NaCl 0,9%: Warum diese Infusion vom Rettungswagen verschwand


NaCl-0,9%_580Bremen (rd_de) – Der Einsatz von Infusionen mit NaCl 0,9% gilt als Therapie auch im Rettungsdienst auf Grund diverser Problematiken schon länger als überholt. Bereits 1970 wurde im „Journal of the American Medical Association“ (JAMA) auf die Risiken der Verwendung von NaCl 0,9% hingewiesen; im Jahr 2003 wurde im „Clinical Science“ der Begriff „(ab)normal saline“ geprägt.

Die Erhöhung des Chloridspiegels führt zu einer Verlangsamung der Nierendurchblutung um mehr als zehn Prozent in kurzer Zeit. In Studien wurde herausgefunden, dass dies zwar zu keiner Erhöhung der Mortalität führt. Das Risiko einer akuten Nierenschädigung steigt jedoch nachweisbar. Im Weiteren kommt es zu einer Chlorid-Azidose.

Es ist davon auszugehen, dass sich Schockpatienten oftmals bereits auf Grund der Folgen ihres Ereignisses in einer Azidose befinden. Nun wird diese bedrohliche Veränderung des Säure-Basen- und des Wasser-Elektrolyt-Haushalts durch den Einsatz einer „falschen“ Flüssigkeit noch verstärkt. Daraus resultierte schon vor langer Zeit die Erkenntnis, dass einer Kochsalzlösung Puffersubstanzen beigefügt werden müssten. Dies ist aber aus galenischen Gründen nicht so einfach möglich, da diese Stoffe nicht ohne Bindung an ein anderes chemisches Element stabil wären.

Fazit: NaCl 0,9 % kann zum Spülen eines venösen Zugangs verwendet werden. Die Verwendung als Trägersubstanz zur Medikamentenzufuhr – rettungsdienstlich wäre hier als Beispiel Metamizol (Novalgin) zu nennen – scheint ebenfalls unbedenklich. Von einer Volumensubstitution ist nach dem aktuellen Wissensstand aber abzuraten.

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(Text: Stefan Friedberg, dipl. Rettungssanitäter HF und Dozent im Rettungsdienst; Symbolfoto: Markus Brändli; 09.02.2017)

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