Chemnitz: Rettungsdienst kam nicht zum Infarkt?


Chemnitz (rd.de) – Eine Geschichte, wie die aus Südafrika kann – glaubt man der Berichterstattung der Sächsischen Zeitung – auch in Deutschland passieren. Ein 21-jähriger verstarb an einem Herzinfarkt, weil der Rettungsdienst nicht kam.

In Chemnitz rief die Mutter eines 21-jährigen Diabetikers den Rettungsdienst. Die Leitstelle verwies nach Angaben der Mutter auf den ärtzlichen Notdienst. Der herbeigerufene Arzt schätzte die Situation scheinbar falsch ein. Der junge Mann verstarb zu Hause an einem Herzinfarkt.

Die Geschichte klingt fast unglaublich: Das Stichwort Brustschmerzen bei einem 21-jährigen verleitete nach Angaben der Mutter die Leitstelle dazu, an den ärtzlichen Notdienst zu verweisen. Die ganze tragische Geschichte ist hier nachzulesen. Nun klagt die Mutter, doch die Ermittlungsbehörden können wichtige Beweismittel nicht sicherstellen. Sie sollen verschwunden sein, berichtet die Zeitung in einem Folgebeitrag .

Brustschmerz, keine Insatzindikation für den Rettungsdients? Kann so etwas passieren? Besorgte Mütter legen einen bisweilen dramatisierenden Ton an den Tag. Und Rettungsdienstler finden hyperventilierende junge Männer vor, die Krach mit der Freundin hatten, oder eine leichte Tachykardie nach dem ersten Marihuanakonsum aufweisen. Allesamt Dinge, die der Mutter natürlich nicht erzählt werden.

Im Bereich der höheren Wahrscheinlichkeit mag eine Bagatelle liegen, doch die Erfahrung zeigt eigentlich auch, dass besonders junge Herzinfarkte einen überaus dramatischen Verlauf nehmen, wenn nicht umgehend gehandelt wird.

Was auch immer in diesem Fall ans Tageslicht treten wird, es ist eine Mahnung an alle Leitstellendisponenten und Rettungsassistenten, nicht jeden Notruf von Jugendlichen und besorgten Müttern vorschnell auf die Diagnose „Sterbender Schwan“ zu reduzieren. Das Stichwort Brustschmerz ist abseits aller Wahrscheinlichkeiten in jedem Fall mit einem Rettungswagen und nicht mit dem hausärtzlichen Notdienst zu beantworten.

4 Responses to “Chemnitz: Rettungsdienst kam nicht zum Infarkt?”

  1. ma-fr on Juli 30th, 2012 19:32

    Na so lange man wegen den Rentnern 10 Mal am Tag ins Baimler Gebiet fährt und alle Anwohner an dem Lärm verzweifeln ist doch alles OK. Vor allem dann wenn der Rettungswagen jedes mal leer zurückkommt. Und Nachts schlafen die Rentner wohl ganz friedlich. Da kommt keiner dieser lärmenden Fahrzeuge.

  2. Achim on Juli 31st, 2012 13:17

    „…Das Stichwort Brustschmerz ist abseits aller Wahrscheinlichkeiten in jedem Fall mit einem Rettungswagen und nicht mit dem hausärtzlichen Notdienst zu beantworten….“

    Da darf man dan nur hoffen daß das RTW Team nicht genau so, wie in diesem Fall die Leitstelle, konditioniert ist. Dann läuft es aufs gleiche raus…

  3. charlie-zulu on Juli 31st, 2012 15:23

    Es gab wohl ein paar Fehleinschätzungen, wobei ich der Leitstelle weniger als dem Arzt Vorwürfe machen würde. Letzterer war ja persönlich beim Patienten und hat diesen somit auch gesehen und untersucht.

    Ohne das ich jetzt von der Situation bzw. dem Anruf Kenntnis hätte,.. äußere ich mal den Verdacht, das weder das Telefonat, also der Notruf, noch die Lage zu Hause als dramatisch/kritisch einzustufen war.

    Wie dem auch sei, viel beachtenswerter finde ich, dass hier Beweismittel verschwinden können. „Zufällig“ von diesem Fall. Das erfordert eine exakte Überprüfung des Systems, der Mitarbeiter und der Administratoren.

  4. Lady Gaga on Dezember 7th, 2017 12:02

    Vielleicht sollte man auch mal die Situation der jeweiligen Retter genauer unter die Lupe nehmen….
    Wir geben Millionen für unsere lieben Flüchtlinge aus… aber für unser eigenes Sicherheitssystem haben wir nicht mal die Mittel genügend (fahrtüchtig) RTWs in Chemnitz zu stellen !!!! Bravo

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