Produkt: Rettungs-Magazin 5/2019
Rettungs-Magazin 5/2019
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Kann die mobile Herz-Lungen-Maschine Leben retten?

(Bild: (Symbol) Markus Brändli)Berlin (pm) – Ein Mensch erleidet einen Herz-Kreislauf-Stillstand. Selbst unter fortgesetzter Herzdruckmassage kommt sein Herz nicht wieder in Gang. Für solche Fälle steht Notfallmedizinern seit wenigen Jahren die extrakorporale Herz-Lungen-Wiederbelebung (eCPR) zur Verfügung.

Im Rahmen der eCPR kommt in Deutschland zunehmend eine mobile Herz-Lungen-Maschine zum Einsatz. Sie kann die Zeit bis zu einer lebensrettenden Klinikbehandlung überbrücken. Es besteht die Hoffnung, mit der eCPR eine Steigerung der Überlebensrate zu erreichen. Dies scheint aber durch Studien noch nicht ausreichend belegt zu sein.

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Umgekehrt erfordert die Anwendung des Geräts einen immensen logistischen Aufwand. Deshalb fordert die Deutsche Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN) dringend weitere Studien und auch eine Diskussion über die großen ethischen Fragen, die durch den Einsatz von eCPR entstehen. Im Rahmen einer Pressekonferenz erläutern Experten der DGIIN am Mittwoch (12.06.2019) in Berlin, welche Chancen, aber auch Risiken ihrer Meinung nach in der eCPR liegen.

Extrakorporale Herz-Lungen-Wiederbelebung (eCPR)

Die extrakorporale Herz-Lungen-Wiederbelebung bringt den stillstehenden Kreislauf des Patienten wieder in Gang. Dabei wird eine mobile Herz-Lungen-Maschine oft noch außerhalb der Klinik über die großen Leistengefäße an den Patientenkreislauf angeschlossen. Das Gerät übernimmt dabei – wie eine klinisch-stationäre Herz-Lungen-Maschine auch – sowohl die Pumpfunktion des Herzens als auch die Funktion der Lunge, das Blut mit Sauerstoff anzureichern.

„Zahlreiche Einzelfallberichte und erste Beobachtungsstudien deuten darauf hin, dass die Überlebensrate von Patienten mit Herzinfarkt oder Lungenembolie mithilfe der eCPR gesteigert werden kann“, sagt Professor Dr. med. Stefan John, Leiter des Funktionsbereichs Intensivmedizin am Klinikum Nürnberg und Präsident der DGIIN. „Angesichts der noch immer geringen Überlebenszahlen unter konventioneller Herzdruckmassage kann dies eine wichtige Entwicklung darstellen. Allerdings ist die Datenlage dafür auch noch sehr dünn“, so der Experte.

Nach Ansicht des Experten birgt der Einsatz einer eCPR erhebliche Risiken. „Es braucht dringend randomisierte Studien, die untersuchen, bei welchen Patientengruppen und unter welchen Voraussetzungen eine eCPR aussichtsreich ist“, sagt John. Der mit einer eCPR verbundene Aufwand sei enorm, und die Entscheidung für oder gegen eine eCPR müsse in jedem Fall sehr schnell getroffen werden, oft ohne, dass alle relevanten Informationen zur Verfügung stünden.

Ethische Herausforderungen

„Der wichtigste Faktor ist sicherlich die Dauer, für die das Gehirn nicht oder nur unzureichend durchblutet war“, erläutert der Experte. Dafür müsse der genaue Zeitpunkt des Herzversagens ebenso bekannt sein wie der Beginn und die Qualität der Reanimation. Für die Prognose sei es auch essentiell zu wissen, welche Ursache der Herz-Kreislauf-Stillstand habe und ob diese überhaupt beseitigt werden könnte. Im Idealfall sollten auch das Alter des Patienten, mögliche Grunderkrankungen sowie der Wille des Patienten bekannt sein.

Da diese Informationen oft nicht rasch genug verfügbar sind, kann die eCPR die Gefahr einer Übertherapie bedeuten. „Wenn der Kreislauf wiederhergestellt wird, obwohl schon unumkehrbare Hirnschäden eingetreten sind, entstehen schwer zu lösende, ethische Fragestellungen“, mahnt John. Ein denkbarer Fall wäre beispielsweise ein Patient mit schwerer Hirnschädigung und ohne Aussicht auf eine eigene Herzfunktion, der aber durch die Herz-Lungen-Maschine künstlich am Leben erhalten werde. Eine für Angehörige, aber auch für das Behandlungsteam äußerst belastende Situation.

Für John steht die eCPR beispielhaft für die Entwicklung der modernen Intensiv- und Notfallmedizin, die große Chancen bietet, aber auch besondere ethische Herausforderungen mit sich bringt.

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