Kein Fall für den Rettungsdienst? Bitte zahlen!


München (rd.de) – Mit einer privat zu zahlenden Gebühr soll künftig die Auslastung der Notfallversorgung zurückgefahren werden. Einen entsprechenden Antrag beschlossen kürzlich die Delegierten des 118. Deutschen Ärztetages. Hintergrund ist das Problem, dass in zirka jedem dritten Fall eine Notfallversorgung durch Rettungsdienst und Notaufnahme nicht notwendig ist.

Nach den Plänen der Ärzte soll künftig ein Eigenanteil von 10 Euro bei Behandlung durch den Bereitschaftsdienst der niedergelassenen Ärzte bezahlt werden. 20 Euro würden fällig, müssten Rettungsdienst und/oder Notaufnahme die Versorgung übernehmen. Die Kostenbeteiligung könne durch die Krankenkassen eingezogen werden. Ausgenommen würden Patient, die von Zuzahlungen befreit seien.

Symbolbild Notaufnahme. Foto: Techniker Krankenkasse

Symbolbild Notaufnahme. Foto: Techniker Krankenkasse

Die Politik steht einem solchen Vorschlag nach Auskunft der „Süddeutschen Zeitung“ eher kritisch gegenüber. Zum einen befürchte man einen Schritt in Richtung einer Zwei-Klassen-Medizin. Gerade einkommensschwache Menschen würden eine notwendige Behandlung nicht erhalten. Zum anderen sehen manche die Maßnahme als zu restriktiv. So wolle der Gesundheitsexperte der Union, Jens Spahn, lieber vermehrt über Sinn und Zweck der Notfallversorgung aufklären und an die Vernunft appellieren.

Eine weitere Möglichkeit, die Einführung einer privaten Zuzahlung zu umgehen, schlug Dominik Graf von Stillfried, Geschäftsführer des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung, vor: Patienten sollen sich zuerst an eine zentrale Rufnummer wenden und dann eine Einschätzung per Telefon erhalten. So könnten die Patienten gleich an die richtige Stelle verwiesen werden.

(03.06.2015)

12 Responses to “Kein Fall für den Rettungsdienst? Bitte zahlen!”

  1. tangotango on Juni 3rd, 2015 16:40

    Entweder die Überschrift ist falsch oder ich verstehe den Text nicht ganz richtig. Zumindest wenn ich die Aussagen nehme: „Nach den Plänen der Ärzte soll künftig ein Eigenanteil von 10 Euro bei Behandlung durch den Bereitschaftsdienst der niedergelassenen Ärzte bezahlt werden. 20 Euro würden fällig, müssten Rettungsdienst und/oder Notaufnahme die Versorgung übernehmen.“ sehe ich keine Unterscheidung zwischen „berechtigtem Notfall“ und dem in der Überschrift suggerierten „Kein Fall für den Rettungsdienst“/KEIN Notfall.

    Es soll IMMER gezahlt werden.

    Richtig wäre es diejenigen zur Kasse zu bitten, die o.g. Institutionen und Dienste unberechtigter Weise in Anspruch nehmen.

    Davon mal abgesehen:
    „So wolle der Gesundheitsexperte der Union, Jens Spahn, lieber vermehrt über Sinn und Zweck der Notfallversorgung aufklären und an die Vernunft appellieren.“
    Aahaha.. Vernunft?!

    „Patienten sollen sich zuerst an eine zentrale Rufnummer wenden und dann eine Einschätzung per Telefon erhalten. So könnten die Patienten gleich an die richtige Stelle verwiesen werden.“

    Also alles wie gehabt: „116 117“: „Schnupfen? Können wir nicht, wenden Sie sich direkt an die 112!“

  2. Dr. Sven Heidenreich on Juni 3rd, 2015 23:11

    Na klar, wieder Ausnahmen für die, die sowieso schon ständig beim Arzt sitzen. Genau die sind es doch, die das System über Gebühr ausnutzen. Kost ja nix.
    Der Mensch, der wirklich mal ernstlich krank/verletzt ist, kann auch ohne Probleme mal 10€ dafür berappen und wird dies auch problemlos tun. Aber genau die, die in jedem Dienst zum Kunden werden, aus Erfahrung auch die, die alles sind aber kein NOTFALL, sollen durch sowas diszipliniert werden. Und, nein, liebe Herr Spahn, es geht ausschließlich über den Geldbeutel! Wie sollen wir unsere Egozentriker und Egoisten, die halt gerade jetzt Zeit haben und nicht dran denken, beim Niedergelassenen auf einen Termin oder im Wartezimmer zu warten, sonst dazu bekommen, wenn nicht über den Geldbeutel. Machen Sie doch mal nen kassenärztlichen Bereitschaftsdienst oder eine Schicht in der Klinikambulanz mit, bevor Sie Ihre Gutmensch-Vorschläge bringen… Und, Herr Graf, was bringt uns eine Nummer mehr? Wir haben die 116117 und die 112. Aber dort soll mal einer versuchen, dem Bürger zu erklären, dass das jetzt kein Fall für Rettung oder Bereitschaftsdienst ist – einzige Reaktion in „Barbara-Salesch-“ oder „Alexander-Hold-Manier“: „Wenn Sie nicht sofort […] dann verklag ich Sie wegen unterlassener Hilfeleistung[…]“. Machen auch Sie mal ne Schicht beim Disponenten mit – und dann dürfen Sie weiter schlaue Vorschläge machen!

  3. S. Boehmert on Juni 4th, 2015 13:18

    Herr Heidenreich,

    Ihr Kommentar entbehrt einer gewissen Chuzpe nicht. Er ist menschenverachtend und widerspiegelt mehr Ihre Geisteshaltung, als dass er irgendeinen Sinn bringenden Nutzen hat.

