Gehen Bayern die Notärzte aus?


Augsburg (rd.de) – Seit 1. Januar 2015 gilt in Bayern ein neues Vergütungsmodell für Notärzte. Es wurde zwischen den Krankenkassen und der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns ausgehandelt. Doch viele Notärzte sind mit dem Ergebnis unzufrieden – und verweigern ihre Mitarbeit. Augsburg bekam dies jetzt zu spüren.

Vergangenen Freitag (02.01.2015) fielen beide Notarzt-Fahrzeuge in der Stadt über Stunden aus. Wie die „Augsburger Allgemeine“ berichtet, blieb das am Klinikum stationierte NEF zwischen 16.00 und 20.00 Uhr unbesetzt. Das Notarzt-Einsatzfahrzeug des Klinikums-Süd war zwischen 07.00 und 19.00 Uhr außer Dienst. Notarzt-Standorte aus dem Umland mussten die Lücken füllen. Sie hatten zum Teil Anfahrzeiten von 30 Minuten, berichten die „Augsburger Allgemeine“ und der „Bayerische Rundfunk“. Die Folge sei „ein Vakuum auf dem Land“ gewesen, zitiert die Zeitung einen Notfallmediziner.

Hintergrund der unbesetzten Dienste sind die neuen finanziellen Regelungen für Notärzte in Bayern. Erhielt ein Notarzt früher für eine 24-Stunden-Schicht in Augsburg rund 1.400 Euro, sollen es jetzt nur noch 1.000 Euro sein. Schon Mitte Dezember hatte die „Main Post“ Professor Dr. Peter Sefrin als Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft der in Bayern tätigen Notärzte mit den Worten wiedergegeben, dass er über das neue Vergütungsmodell entsetzt sei. Er hatte angekündigt, dass viele seiner Kollegen jetzt nicht mehr als Notärzte arbeiten wollten.

Offenbar hat Professor Dr. Sefrin Recht behalten: In Augsburg weist der Januar-Dienstplan noch einige Lücken auf, und andere Regionen wie München, Nürnberg oder Landsberg könnten im Februar laut „Bayerischem Rundfunk“ folgen.

(08.01.2015)

10 Responses to “Gehen Bayern die Notärzte aus?”

  1. Markus Hoffmann via Facebook on Januar 8th, 2015 10:41

    Ca 42€ pro Std. reichen nicht aus um einen NA Dienst zu übernehmen!? Wie borniert und arrogant kann sich eine Berufsgruppe im Süden Deutschlands nur verkaufen.

  2. Marc on Januar 8th, 2015 17:06

    @ Markus Hoffmann:

    Ein KFZ-Werkstattmeister oder auch ein Klemptnermeister haben heute Stundensätze von 65,-bis 85,- €.

    Und die haben nicht studiert und sind nicht 24 H in Bereitschaft und müssen im Notfall über Leben und Tot entscheiden.

    Finde die Forderung gerechtfertigt.

    Die gesamte Branche Rettungsdienst ist im Verhältniss zu anderen Branchen unterbezahlt.

  3. Volker Wetzel via Facebook on Januar 8th, 2015 18:37

    1400€ fürn 24er hätte ich auch gerne!! Jetzt weiss ich auch weshalb die den Notsan aus der Taufe gehoben haben und mehr uns mehr Kompetenzen geben, aber das Gehalt das gleiche bleibt!! Billiger geht nimmer!!!

  4. Christoph Steinkamp via Facebook on Januar 8th, 2015 19:23

    Da kommt man sich als Krankenpfleger und Rettungsassistent ganz schön verarscht vor!

  5. H. on Januar 9th, 2015 11:39

    Also der Vergleich mit dem KFZ Meister oder ähnlich hinkt ein wenig oder? Denn die werden nur so bezahlt wenn sie Arbeiten! Der NA bekommt den Stundensatz auch wenn er die ganze Nacht schläft oder am Tage einkaufen fährt.
    Und auch wenn die nicht studiert haben so haben sie durch den Meister eine Fachqualifikation wo hingegen der NA nach einen Wochenendkurs auf Sylt befähigt sein soll große Medizin auf der Straße zu zaubern. Wie man das bewertet sei mal dahin gestellt aber das er deswegen pauschal immer mehr verdienen muss als alle anderen bezweifle ich stark! Und ich möchte ausdrücklich sagen das ich nicht alle NA’s gleich setzte. Es gibt auch immer noch die guten nur die werden leider immer seltener!
    Lg und hoffentlich immer nen guten NA in der nähe *grins*

