Akutes Abdomen: Welche Schmerz- und Volumentherapie erforderlich ist


Bremen (rd_de) – Bei der Einschätzung eines Akuten Abdomens besteht ein hoher Handlungsdruck, um potentiell lebensbedrohliche Verläufe zu erkennen, die möglichen Ursachen der Beschwerden schnell abzuklären und die bedrohlich erkrankten Patienten rasch einer entsprechenden Therapie zuzuführen. Vor allem chirurgische Erkrankungen wie ein Ileus oder eine Hohlorganperforation tolerieren keine zeitlichen Verzögerungen.

Der Rettungsdienst kommt meist dann ins Spiel, wenn eine akute Schmerzproblematik oder eine Blutungssituation im Vordergrund steht. Im Rettungsdienst sind die diagnostischen Möglichkeiten im Vergleich zu einer Klinik allerdings deutlich limitiert. Mangels Bildgebung beschränken sich die Möglichkeiten auf Auskultation und Palpation des Abdomens sowie Anamneseerhebung. Der Fokus liegt präklinisch deshalb darauf, eine suffiziente Schmerztherapie durchzuführen, entgleiste Vitalparameter zu stabilisieren und die richtige Zielklinik auszuwählen.

Für die Schmerztherapie beim akuten Abdomen gut geeignet sind nichtsteroidale Antirheumatika wie Novaminsulfon, Spasmolytika wie Butylscopolamin und bei stärkeren Schmerzen Opioide, beispielsweise Dipidolor, Morphin und Fentanyl. Tramal ist wegen des häufig als Nebenwirkung auftretenden Erbrechens nicht geeignet.

Liegt aufgrund eines septischen Geschehens oder einer manifesten Blutung bereits eine Kreislaufinsuffizienz vor (RR systolisch < 90 mmHg), muss diese aggressiv behandelt werden. Meist wird hier eine großzügige Volumentherapie empfohlen. Aber Vorsicht: Bei einer primär nicht stillbaren Blutung wird eine Volumentherapie die eventuell ohnehin schon eingeschränkte Gerinnungssituation weiter verschlechtern und die Blutung unter Umständen verstärken.

Außerdem wird eine alleinige Volumentherapie bei manifester Kreislaufinsuffizienz nicht zu einer raschen Anhebung des Perfusionsdrucks führen. Hier empfiehlt sich die kontinuierliche Gabe eines Katecholamins, insbesondere Noradrenalin. Es wird über eine Spritzenpumpe mit hoher Laufrate verabreicht. So werden auch über einen peripheren Zugang rasch entsprechende Wirkspiegel erreicht.

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(Text: Jürgen Auerhammer, Anästhesist und Leitender Notarzt; Symbolfoto: Markus Brändli; 30.05.2018) [4704]

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