Pneumothorax: So lässt er sich erkennen


Bremen (rd_de) – Dringt Luft in den Pleuraspalt ein, kollabiert im Extremfall ein Lungenflügel. Der Patient leidet dann unter akuter Atemnot. Ein solcher Pneumothorax kann akut lebensbedrohlich sein.

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Zu unterscheiden sind die verschiedenen Formen dieser Erkrankung. Beim Hämatopneumothorax tritt zusätzlich zu dem beschriebenen Grundmechanismus Blut in den Pleuraspalt. Dies kommt am häufigsten bei Thoraxtraumen oder nach medizinischen Eingriffen wie Pleurapunktionen vor.

Der Spontanpneumothorax ist hingegen eine Situation, die sowohl bei Erkrankungen wie COPD, Tuberkulose, Lungentumore oder Lungenemphysem als auch völlig gesunden, vor allem jungen Menschen auftritt. Wird eine schwere Last ruckartig angehoben, kann dies der Auslöser für einen Spontanpneumothorax sein.

Die gefährlichste Form ist der Spannungspneumothorax. Bei ihm kann sich rasch eine akute vitale Bedrohung entwickeln. Der gravierende Unterschied zu den anderen Formen ist ein Ventilmechanismus: Bei der Inspiration gelangt Luft in den Pleuraspalt, die bei der Exspiration nicht mehr entweichen kann. Er wird deshalb auch als Ventilpneumothorax bezeichnet. Die Eintrittspforte kann zum Beispiel eine Stichverletzung von außen sein. Sie kann aber auch durch eine intrathorakal gelegene Verletzung wie zum Beispiel ein Bronchuseinriss entstehen.

Durch das kontinuierlich zunehmende Luftvolumen im Brustkorb werden das Herz und das Mediastinum auf die andere Seite verdrängt. Somit werden Herz, Lunge und Gefäße komprimiert. Dies führt zu einer dramatischen Reduktion des Schlagvolumens und kann rasch tödlich enden.

Im Gegensatz zu den anderen Formen des Pneumothorax ist der Spannungspneumothorax eine Erkrankung, die in aller Regel bereits präklinisch umgehend mit der Anlage einer Thoraxdrainage behandelt werden muss. Klinisch imponiert der Pneumothorax neben den allgemeinen Zeichen der Atemnot durch ein einseitig abgeschwächtes Atemgeräusch und einem mehr oder weniger stark ausgeprägten Abfall der Sauerstoffsättigung. Beim Beklopfen der Lunge kann eine hypersonorer, das heißt ungewöhnlich „hohler“ Klopfschall auffallen.

Ein beidseitiges Atemgeräusch schließt keinesfalls einen Pneumothorax aus. Ist nicht die gesamte Lunge kollabiert, lässt sich mitunter trotzdem ein relativ normales Atemgeräusch feststellen. Außerdem werden die Atemgeräusche gerade bei sehr schlanken Menschen mitunter auf die Gegenseite weitergeleitet.

(Text: Dr. Philipp Prause, Facharzt für Allgemeinmedizin, Notfallmedizin und Chirotherapie; Symbolfoto: Stefan Friedberg; 17.10.2016)

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