Produkt: Rettungs-Magazin 5/2019
Rettungs-Magazin 5/2019
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Köln: Notarzt-System feiert 60-jähriges Bestehen

Notarzt KölnKöln (BF) – Die Stadt Köln blickt auf 60 Jahre Notarzt-System zurück. Am 3. Juni 1957 wurde erstmals ein Notarztwagen in der Dom-Stadt am Rhein besetzt. Ein Rückblick.

Auslöser für die Einrichtung des Systems war in Köln wie an anderen Orten auch, eine Studie des Rechtsmedizinischen Institutes der Universität Münster aus dem Jahre 1952. Darin wurde beschrieben, dass die Hälfte aller Verkehrstoten noch leben könnte, wenn ärztliche Hilfe rechtzeitig zur Stelle gewesen wäre. Damals verzeichnete man noch rund 13.000 Verkehrstote jährlich im Gebiet der alten Bundesländer.

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Daraufhin wurden an mehreren Orten in Deutschland Konzepte für ein Notfallarzt-System entwickelt. In Köln wurde diese Idee gemeinsam von Prof. Viktor Hoffmann (Universität zu Köln), Dr. Engelbert Friedhoff (Uni Köln), Prof. Dr. Berkenhoff (Verkehrswissenschaftliches Institut der Uni) und Direktor Hoffmann (HUK-Verband) entwickelt und realisiert.

Köln: Erster Notarztwagen auf Ford FK 2500

Entscheidend für die Einrichtung war die finanzielle Zusage von Erhard Vitger, Generaldirektor der Kölner Ford-Werke, 50.000 D-Mark zur Verfügung zu stellen. Ein Teil der Summe wurde für das zum Einsatz kommende Fahrzeug, der andere Teil für den Um- und Ausbau verwendet. Das erste Notarztfahrzeug war ein fabrikneuer Ford FK 2500 mit 100 PS und einem 3,9 Liter V8-Motor.

Die Inbetriebnahme des Notarztwagens verlief im Vorfeld nicht ganz reibungslos. So bat Prof. Hoffman den damaligen Oberstadtdirektor Dr. Max Adenauer, drei Feuerwehrleute als Fahrer bereitzustellen. Ein Wunsch, der nach Beratungen in der Verwaltungskonferenz im Januar 1957 zunächst abgelehnt wurde.

Der damalige Polizeipräsident vertrat zudem die Meinung, dass das Fahrzeug funkmäßig an den Polizeifunk angeschlossen und auch so zum Einsatz abgerufen werden müsste. Zudem sollte der Wagen in die Obhut der Polizei genommen und somit auch mit Polizisten als Fahrer besetzt werden. Dies wurde jedoch vom damaligen Landesinnenministerium abgelehnt.

In der Zwischenzeit hatten sich der Beigeordnete Rolf Kattanek und Kölns Branddirektor Walter Hans darauf geeinigt, das Projekt in Eigenregie auf die Beine zu stellen und den ersten Notarztwagen bei der Feuerwache Lindenthal zu stationieren. Vier Feuerwehrmänner wurden für den Einsatz auf dem Fahrzeug ausgebildet. Ein Arzt sollte im Einsatzfall an der Pforte der Uniklinik aufgenommen werden.

Der Funkrufname des Fahrzeugs lautete „ Arnold NAW“ und war zunächst tatsächlich an das Funknetz der Polizei angebunden. In den Anfangszeiten war der Notarztwagen durchschnittlich einmal am Tag im Einsatz. Durch die Ausdehnung des Einsatzgebietes stiegen allerdings die Einsatzzahlen kontinuierlich. Zum Ende des Jahres 1957 verzeichnete das Fahrzeug bereist rund 200 Einsätze.

 

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Die Bevölkerung begleitete das neue Notarztsystem in den Anfängen zunächst kritisch. Denn bisher war man den möglichst schnellen Transport der Patienten vom Unfallort zur nächstgelegenen medizinischen Versorgung oder in die nächste Krankenstation gewohnt. Nun wartete man am Ort des Geschehens zunächst das Eintreffen des Notarztes ab, der dann eine Erstversorgung vornahm. Für die damalige Zeit war das ungewöhnlich.

Rund ein halbes Jahr nach seiner Einrichtung wurde im Dezember 1957 der Bedarf für einen zusätzlichen, im Rechtsrheinischen einzusetzenden Notarztwagens festgestellt. Als Sofortlösung war angedacht, dass ein Funkstreifenwagen der Polizei einen Arzt aus den Merheimer Kliniken zur Unfallstelle bringen sollte. Dieses Vorhaben fand jedoch keine Befürworter. Und so wurde zunächst übergangsweise ein Apothekerwagen des Malteser Hilfsdienstes eingesetzt, der dann später zu einem Notarztwagen umgebaut wurde.

Einführung des Rendezvous-Systems

Im Jahr 1967 entstand als weitere Neuerung das so genannte „Rendezvous-System“. Das heißt, ein Notarzt fährt in einem kleineren Pkw (dem Notarzteinsatzfahrzeug) zum Einsatzort und trifft dort den Rettungswagen. Nach der Behandlung, sofern der Notarzt den Patienten nicht begleiten muss, steht das Notarzteinsatzfahrzeug sofort wieder für andere Einsätze zur Verfügung. Dieses System hat sich mittlerweile in Deutschland etabliert.

In der Stadt Köln wird der Rettungsdienst aktuell durch acht Notarzteinsatzfahrzeuge im Rund-um-die-Uhr-Dienst sowie ein Notarzteinsatzfahrzeug im Zwölfstundendienst sichergestellt. Davon sind sechs Fahrzeuge linksrheinisch und drei Fahrzeuge rechtsrheinisch stationiert. Zusätzlich stehen der Rettungshubschrauber „Christoph 3“ und der Intensivtransporthubschrauber „Christoph Rheinland“ während des Tages für die ganze Region zur Verfügung.

Im vergangenen Jahr kamen die Kölner Notarzteinsatzfahrzeuge auf insgesamt rund 40.000 Einsätze.

[ID983] (02.06.2017)

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