  6. Alexander R on Januar 9th, 2015 13:55

    Vergesst bitte nicht das die NEF Dienste in der Regel neben der normalen klinischen Tätigkeit stattfinden. Also ein extra Verdienst von 2 Diensten im Monat (2000€) ist dann schon kräftig zum normalen Gehalt. Die Notärzte die nur NEF fahren wollen habe es jetzt natürlich etwas schwerer.
    Ich kann die Ärzte aber auch verstehen, wenn sie plötzlich nur noch knapp zwei drittel bekommen. Würde ich auch in die Röhre gucken.
    Aber es muss bessere Wege geben als das NEF zu bestreiken (wenn es wahr ist).
    Warten wir die Untersuchung ab.
    Es gilt: „Glaube keine Statistik die du nicht selbst gefälscht hast.“
    In diesem Sinne ruhigen Dienst euch allen

  7. Florian on Januar 10th, 2015 22:59

    Wer der Diskussion auf allen Media-Kanälen folgt (BR, rettungsdienst.de, Augsburger Allgemeine) stellt das allgemeine Problem fest: Auf der einen Seite beschweren sich die Mediziner, sie seien überarbeitet und bis aufs letzte ausgelastet, auf der anderen Seite wird hier stark hervorgehoben das der Notarztdienst zusätzlich zum normalen Klinikalltag und dem Praxisbetrieb läuft.

    Hieraus kann meiner Meinung nach keine qualitative Versorgung hervorgehen.

    Was bringt ein Mediziner welcher bei seinem Hauptarbeitgeber Vollzeit arbeitet und dann nach bis zu 12h „auf das NEF springt“ um nebenbei noch etwas zu verdienen?

    Auch die angesprochenen Schmerzpatienten, welche „bis zu 30 min“ auf ärztliche Hilfe warten müssen bevor sie weiterversorgt werden können…
    … andererseits wollen viele Ärztliche Leiter die Kompetenzen der im Rettungsdienst tätigen Personale (NFS, RA) nicht erweitern.

    Das System ist krank und Verlierer ist der Patient.

  8. Max on Januar 21st, 2015 15:41

    Also, mal abgesehen davon ob die Vergütung nun viel oder wenig ist. Überall gehen Menschen demonstrieren weil sie MEHR (Ärzte, Lokführer, Piloten aber auch Mitarbeiter im öffentlichen Dienst wie Krankenschwestern, Kindergärtnerinnen und Straßenreiniger) verdienen möchten. Da ist es doch völlig verständlich, dass man sich ärgert wenn das eigene Gehalt plötzlich um circa. 25% SINKT! Das gab es jawohl noch nie. In Firmen werden dann neue Mitarbeiter zu schlechteren Konditionen angestellt. Ich kann verstehen, dass die Notärzte unzufrieden mit den Verhandlungen sind.

  9. Egon on Januar 21st, 2015 17:07

    Über den Notarztmangel und Ausfälle von Diensten auf dem Land wird seit Jahren nicht gesprochen. Jetzt wird denen, die schon immer das grösste Stück vom Kuchen haben, was weggenommen und schon ist das Geschrei gross. Ein Landarzt hat schon seit Jahren in seinem 24h Stundendienst , wenn er keinen Einsatz hatte, in die Röhre geschaut. Jetzt, mit dem neuen Finanzierungsmodell, kann zumindest der grösste Teil der Notärzte in Bayern beruhigt einen nicht lukrativen Dienst übernehmen und wissen unterm Strich was sie haben. Dass die Stadtnotärzte nicht erfreut sind kann ich etwas verstehen. Ich würde es vielleicht genauso machen. Aber es ist immer noch ein Nebenverdienst zusätzlich zum stressigen Klinik- bzw Praxisalltag. Jammern auf hohem Niveau.

  10. tangotango on Januar 21st, 2015 20:02

    Anstatt sich über die Höhe anderer Gehälter aufzuregen sollte man sich verdammt noch mal zusammen schließen und für ein besseres eigenes Gehalt auf die Straße gehen; Ganz im Sinne von „Deren Gehalt ist nicht zu hoch – unseres ist zu niedrig!“

    Aber dazu haben die meisten nicht den Arsch in der Hose. „Nächsten Mittwoch streiken?!“ – „Geht nicht, da muss ich arbeiten!“

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