Produkt: Rettungs-Magazin 5/2019
Rettungs-Magazin 5/2019
Interview zur Interschutz 2020+++Reportage Christoph Westfalen+++Drohneneinsatz im Katastrophenschutz+++Rettungsdienst in Bremerhaven+++Erster RTW von MAN

Psychologen entwickeln Fragebogen für Führungskräfte

(Bild: Markus Brändli)Münster (pm) – Ob Sturm, Hochwasser oder wie derzeit die Corona-Pandemie: Bei einer großen Einsatzlage werden die Führungsstäbe von Feuerwehr und Rettungsdienst tätig. Sie sind auf Ebene der Landkreise und kreisfreien Städte für das Krisenmanagement zuständig.

Bis zum Ausbruch der Lungenkrankheit Covid-19 kam ein solcher Stab in Deutschland – statistisch betrachtet – nur etwa einmal in 25 Jahren im Rahmen eines Ernstfalls zusammen. Deshalb fehlt es den Stabsmitgliedern häufig an praktischen Erfahrungen. Um eine optimale Ausbildung dieser Teams zu gewährleisten, haben Psychologinnen und Psychologen der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) einen Fragebogen entwickelt, der die Einsatzkräfte in die Lage versetzen soll, im Ernstfall ihre Führungsaufgabe routiniert zu erfüllen. Der Fragebogen ist Teil des Forschungsprojekts „FIRE: Feedback-Instrumente zur Rettungskräfte-Entwicklung – Führung und Teamarbeit in Hochrisiko-Umwelten“ und online abrufbar.

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„Mit dem Fragebogen können die Einsatzkräfte erstmals die Inhalte ihrer speziellen Lehrgänge beurteilen. Da die Führungsstäbe nur selten im Einsatz sind, kann die mangelnde Erfahrung zu suboptimalen Entscheidungen mit schwerwiegenden Konsequenzen führen. Eine hohe Qualität der Ausbildung ist daher unerlässlich“, erklärt Prof. Dr. Meinald Thielsch von der Arbeitseinheit Organisations- und Wirtschaftspsychologie an der WWU, der für die fachliche Projektdurchführung verantwortlich ist.

Die Forscher haben in ihrer Studie 288 Führungskräfte aus ganz Deutschland befragt. Der Fragebogen besteht aus 24 Punkten, bei denen die Führungskräfte unter anderem über ihre Entscheidungsfindung in kritischen Situationen, der Stressbewältigung im Einsatz und der nötigen Sicherheit in der Praxis berichten.

In den Führungsstäben sind neben Feuerwehrleuten auch Mitglieder des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) und des Technischen Hilfswerks (THW) für die operativ-taktischen Aufgaben zuständig. Zusammen mit den Krisenstäben, die die administrativ-organisatorischen Tätigkeiten übernehmen, unterstehen die beiden Teams im Katastrophenfall den jeweiligen Landräten beziehungsweise Oberbürgermeistern.

Die Feuerwehr-Stäbe führen am Institut der Feuerwehr Nordrhein-Westfalen (IdF NRW) in Münster sowie in den Kreisen und kreisfreien Städten bis zu zehn Übungen im Jahr durch, um für den Ernstfall gerüstet zu sein. Darüber hinaus gibt es jährlich vier Stabsrahmen-Lehrgänge, in denen die Krisenstäbe gemeinsam an einer großen Einsatzlage üben.

„Als zentrale Aus- und Fortbildungsstelle für die Krisenstäbe der Verwaltungen ist es für uns enorm wichtig, über die Evaluationsbögen einen Einblick in die Praxis der Stäbe, vor allem in die reale Arbeitsweise und die tatsächlichen Herausforderungen, zu gewinnen“, betont Dr. Christoph Lamers vom IdF NRW. „Wir gehen davon aus, dass wir dadurch unsere Übungen noch realitätsnäher gestalten können. Ferner erhoffen wir uns, dass wir damit die psychologischen Aspekte der Stabsarbeit, häufig auch als ‚menschliche Faktoren‘ bezeichnet, zukünftig gezielter in die vorbereitenden Unterrichte und Stabsübungen integrieren können.“

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