Weiter Diskussion um Reform der Notfallversorgung

(Bild: Martin Bühler/Johanniter)Berlin (ots/rd_de) – Weiterhin liegen die Meinungen zur geplanten Reform der Notfallversorgung zum Teil weit auseinander (wir berichteten). Das Bundesgesundheitsministerium setzt auf integrierende Maßnahmen, um die einzelnen Versorgungsbereiche vom Notruf bis zur stationären Versorgung stärker miteinander zu vernetzen. Hierzu zählen eine bessere telefonische Ersteinschätzung über die 112 oder die 116117 und die Einrichtung integrierter Notfallzentren an Klinikstandorten. Die geplanten Änderungen im Rettungsdienst können dabei eine große Tragweite für die medizinische Versorgung entfalten.

„Der Rettungsdienst ist ein zentral wichtiger Ausgangspunkt für eine gute medizinische Versorgung im Notfall“, stellt Jörg Lüssem, Mitglied des Bundesvorstandes der Johanniter-Unfall-Hilfe, fest. Hier werde auch die große Bedeutung der Rettungsdienstberufe ersichtlich.

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Der vorliegende Diskussionsentwurf aus dem Bundesgesundheitsministerium zur Reform der Notfallversorgung beinhalte nach Ansicht der Johanniter, dass der Rettungseinsatz künftig als medizinische Leistung und nicht mehr – wie bisher – als Transportleistung definiert werden solle. „In der weiteren Reform-Diskussion sollten wir die Einstufung des Rettungsdienstes als eigenständigen Leistungsbereich der gesetzlichen Krankenversicherung stärker beleuchten“, empfiehlt Lüssem. Zudem könne auch in Zukunft nicht auf die enge Verzahnung von Rettungsdienst und der Gefahrenabwehr verzichtet werden. Dies sei einerseits eines der herausragenden Qualitätsmerkmale der rettungsdienstlichen Versorgung in Deutschland und anderseits zwingend notwendig für einen funktionierenden Zivil- und Bevölkerungsschutz, den Hilfsorganisationen, wie die Johanniter-Unfall-Hilfe, zusätzlich leisteten.

Funktionierende Bereiche der Notfallversorgung nicht gefährden

Der Niedersächsische Landkreistag (NLT) sieht die Pläne von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zur Neuordnung der Notfallversorgung hingegen kritisch. Die Idee einer Zusammenlegung der Notrufnummer 112 mit der weniger bekannten 116117 des ärztlichen Bereitschaftsdienstes lehnt NLT-Hauptgeschäftsführer Hubert Meyer im Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ) ab. „Wir wollen funktionierende Bereiche der Notfallversorgung nicht dadurch gefährden, dass wir Kraut und Rüben zusammenwerfen“, sagte Meyer im Gespräch mit dem Blatt.

Die über die 112 erreichbaren Integrierten Leitstellen (Brandschutz und Rettungsdienst) sind in Niedersachsen in der Regel Sache der Landkreise oder kreisfreien Städte, der ärztliche Bereitschaftsdienst 116117 wird über die Kassenärztlichen Vereinigungen organisiert.

„Wir können die Notrufnummer 112, bei der es um Menschenleben und Minuten geht, nicht belasten mit Gesprächen über Facharzttermine, die vielleicht in Monaten stattfinden. Auch die Idee, die Anrufer aufzuteilen, ist weltfremd. Wer die 112 anruft, ist oft in einer Paniksituation. Die Betroffenen brauchen schnelle und stringente Lösungen“, sagte der NLT-Hauptgeschäftsführer der NOZ.

Eine bundesweite Reform würde möglicherweise eine Grundgesetzänderung erforderlich machen, die Meyer ablehnt. „Wir wehren uns dagegen, dass der Bundesgesundheitsminister für das Rettungswesen eine Kompetenz im Grundgesetz fordert. Es geht ja nicht nur um die Patientenversorgung, sondern die 112 ist in erster Linie eine Notrufnummer für die Feuerwehr. Und da haben wir in Niedersachsen eine bestehende, sehr gut funktionierende Struktur im Brand- und Katastrophenschutz“, sagte Meyer.

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