Neue Polytrauma-Leitlinie erschienen


Berlin (DGU) – Gemeinsam mit 20 medizinischen Fachgesellschaften hat die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) die S3-Leitlinie „Polytrauma/Schwerverletzten-Behandlung“ überarbeitet und neu herausgegeben. Offiziell vorgestellt wird sie auf dem Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) 2016, der ab Dienstag (25.10.2016) in Berlin stattfindet.

Polytrauma-Richtlinie_580

Symbolfoto: Markus Brändli

Die neue Leitlinie dokumentiert aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zur Versorgung Schwerverletzter am Unfallort, im Schockraum und im Operationssaal.

„Bei der Behandlung Schwerverletzter ist Schnelligkeit gefragt – oft zählt jede Minute. Umso wichtiger ist es, dass Unfallchirurgen in solchen Situationen Prioritäten setzen“, sagt Professor Dr. Bertil Bouillon, Direktor der Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Sporttraumatologie Köln-Merheim und Vorstandsmitglied der DGU. „Mit der neuen S3-Leitlinie Polytrauma geben wir ihnen Empfehlungen an die Hand, wie die Behandlung in der akuten Situation systematisch ablaufen kann.“

Ein Schädel-Hirn-Trauma, Amputationen oder innere Blutungen – Schwerverletzte leiden an verschiedensten Unfallfolgen. Deshalb fokussiert die neue Leitlinie auf einzelne Behandlungsabschnitte, wie etwa die Rettungsmedizin direkt nach dem Unfall.

„Die Sicherung der Atemwege steht im Vordergrund dieser Primärtherapie“, so Unfallchirurg Bouillon. Handlungsempfehlungen bietet die Leitlinie außerdem für Patienten mit Schädel-Hirn-Trauma, Wirbelsäulen-, Extremitäten- und urologischen Verletzungen.

Auch zum Vorgehen im Schockraum gibt sie klare Hinweise. Dazu rät Bouillon: „In der Notaufnahme sollten feste Teams nach vorstrukturierten Plänen arbeiten, die idealerweise ein spezielles Schockraum-Training absolviert haben. Die jetzige Leitlinie, welche die erste Polytrauma-Leitlinie aus dem Jahr 2011 ablöst, gibt auch konkrete Empfehlungen zur Operation von Schwerverletzten. So sollen Fremdkörper bei schweren Brustkorbverletzungen beispielsweise erst unter kontrollierten Bedingungen im OP entfernt werden.

Mehr als 30.000 Menschen erleiden jedes Jahr eine schwere Verletzung. Wie das Traumaregister DGU belegt, sei die Versorgung von Schwerverletzten in Deutschland im internationalen Vergleich laut DGU vorbildlich.

(Symbolfoto: Markus Brändli; 24.10.2016)

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