    Der monetäre Erziehungsgedanke hat in der Medizin, speziell dem Rettungsdienst nichts zu suchen und falls doch, dann nicht in der abwertenden Art und Weise, wie Sie ihn fordern.

    Fehlt doch bloß noch, dass Sie dem Kind den Namen „Hartz IV Empfänger, Arbeitsloser oder Unterschichtler“ geben – zusätzlich zu den „Egozentrikern und Egoisten“ die nicht auf einen Termin beim Niedergelassenen warten können.

    Abgesehen davon, erwarte ich den Beweis – zumindest jedoch eine Quellenangabe, aus der hervorgeht, dass die Abgabe einer Gebühr das Aufkommen senkt. Beispielhaft hierfür ist doch Praxisgebühr.

    Wir haben hier ein viel grundsätzlicheres Thema. Die Haltung der Bevölkerung zur eigenen Gesundheit und die Haltung zur jederzeit verfügbaren Hochleistungsmedizin.

    BG
    SB

  4. Olaf on Juni 6th, 2015 11:01

    @Boehmert.
    In gewisser Weise hat Ihr Vorredner recht.
    Die Einsatzfahrten sinnloser Einsätze müssen runter.
    Sonst könnenwir pro Kopf in jder Sadt einen RTW hinstellen und wirklich für alles fahren.
    Wir stehen nicht in der Pflicht bzw. der Rettungsdienst , sich ausnutzen zu lassen.
    Oder sehen Sie nur das Geld was eingefahren wird?
    Es ist aber in keineweise Menschenverachtend

  5. SvA on Juni 9th, 2015 14:39

    Es würde schon reichen, wenn der Rettungsdienst Behandlungen ohne Transport abrechnen könnte, z.B. mit einer Behandlungspauschale. Das würde so manchen unnötigen Transport und die zusätzliche Krankenhauspauschale sparen. Solange aber Kostenträger den Rettungsdienst zum Transportgewerbe zählen, wird halt jeder Patient mitgenommen ins Krankenhaus, auch wenn das unnötig ist. Dafür kann aber so der Einsatz abgerechnet werden.

    Und ich würde mir wünschen, dass die Kostenträger mal vermehrt kritisch darauf schauen, wer alles eine Behandlungspauschale abrechnet, obwohl keine Behandlung statt gefunden hat! Eine telefonische Einweisung des Arztes (ob Hausarzt oder kassenärztlicher Notdienst), ohne den Patienten gesehen zu haben, gibt es nicht! Aber ich bin mir sicher, dass da trotzdem voll abkassiert wird! Es ist für einen kassenärztliche Notdienst auch viel einfacher, schnell irgendetwas auf einen gelben oder roten Zettel zu kritzeln, einen Krankentransport zur Klinik zu veranlassen, abzurechnen und zum nächsten Patienten zu fahren, als sich mal kurz Zeit für Diagnostik und Anamnese zu nehmen und den Patienten zu Haus zu behandeln.
    Wenn wir hier einsparen würden, kann man sich die Diskussion um Zuzahlungen für Patienten sparen.

  6. tangotango on Juni 9th, 2015 18:53

    Sehr gute Punkte!

  7. Hanseretter on Juni 9th, 2015 20:45

    Ich arbeite im Rettungsdienst und habe 2 Kinder, für mich sind €10,- sehr viel Geld!

  8. kurt on Juni 11th, 2015 10:10

    Ärzte fordern…. und die anderen haben zu zahlen.
    Ärzte arbeiten und erhalten einen guten bis sehr guten Lohn und wenn das diesen Herrschaften das nicht passt- einfach kündigen und einem Nachfolger Platz machen.

  9. Olaf on Juni 13th, 2015 11:11

    @ Kurt wie dumm bis sehr dumm ist den Ihre Aussage.
    Wahrscheinlich gehören Sie zu den Patienten, die auch Nachts einen Rtw für einen Schnupfen alarmieren um in der Notaufnahme als erster dran zu kommen .
    Dann auch noch Mega frech das Gesundheitssystem auszunutzen .
    Aber alle regen sich nur auf, heulen Nachts rum und sucht man eine richtiger Lösung, sagt man…..“ Ne so aber auch nicht“.
    Echt Ihr Jammerlappen aus dem Rettungsdienst seid solche Weicheier.
    Nur am heulen und Klagen und die Schnauze an der falschen Stelle aufmachen.
    Und schreibt oder sagt einer wie es ist, wird argumentiert mit“ dann sind Sie falsch im Beruf“.
    Und Ihr wundert euch warum euer ansehen sinkt und Ihr als Transportdienstleister abgestempelt werdet.

  10. doggi on Juni 15th, 2015 15:53

    @Olaf, Sie finden sicherlich das der Ton Ihres Postings geeignet ist eine sachliche Diskussion zu führen ?

  11. Olaf on Juni 16th, 2015 09:36

    @Doggi, leider ja.

    Ihr lasst euch Tag für Tag auf der Nase rumtanzen….ich bitte euch

  12. Einer von vielen on August 5th, 2015 15:50

    Wenn ich es richtig verstanden habe, geht es doch darum, das ein nicht gerechtfertigter Einsatz 20 Euro kostet. Heißt für mich, wenn der RD wegen einem eingewachsenen zehennagel (leider schon selbst erlebt) gerufen wird, sind die 20 Euro fällig. Bei ernstzunehmenden Krankheiten oder Verletzungen sind diese nicht fällig. Und genau das fände ich gut.

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