangszeit ist die Zahl mittlerweile auf 2500 gestiegen. Neben Prof. Dietrich Paravicini gibt es zwölf weitere ausgebildete Notärzte am Klinikum Gütersloh, die zusätzlich zu ihrer Stelle in der Anästhesiologie im Schichtdienst auf dem NEF eingeteilt sind. Darüber hinaus wurde 1998 zusammen mit dem Kreis Gütersloh der Dienst eines „Leitenden Notarztes“ (LNA) eingerichtet, um auch im Falle eines Massenanfalls von verletzten oder erkrankten Personen die Patientenversorgung zu optimieren.

Rendezvous-Systeme seit 1964 im Einsatz

Um die Stadt, die das Rendevous zwischen Rettungswagen und Notarzt erstmals einführte, können sich die Städte München und Heidelberg bewerben. In Heidelberg steht der Funkrufname HD10 jedenfalls seit dem 7. April 1964 für das NEF. Seinerzeit nicht etwa ein Mercedes, sondern ein VW-Käfer, privat zugelassen auf den Chirurgen Eberhard Gögler, der das Rendevous-System salonfähig machen wollte.

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