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Wiesbaden bindet Hebammen in Notfallversorgung ein

06. November 2026

Foto: Stadt Wiesbaden

Wiesbaden (WI) – Schreitet eine Geburt so schnell voran, dass ein Transport in eine Geburtsklinik nicht mehr rechtzeitig möglich ist, werden in Wiesbaden künftig zusätzlich zum Rettungsdienst qualifizierte Hebammen alarmiert.

Geht über den Notruf 112 eine Meldung zu einer unmittelbar bevorstehenden oder bereits erfolgten Geburt ein, bewertet die Zentrale Leitstelle die Situation im Rahmen der standardisierten Notrufabfrage. Bei entsprechender Indikation werden neben den regulären Rettungsmitteln zusätzlich Hebammen im Umfeld des Einsatzortes alarmiert. Dafür wurde die in Wiesbaden bereits erfolgreich eingesetzte Alarmierungsplattform „Mobile Retter“ um eine eigene Funktion erweitert. Die Hebamme entscheidet selbst, ob sie den Einsatz übernehmen kann, bestätigt ihn über die App und begibt sich eigenständig zum Einsatzort. Die Entsendung des Rettungsdienstes wird dadurch nicht verzögert.

Am Einsatzort versorgen Hebamme, Rettungsdienst und gegebenenfalls Notärztin oder Notarzt Mutter und Kind gemeinsam. Ob die Geburt vor Ort begleitet wird oder ein Transport in eine Geburtsklinik möglich und erforderlich ist, entscheiden sie zusammen. Bei Bedarf kann die Hebamme den Transport begleiten; weitere Kräfte, etwa der Baby-Notarztwagen, können jederzeit hinzugezogen werden.

„Unsere Notfallsanitäterinnen, Notfallsanitäter, Notärztinnen und Notärzte sind für die Geburtshilfe geschult, aber Geburten gehören für sie zu den seltenen Einsätzen“, erklärt Norbert Hagner, Sachgebietsleiter Rettungsdienst. „Das Projekt ersetzt keine bestehenden rettungsdienstlichen Strukturen, sondern ergänzt diese um eine zusätzliche fachliche Ressource. Hebammen bringen hier eine Routine und Erfahrung mit, die eine wertvolle Ergänzung ist.“

Wie selten solche Einsätze sind, zeigt die Wiesbadener Statistik: Zwischen 2020 und 2025 wurde der Rettungsdienst insgesamt 68-mal zum Einsatzstichwort „Präklinische Geburt“ alarmiert. 2025 waren es 24 Alarmierungen, in fünf Fällen kam das Kind tatsächlich zu Hause zur Welt.