Herzschrittmacher: Vorsicht mit Ringmagnet bei Fehlfunktion


Bremen (rd_de) – Auch bei einem implantierten Herzschrittmacher kann es in seltenen Fällen zu Fehlfunktionen kommen. Beispielsweise kann ein ventrikulärer „Exit Block“ auftreten. Dann folgt auf den Schrittmacherimpuls keine elektrische Antwort des Myokards. Im Rettungsdienst wird dann schnell zum so genannten Ringmagneten gegriffen. Kardiologen raten dabei allerdings zur Vorsicht.

Patienten mit bradykarden Herzrhythmusstörungen wird unter Umständen ein Schrittmacher implantiert. Ursachen für die Rhythmusstörungen können höhergradige AV-Blockierungen, ein Sick-Sinus-Syndrom oder bradykarde Kammerfrequenzen bei Vorhofflimmern sein.

Doch auch bei Herzschrittmachern können Fehlfunktionen auftreten. Denkbar sind ein ventrikulärer Wahrnehmungsverlust, ein „Exit Block“ im Vorhof, eine Dislokation der Schrittmachersonden, die Erschöpfung der Schrittmacherbatterie oder eine Fehlprogrammierung.

Wird der Rettungsdienst zu solch einem Notfallpatienten gerufen, fragt sich mancher Rettungsdienst-Mitarbeiter, ob es bei der Versorgung dieser Patienten etwas Besonderes zu beachten gibt. Eventuell weiß der Retter, dass für solche Situationen auf dem (Notarzt-)Fahrzeug ein Ringmagnet mitgeführt wird. Mit diesem soll es möglich sein, den implantierten Schrittmacher auszuschalten.

Das ist zwar oft zu lesen und zu hören, stimmt genaugenommen aber nicht. Wird der Ringmagnet dem Patienten auf dessen Thorax bzw. den Defibrillator gelegt, schaltet sich der Herzschrittmacher in einen starrfrequenten Modus. Je nach Hersteller gibt der Schrittmacher danach seine Impulse mit einer Frequenz zwischen 85 und 100/min ohne Rücksicht auf herzeigene Aktionen ab. Die Gefahr, dass ein Schrittmacherimpuls in die vulnerable Phase der elektrischen Herzaktion fällt und ein Kammerflimmern verursacht, ist daher sehr groß.

Das heißt: Indem ein Ringmagnet aufgelegt wird, provoziert man künstlich ein R-auf-T-Phänomen. Insofern raten Kardiologen dazu, einen Ringmagneten bei einem so genannten Oversensing des Schrittmachers und bei einer, durch den Schrittmacher selbst verursachten Tachykardie, nur vorübergehend einzusetzen.

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(Text: Thomas Semmel, Notfallsanitäter, Dozent im Rettungsdienst, ERC ALS Instruktor; Symbolfoto: Markus Brändli; 24.04.2017)

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