Produkt: Rettungs-Magazin 5/2019 Digital
Rettungs-Magazin 5/2019 Digital
Interview zur Interschutz 2020+++Reportage Christoph Westfalen+++Drohneneinsatz im Katastrophenschutz+++Rettungsdienst in Bremerhaven+++Erster RTW von MAN

Unterstützung bei Verlegungsflügen von Patienten in Bauchlage

(Bild: Saskia Schimpf/Johanniter)Butzbach (JLR) – Die Johanniter sind nach eigenen Angaben die ersten, die in der Luftrettung neue Spezialkissen einsetzen. Mit deren Hilfe sollen Lunge und Thorax entlastet sowie Nervenschäden verhindert werden.

Muss ein Patient von einer Klinik in eine andere verlegt werden, gilt es, die begonnene Intensivtherapie ohne Unterbrechung fortzuführen. Schwer an Covid 19 erkrankte Patienten liegen während der Therapie häufig bis zu 16 Stunden lang in Bauchlage, um die Belastung für die Lunge zu reduzieren und Verklebungen zu lösen.

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Um den Prozess der Lagerung während des Transports zu optimieren, nutzt die Johanniter Luftrettung ab sofort spezielle Lagerungskissen der Firma TapMed. Diese mehrfach verwendbaren Kissen verfügen über Aussparungen im Thoraxbereich, sodass dieser entlastet wird. Die Kissen sind desinfizierbar und können auch im Isolationstransportsystem IsoArk eingesetzt werden. Zudem werden Arme und Kopf des Patienten in speziellen, einmal verwendbaren Polstern gelagert, die für eine optimale Druckverteilung sorgen und Schädigungen der Haut vorbeugen.

Weiterer Vorteil: Bei intubierten Patienten kann der Tubus zur Seite ausgeleitet und muss daher bei der Umlagerung nicht diskonnektiert werden. Das sorgt für weniger Stress beim Patienten und verhindert ein Austreten von Keimen über Aerosole in die Umgebungsluft. Das schützt das Personal vor, während und nach dem Transport.

Durch den Transport im IsoArk-Isolationsschutzsystem mit Unterdruck ist ein Austreten von Keimen ausgeschlossen. Die Johanniter Luftrettung sei damit noch besser für den Transport intensivpflichtiger Patienten im Lungenversagen, insbesondere bei Covid-Patienten, ausgerüstet. Sie setze die speziellen Lagerungskissen und Polster auf ihren Intensivtransporthubschraubern in Gießen, Reichelsheim (Wetterau) und Rostock ein, die entsprechende Verlegungsflüge durchführen, teilte die Hilfsorganisation am Montag (15.02.2021) mit.

Prof. Dr. Simon Little, Notarzt, Ärztlicher Leiter des Luftrettungszentrums Gießen und Oberarzt am Universitätsklinikum Gießen und Marburg, Standort Gießen, erklärt die Vorteile: „Früher haben wir für den Transport von Patienten in Bauchlage die Lagerungspolster teilweise selbst hergestellt, indem wir Decken zusammengerollt und so unter den Patienten gelegt haben, dass die gewünschte Position beim Transport erhalten blieb. Das ist möglich, kostet aber Zeit, ist sehr aufwendig und erfordert immer wieder Korrekturen der richtigen Lagerung bis schließlich alles wirklich passt und wir mit dem Transport beginnen konnten. Die neuen Lagerungskissen sparen während des Umlagerungsvorgangs viel Zeit und ermöglichen, dass der Patient sicher in der richtigen Position liegt. Die Aussparungen für Thorax und Abdomen entlasten die Lunge, sorgen für eine Verbesserung des pulmonalen Gasaustausches sowie die Sekret-Mobilisation und sie entlasten den Kreislauf. Darüber hinaus beugen sie der Entstehung von Druckstellen vor und sind gut zu desinfizieren. Durch die Aussparungen können auch übergewichtige Patienten gut auf dem Bauch gelagert werden, ohne dass die inneren Organe aufgrund des Drucks nach oben geschoben werden. Die Armpolster durch die der Patient in einer vorteilhaften Haltung liegt, sichern die Arme vor Verrutschen und verhindern Nervenschäden durch Auflagedruck – insbesondere an den Ellenbogen. Nervenschäden können schlechtestenfalls bereits nach 30 Minuten entstehen und sind nicht immer reversibel. Und die Kopfpolsterung mit der weichen Spezialschaumstoffoberfläche verhindert Druckstellen im Gesicht des Patienten. Mit unseren neuen Lagerungsmaterialien (…) können wir unseren Anspruch der ununterbrochenen Fortsetzung der Intensivtherapie während des Fluges besser, einfacher und schneller umsetzen. Wir haben hier ein Lagerungssystem an der Hand, das den Einsatz des IsoArks sinnvoll ergänzt, dem Patienten zugutekommt, und wir können damit die Atmungstätigkeit des Patienten, ob intubiert oder nicht, unterstützen“.

Da nicht alle Patienten im Bauchlage transportiert werden müssen, verfügt die Johanniter Luftrettung auch über sogenannte Troop-Polster, die beim Transport in Rückenlage eingesetzt werden. Diese erleichtern durch die leicht erhöhte Position des Patienten die Intubation, insbesondere bei Patienten mit Übergewicht. Sie bestehen aus Basispolster, Zusatzpolster und Kopfpolster und können ebenfalls mit dem Isolationsschutz-System IsoArk kombiniert werden.

„Übergewicht ist ein Risikofaktor für einen schweren Verlauf von Covid 19, das sehen wir leider auch im Klinikalltag und bei unseren Transporten. Daher ist es umso wichtiger, dass wir mit der leicht erhöhten Lagerung Lunge und Kreislauf des Patienten entlasten können“, erklärt Little.

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