Produkt: Rettungs-Magazin 3/2019
Rettungs-Magazin 3/2019
Neuer ITW fürs BRK+++Interview: Berufsbild Notfallsanitäter+++Rettungsdienst in Island+++Was tun bei Hypotonie+++Rettung nach Wespenstich+++Ausbildung Bergwacht

Johanniter-Luftrettung: Transportsysteme für Corona-Patienten

(Bild: Johanniter)Gießen (JUH) – Die Johanniter Luftrettung hat sich bereits 2013 darauf spezialisiert, infektiöse Patienten sicher zu transportieren. Mit der Anschaffung des Infektions-Transportsystems IsoArk habe man nach eigenen Angaben als Erste derartige Vorkehrungen auf Rettungs- und Intensivtransporthubschraubern getroffen.

Insgesamt verfügt die Johanniter Luftrettung über drei IsoArk-Systeme. Aufgrund des erhöhten Einsatzaufkommens sind sie alle derzeit in Hessen stationiert. Die Johanniter-Luftrettung kann ihre Hubschrauber auf besondere Anforderung durch eine Gesundheitsbehörde mit dem System ausstatten.

Anzeige

„In Hessen und den angrenzenden Bundesländern haben wir mit unseren beiden Intensivtransporthubschraubern ‚Christoph Gießen‘ und ‚Christoph Mittelhessen‘ bis jetzt etwa 25 intensivpflichtige Patienten geflogen, die zum Zeitpunkt des Transportes an der Lungenkrankheit COVID-19 erkrankt waren oder unter Corona-Verdacht standen“, erklärt der Arzt und Ärztliche Leiter der Johanniter Luftrettung, Mumi Taleb.

„Auf unseren Intensivtransporthubschraubern haben wir seit dem ersten Einsatz im Jahr 2013 bereits mehrere Generationen des IsoArk-Systems eingesetzt. Wir stehen im stetigen Austausch mit den Herstellern, haben die Entwicklung begleitet und konnten zu Optimierungen des Systems beitragen. Man kann sagen, dass für die Johanniter-Luftrettung Infektionstransporte eher Routine als die Ausnahme darstellen. Auch wenn natürlich jeder Transport herausfordernd ist und die Vorbereitung des Patienten immer deutlich mehr Zeit beansprucht, als es die wenigen Flugminuten vermuten ließen.“

Das sogenannte Ein- und Ausschleusen des Patienten in die Isolationskammer ist keine Aufgabe für jedermann. Die medizinische Crew der Hubschrauber ist speziell dafür geschult. Alle wissen genau, was getan werden muss, damit die Handgriffe sitzen und der Patient bei laufender Intensivbehandlung in das Transportsystem überführt wird

„Unter anderem dafür trainieren wir auch regelmäßig als Team. Die standardisierten Schritte gehen ins Unterbewusstsein über, und mit der Übung kommt die Routine. Die Routine ist wichtig, damit auch in stressigen Situationen alle besonnen handeln. Die Patientensicherheit ist unser höchstes Gut“, unterstreicht der Arzt.

Das Infektions-Transportsystem IsoArk besteht aus einem Isolierzelt und dem zugehörigen Filtersystem. Das System arbeitet zum Infektionsschutz nach außen mit einem Unterdruck-Prinzip. Zusammen mit einem Nanopartikel-Filtersystem wird sichergestellt, dass Krankheitserreger das Isolierzelt nicht verlassen – Personal und Umgebung werden dadurch geschützt. Selbst wenn die Zelthülle beschädigt werden sollte, kann die Unterdruckpumpe Risse bis zu zehn Zentimetern Länge ausgleichen, das heißt, der Schutz bliebe bestehen.

Die intensivmedizinische Behandlung wird während des Transportes nahtlos fortgeführt, da der Patient von beiden Seiten voll zugänglich ist. Durch Schleusen und integrierte Handschuhe können jederzeit alle Maßnahmen – von der Medikamentengabe bis hin zur Reanimation – sicher vorgenommen werden.

„Durch den besonders großen Innenraum unserer Maschinen ist es möglich, bis zu drei Personen zusätzlich zur normalen dreiköpfigen Besatzung und dem Patienten zu transportieren. Das ist besonders in der aktuellen Situation relevant, weil wir von sogenannten ECMO-Zentren angefordert werden können. Dort holen wir das Spezialisten-Team samt Equipment ab und bringen es direkt an das Patientenbett. Die Beatmungs-Spezialisten schließen den Patienten vor Ort an das Herz-Lungen-Unterstützungssystem (ECMO) an und wir fliegen das Team und den Patienten sicher und schnell in die Zielklinik“, führt Taleb aus. Während des Fluges liegt der Patient quer zu den Sitzplätzen und ist somit durchgehend in Behandlung und unter Beobachtung, im Notfall kann sofort eingegriffen werden.

Die Infektions-Transportsysteme werden nach jedem Einsatz in einer extra dafür gebauten Desinfektionskammer aufbereitet. Sie ist nach den strengen Richtlinien des Robert Koch-Institutes (RKI) zertifiziert und zentral in Hessen stationiert. Die Aufbereitung übernehmen speziell geschulte Desinfektoren. Dadurch stehen die IsoArks in wenigen Stunden für den nächsten Einsatz zur Verfügung. Eine Verbesserung für alle Beteiligten, denn früher war das noch ganz anders: Vor dem Einsatz der IsoArk-Systeme mussten die Hubschrauber so lange außer Dienst gestellt werden, bis die Crew den Innenraum inklusive aller Geräte und Materialien von Hand desinfiziert hatte.

 

Produkt: Rettungs-Magazin 3/2019
Rettungs-Magazin 3/2019
Neuer ITW fürs BRK+++Interview: Berufsbild Notfallsanitäter+++Rettungsdienst in Island+++Was tun bei Hypotonie+++Rettung nach Wespenstich+++Ausbildung Bergwacht

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.