Produkt: Rettungs-Magazin 5/2019 Digital
Rettungs-Magazin 5/2019 Digital
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Notfallmediziner: „Wir verspielen große Chancen!“

(Bild: Markus Brändli)Bad Boll (dgai) – Pro Tag erleiden in Deutschland nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) hunderte Menschen einen Herzstillstand. In Bad Boll forderten Experten für Wiederbelebung während einer Tagung von Politik und Regierung daher deutlich mehr Unterstützung.

Bei den „Bad Boller Reanimations- und Notfallgesprächen“ haben sich Vertreter von Hilfsorganisationen, Feuerwehren, medizinischen Fachgesellschaften, Kliniken, Universitäten und Forschungseinrichtungen dafür ausgesprochen, dass bundesweit alle Schüler ab der siebten Klasse die Wiederbelebungsmaßnahmen lernen sollten: „Hier haben wir immer noch einen Flickenteppich und verspielen große Chancen“, sagt der Leiter des „Deutschen Reanimationsregisters“, Professor Dr. Jan-Thorsten Gräsner. Ebenso sollten nach Ansicht der Tagungsteilnehmer alle berufstätigen Menschen in Deutschland die lebensrettenden Handgriffe wirklich beherrschen.

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Hunderte Menschen würden pro Tag in Deutschland durch einen Herzstillstand aus dem aktiven Leben gerissen, teilte die DGAI am Montag (24.02.2020) mit. Pro Jahr sterben mehrere zehntausend Menschen daran. Der volkswirtschaftliche Schaden beträgt mehr als 14 Milliarden Euro. Die Quote der Ersthelfer, die sofort Herzdruckmassage ausführen, liegt nur knapp über 40 Prozent. Länder wie die Niederlande, Norwegen und Dänemark schneiden hier wesentlich besser als Deutschland ab. Dabei sind die Nervenzellen im menschlichen Gehirn schon nach fünf Minuten unwiederbringlich geschädigt.

In der Diskussion um das neue Notfallversorgungsgesetz fordern die Reanimationsexperten, dass die Patientensicherheit und die qualitativ beste Versorgung der Notfallpatienten in den Mittelpunkt der Reform gerückt werden. Gerade diese Elemente seien für den Patienten entscheidend, werden im Moment aber nicht im Gesetzentwurf berücksichtigt.

Große Hoffnung setzen die Experten in die Früherkennung von Symptomen für einen drohenden Kreislaufstillstand: Einerseits müsse die Bevölkerung weiter aufgeklärt werden. Andererseits könnten Smart-Watches und ähnliche intelligente Systeme helfen, Warnsignale des Organismus wahrzunehmen. Sie könnten Patienten schon Tage oder Stunden vorher warnen, dass sie bald zu einem Notfall werden, zum Beispiel durch einen Herzinfarkt.

Die Fachleute stützen sich dabei auf Erkenntnisse aus dem Krankenhaus: Bei bis zu 80 Prozent der Patienten, die in der Klinik einen Kreislaufstillstand erleiden, gibt es Vorzeichen. Wenn solche Warnsignale auch außerklinisch rechtzeitig erkannt werden, kann direkt der Rettungsdienst über die Notrufnummer 112 alarmiert werden, die Therapie sofort einsetzen und ein Kreislaufstillstand vermieden werden.

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