Bewährungsprobe für Tele-Einsatzleitung mit Virtual Reality

(Bild: TEMA)Aachen (pm) – „Virtual Disaster“ ist ein gemeinsames Forschungsprojekt der Berufsfeuerwehr Aachen, der RWTH Aachen University und der TEMA Technologie Marketing AG. Ziel ist es, Rettungskräfte bei schwierigen Einsätzen durch Virtual Reality (VR) zu unterstützen. Am 9. Oktober 2021 wurde das System im Rahmen einer großen Übung in Aachen zum ersten Mal getestet.

Bei Großschadenslagen wie zum Beispiel Unfällen mit vielen Verletzten (MANV), Brandereignissen oder Hochwasser brauchen die Rettungskräfte möglichst schnell einen umfassenden Überblick. Insbesondere zu Beginn eines Einsatzes sind zuverlässige Informationen sehr wichtig, um Ressourcen anzufordern und diese so zu koordinieren, dass sie schnellstmöglich und zielgerichtet mit der Rettung beginnen können.

Anzeige

Hier setzt das Konzept von „Virtual Disaster“ an. Die Forschungspartner wollen ein System für einen Tele-Einsatzleiter (Tele-EL) entwickeln, damit dieser sich mittels VR-Brille in das zuvor erstelle virtuelle Abbild der Einsatzstelle begeben und die Einsatzkräfte vor Ort unterstützen kann. Der Tele-EL kann so seine Funktion von einem beliebigen Standort, zum Beispiel einer Feuerwache, ausüben, ohne selbst vor Ort sein zu müssen.

Die Daten für die VR-Welt von „Virtual Disaster“ liefern unbemannte Flugobjekte (Drohnen) mit 360-Grad-Kameras und laserbasierten Abstandsmessern. Diese erstellen Bilder vom Einsatzort und senden diese an einen Hochleistungsrechner im Einsatzleitwagen (ELW). Daraus wird ein 3D-Abbild der Einsatzstelle berechnet.

Der Tele-EL kann sich über eine VR-Brille in diese VR begeben, die Situation in Augenschein nehmen und beurteilen, bevor die ersten Einsatzkräfte vor Ort eingetroffen sind. Sobald die Flugobjekte an der Einsatzstelle gelandet sind, können sie einen Stream von 360-Grad-Livebildern zur Verfügung stellen. Die in der Virtual-Reality gewonnenen Informationen und Bewertungen gibt der Tele-EL als Entscheidungsgrundlage an die Einsatzleitung weiter.

Bei der Übung, die im „Floriansdorf“ der Berufsfeuerwehr Aachen durchgeführt wurde, stieß ein Bagger bei Bauarbeiten auf eine Bombe und löst so eine Explosion in der Nähe eines kleinen Dorfes aus. Bereits kurz nach der Alarmierung flogen zwei Drohen über die Einsatzstelle, die noch vor Eintreffen der ersten Einsatzkräfte erste Daten lieferten. Über die VR-Welt erhielt der Tele-EL sofort Bilder von der Situation am Unfallort. So konnte er sich schnell ein Bild vom Ausmaß der Explosion verschaffen.

Eine entscheidende Information bestand darin, dass ein wichtiger Zufahrtsweg durch umgestürzte Bäume versperrt war. Die anrückenden Einsatzkräfte wurden darüber sofort informiert und eine alternative Zufahrtsmöglichkeit zur Einsatzstelle übermittelt. Außerdem wurde schnell ersichtlich, dass eine Vielzahl an Menschen verletzt waren, sodass unmittelbar – entsprechend der Lage – weitere Rettungskräfte nachalarmiert werden konnten.

Während des gesamten Einsatzes behielt der Tele-EL die Einsatzstelle im Blick, unterstützte die Kräfte mit Zusatzinformationen und konnte jederzeit auf die Dynamik der Lage reagieren.

Der Einsatz der Virtual-Reality erwies sich als entscheidend für die situationsgerechte Koordination und Unterstützung der Einsatzkräfte, da damit eine Beurteilung der Situation aus jeder Perspektive möglich war.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.