Rettungswagen behindert: Gericht spricht Rentner frei


Hamburg (rd_de) – Das Hamburger Amtsgericht hat am Dienstag (21.06.2016) einen 72-jährigen Rentner freigesprochen. Ihm wurde vorgeworfen, im März 2016 am Hamburger Flughafen einen Rettungswagen (RTW) im Einsatz bewusst blockiert zu haben.

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Rettungswagen behindert: Gericht spricht Rentner frei. Symbolfoto: Sebastian Duda/fotolia

Am Rettungswagen sei das Blaulicht bereits eingeschaltet gewesen, als der Rentner den RTW in zweiter Reihe zugeparkt habe, berichtet der NDR. Anschließend habe der Rentner das Fahrzeug verlassen, seine Tochter verabschiedet, sich über den RTW-Fahrer geärgert und sei erst dann losgefahren. Im Rettungswagen habe ein Herzinfarkt-Patient gelegen.

Nach Angaben des Senders rechtfertigte sich der Mann vor Gericht damit, dass er den Ernst der Lage nicht erkannt habe. Weiter sei er darüber verärgert gewesen, dass der Fahrer des RTW in seiner Not das Einsatzhorn einschaltete, und habe dies als Provokation empfunden.

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Die Richterin habe das Verhalten des Mannes als falsch und dumm bezeichnet. Er hätte die Notfallsituation erkennen müssen. Allerdings könne ihm kein Vorsatz nachgewiesen werden. Deswegen sprach die Richterin den Mann frei. Die Staatsanwältin hatte für den Rentner eine Geldstrafe in Höhe von 4.500 Euro gefordert.

(23.06.2016)

8 Responses to “Rettungswagen behindert: Gericht spricht Rentner frei”

  1. tangotango on Juni 23rd, 2016 16:21

    Glückwunsch.

  2. Uwe Storch on Juni 26th, 2016 12:00

    Ja, so passt es immer mehr ins Bild. Wer also betrunken oder bekifft ist kann weiß Gott was anstellen, ist ja nicht schuldfähig. Und wer jetzt zu blöd ist, zu erkennen, dass eingeschaltetes Blaulicht was zu bedeuten hat wird freigesprochen.
    Danke Frau Richterin, weiter so. Bis Sie vielleicht selber mal im RTW liegen, aber das ist ja dann was anderes ?!

  3. Jochen on Juni 27th, 2016 16:18

    Auch wenn mir das Urteil nicht so richtig gefällt,aber man sollte doch mal sachlich bleiben und der Uwe hat wohl noch nie in den § 38 StVO gesehen, denn würde er wissen, was das Blaulicht bedeutet, die Absicherung einer Unfall- oder Einsatzstelle und mehr nicht.
    Das Wegerecht wird erst nach anderen Gesichtspunkten und nur bei Blaulicht und
    Tonfolge wirksam.

  4. tangotango on Juni 30th, 2016 15:05

    „Weiter sei er darüber verärgert gewesen, dass der Fahrer des RTW in seiner Not das Einsatzhorn einschaltete, und habe dies als Provokation empfunden.“

    Provokation vs. §38 – 1:0
    Gemäß Richter müsste also keiner mehr Platz machen, da man immer angeben kann, dass man sich provoziert gefühlt hat. Kann ja keiner ahnen, dass es ernst gemeint ist. Für ernste oder echte Fälle muss noch gleichzeitig der Warnblinker aktiviert werden!

  5. Norton on Juli 1st, 2016 12:24

    @Jochen, dass Horn/Tonfolge hat der RTW eingeschaltet, was der Betroffene als Provokation empfunden hat.

  6. jacky O on Juli 3rd, 2016 11:23

    evtl. kann die zuständige Führerscheinstelle in eigener Zuständigkeit aufgrund der Reaktion des älteren Herren die Eignung zur Teilnahme am Straßenverkehr überprüfen.

  7. martin46 on Juli 4th, 2016 22:18

    Ich bin fassungslos über dieses Urteil. Mit einem normalem Menschenverstand ist dieses Urteil nicht zu verstehen!!!

  8. Hanseretter on Juli 6th, 2016 15:30

    Zu Jochen

    Das mit Paragraph 38 stimmt und ich bin sicher, dass der ältere Herr das auch wusste!

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