Toter bei Polizeiaktion: positionelle Asphyxie?


Karlsruhe (rd.de) – Ein Polizeieinsatz mit tödlichem Ausgang beschäftigt seit Montag (18.04.2016) die Staatsanwaltschaft in Karlsruhe.

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Eine Gerichtsvollzieherin wollte gegen 09:00 Uhr am Montag einen zivilrechtlichen Durchsuchungsbeschluss in der Wohnung eines 56-jährigen Mannes vollstrecken. Nachdem der Mann ankündigte, sich beim Betreten seiner Wohnung zur Wehr setzen zu wollen, drangen Polizeibeamte mit Gewalt ein. Nach Polizeiangaben wurden die Beamten von dem 56-Jährigen mit einem Hammer bedroht. Es gelang ihnen, den sich heftig wehrenden Mann zu Boden zu bringen.

„Unmittelbar nachdem es mit vereinten Kräften gelungen war, seine Hände auf dem Rücken zu fesseln, zeigte der 56-Jährige dann plötzlich keine Reaktionen mehr“, heißt es in der gemeinsamen Erklärung von Staatsanwaltschaft Karlsruhe und dem Polizeipräsidium Karlsruhe. Sofort eingeleitete Reanimationsmaßnahmen eines Polizeisanitäters und des herbeigerufenen Rettungsdienstes blieben erfolglos. Der Mann starb wenig später in einem Krankenhaus.

Eine Obduktion soll jetzt die Todesursache klären.

Hintergrund: positionelle Asphyxie

Als besonderes Risiko bei vergleichbaren Polizeiaktionen wird der lagebedingte Erstickungstod (Positional Asphyxia Syndrom) gesehen: Personen sterben ohne erkennbaren Grund, während sie gefesselt sind. Die Ursachen sind wissenschaftlich noch nicht restlos geklärt. Es wird aber vermutet, dass gefesselte, mit dem Gesicht nach unten liegende Menschen stark beim Atmen behindert werden. Lage, Sauerstoffdefizit, manuelle Belastung des Thorax sowie möglicherweise Faktoren wie Übergewicht und Herz- oder Atemwegserkrankungen dürften beim lagebedingten Erstickungstod eine Rolle spielen. Es wird daher davon abgeraten, Personen mit auf dem Rücken fixierten Armen in Bauchlage zu bringen.

Im Auftrag des Innenministeriums Österreichs wurde 2004 unter dem Titel „Einsatz polizeilicher Zwangsgewalt – Risikominimierung in Problemsituationen“ ein Bericht zum Thema Fixierungsmethoden und lagebedingter Erstickungstod veröffentlicht.

(20.04.2016; Symbolfoto: Markus Brändli)

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