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Chirurgen: Besser auf Terroranschläge vorbereiten

(Bild: JC Gellidon/Unsplash)Berlin (DGOU/DGU) – Das Überleben von Verletzten mit Schuss- und Explosionsverletzungen bei einer lebensbedrohlichen Einsatzlage wie einem Massenanfall von Verletzten im Terrorfall/Amoklage (TerrorMANV) hängt maßgeblich von einer schnellen Blutungskontrolle ab. Dafür hat die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) jetzt ein Notfall-OP-Set zusammengestellt, das speziell auf lebensrettende Notfalloperationen zur Versorgung von so genannten Höhlenblutungen ausgerichtet ist.

Das Set enthält chirurgische Instrumente, um stark blutende Wunden im Brust-, Bauch- und Beckenraum zu versorgen. „Die richtige Materialbewirtschaftung ist ein wesentlicher Aspekt, um in Ausnahmesituationen die bestmögliche Versorgung der Patienten ermöglichen zu können”, sagt Professor Dr. Paul Alfred Grützner, DGU-Präsident und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU). Die Fachgesellschaft empfiehlt Kliniken, das Spezial-Set (auch OP-Sieb genannt) für kritische Lagen in ausreichender Menge bereitzuhalten.

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Bisher gibt es kein Set mit einer vergleichbaren Siebstruktur. Denn: „Die Versorgung von polytraumatisierten Patienten mit Schuss- und Explosionsverletzungen kommt in der zivilen medizinischen Welt in Deutschland kaum vor“, sagt Oberstarzt Prof. Dr. Benedikt Friemert vom Bundeswehrkrankenhaus Ulm, Leiter der DGU-AG Einsatz-, Katastrophen- und Taktische Chirurgie (EKTC). Anders sei das in Krisen- und Kriegsgebieten.

Das Notfall-OP-Set umfasst über 120 verschiedene Instrumente, darunter Skalpelle, Pinzetten, Scheren, Knochenbohrer, Wundspreizer, Cutter, Knochenhebel, Drainagen und Nahtmaterial. Friemert erklärt: „Das Operationssieb ist auf die Maßnahmen fokussiert, die für die Sicherung des Überlebens der Patienten notwendig sind.“ So könnten Unfallchirurgen und Chirurgen mit nur einem OP-Sieb die unterschiedlichsten Verletzungsmuster bei einem Mehrfachverletzten versorgen.

Bei der Entwicklung der Siebstruktur wurden die Erfahrungen und Vorplanungen einer Arbeitsgruppe aus Berlin (Stabsstelle Katastrophenschutz der Charité – Universitätsmedizin Berlin in Zusammenarbeit mit der Senatsverwaltung für Gesundheit in Berlin) und einer Arbeitsgruppe aus Frankfurt (Universitätsklinikum und BGU Frankfurt in Zusammenarbeit mit der Stabstelle medizinische Gefahrenabwehr Gesundheitsamt Frankfurt) zusammengeführt. Zudem flossen die Erfahrungen der Siebzusammenstellung aus den Auslandseinsätzen der Bundeswehr ein.

Während bei zivilen Unfällen wie beispielsweise einem Autounfall Frakturen, ein Schädel-Hirn-Trauma oder eine Brustraumquetschung zu einer lebensbedrohlichen Situation führen, sind es bei einem Terroranschlag mit Schuss- und Explosionswaffengebrauch offene Verletzungen mit stark blutenden Wunden bis hin zu schweren Explosionsverletzungen (Blast-Injury) mit Verlust von Extremitäten.

„Auf diese Verletzungsmuster sollte man vorbereitet sein, um im Ernstfall gut aufgestellt zu sein“, sagt Professor Dr. Dietmar Pennig, DGU-Generalsekretär und stellvertretender DGOU-Generalsekretär. Daher engagiert sich die DGU neben dem Notfall-OP-Set noch mit weiteren Maßnahmen, damit Opfer von möglichen Terroranschlägen/Amokläufen in Deutschland zu jeder Zeit und an jedem Ort schnell und situationsgerecht auf hohem Niveau versorgt werden können. Dazu zählt das Kursformat „Terror and Disaster Surgical Care“ (TDSC) zur Behandlung von Schuss- und Explosionsverletzungen.

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