Produkt: Rettungs-Magazin 4/2019
Rettungs-Magazin 4/2019
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DEGUM fordert Sonografie auf jedem Notarztfahrzeug

(Bild: DRF Luftrettung)Stuttgart (DEGUM) – Je schneller ein Notarzt vor Ort die richtige Diagnose stellen kann, desto gezielter die Erstmaßnahmen. Ein Ultraschallgerät im Notarzteinsatzfahrzeug kann nach Meinung der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) maßgeblich dazu beitragen, zeitnah die richtige Diagnose zu stellen und damit die richtige Therapie einzuleiten.

„Zwar werden mehr und mehr Notarzteinsatzfahrzeuge mit so genannten Point of Care-Geräten ausgestattet, dies ist aber noch längst kein Standard“, sagt Dr. med. Armin Seibel von der DEGUM.

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Hier bestehe dringender Nachholbedarf. Ein Vorbild sei die Luftrettung: Seit Anfang 2019 verfügen alle Rettungshubschrauber des ADAC und der DRF Luftrettung über mobile Ultraschallgeräte. Notfallmediziner müssen jedoch für den Umgang mit diesen Geräten besonders ausgebildet werden, betont die DEGUM.

Das Notfall-Ultraschallgerät ist klein, robust und überall einsetzbar. Mobile Hightech-Ultraschallsonden, die an Smartphone-große Bildschirme angeschlossen werden können, verschaffen dem Notarzt einen schnellen Überblick über den Zustand des Patienten. Bei Verkehrsunfällen zeigt eine Bauchsonografie beispielsweise, ob eine innere Blutung vorliegt. Bei akuten Herz-Kreislauf-Erkrankungen können die Grundfunktionen des Herzens und der Herzklappen geprüft sowie die Lunge untersucht werden.

„Gerade bei unklaren Befunden, bei denen man anfangs an eine Vielzahl von möglichen Erkrankungen denken muss, kann eine sonografische Untersuchung sehr hilfreich sein“, sagt Dr. med. Wolfgang Heinz, Leiter des DEGUM-Arbeitskreises Notfallsonografie.

Dabei gehe es nicht nur darum, durch die Sonografie Befunde zu erkennen, sondern oft auch bestimmte Diagnosen auszuschließen. „Letztlich erweitern sich die präklinischen Diagnosemöglichkeiten und dadurch steigt die Chance für die Patienten, dass von Anfang an die richtigen therapeutischen Maßnahmen ergriffen werden.“

Seit 2019 haben ausnahmslos alle Hubschrauber der DRF sowie des ADAC Ultraschallgeräte an Bord. Dies macht rund 90 Prozent der gesamten Luftrettung in Deutschland aus. Damit die neue Technik optimal eingesetzt werden kann, müssen die Notfallmediziner entsprechend ausgebildet sein. „Aus diesem Grund haben wir vor einigen Jahren das Curriculum Notfallsonografie entwickelt“, erklärt Ultraschall-Experte und Ausbilder Dr. Seibel. Es besteht aus einem Basis- und Aufbaukurs und beinhaltet alle relevanten Techniken, die im Notfall benötigt werden. Denn der Arzt im Rettungswagen muss – im Gegensatz zum Spezialisten in der Klinik – das gesamte Spektrum relevanter sonografischer Untersuchungstechniken und Befundungsinterpretationen für die Notfallsituation beherrschen – von Anästhesie und Chirurgie über Kardiologie, Gynäkologie bis hin zu Unfallchirurgie und Orthopädie.

Wer den Basis- und Aufbaukurs der DEGUM absolviert, sei dafür bestens gerüstet, teilte die Gesellschaft mit. Die Mediziner lernen hier algorithmusorientierte Untersuchungsvorgänge, die ihnen erlauben, innerhalb von wenigen Minuten eine Diagnose zu stellen.

„Das Besondere an unseren Kursen ist zudem die Nachhaltigkeit“, betont Dr. Seibel, „das Zertifikat erhält der Teilnehmer erst, wenn er eine entsprechende Anzahl an Untersuchungen nachweisen kann.“

Besonderen Wert legen die DEGUM-Ausbilder auf die Praxis, in Form einer symptom- und patientenorientierten, fokussierten Untersuchung. Trainiert wird mit modernen tragbaren Ultraschallgeräten. Unter Anleitung erfahrener Instruktoren üben die Teilnehmer an realitätsnah gestalteten Praxisstationen mit echten Patienten, Probanden und Simulatoren.

Was bei der Luftrettung nun bereits Standard ist, sollte auch für Noteinsatzfahrzeuge am Boden gelten: eine Ausstattung mit mobilen Ultraschallgeräten und Ausbildung der Notärzte in Ultraschalldiagnostik, sofern diese nicht bereits über entsprechende Kenntnisse verfügen.

„Mit Sonografie an Bord verbessern wir natürlich auch hier die Qualität der präklinischen Patientenversorgung“, sagt Dr. Heinz. Diejenigen, die in den verschiedenen Rettungsorganisationen an den jeweiligen Notarztstandorten über die medizinisch-technische Ausrüstung der Noteinsatzfahrzeuge entscheiden, öffnen sich mehr und mehr der präklinischen Ultraschalldiagnostik.

„Es ist aber noch ein weiter Weg, bis wir flächendeckend mobile Ultraschallgeräte an Bord von Einsatzfahrzeuge haben“, glaubt Dr. Heinz. „Die Ultraschalldiagnostik kann im Ernstfall den entscheidenden Impuls für die erfolgreiche Behandlung von lebensgefährlich erkrankten Patienten liefern, diese Möglichkeit sollte nicht ungenutzt bleiben.“

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