Pseudokrupp und Epiglottitis


Pseudokrupp und Epiglottitis_580Bremen (rd_de) – Zwei für Kinder typische Gründe, dass sie eine akute Atemnot entwickeln, sind Pseudokrupp und Epiglottitis. Bei der Epiglottitis (Haemophilus influenzae) handelt es sich um eine Erkrankung des Kehlkopfes. Auslöser ist vielfach eine bakterielle Infektion, durch die sich der Kehldeckel entzündet. Für Pseudokrupp sind hingegen eine leise, kloßige Stimme ohne Heiserkeit sowie der so genannte Krupphusten charakteristisch.

Die Epiglottitis ist als potentiell vital bedrohlich anzusehen. Die Letalität beträgt bis zu 20 Prozent. Erreger der Infektionskrankheit ist in der Regel das Bakterium Haemophilus influenzae Typ B, gegen den es seit vielen Jahren einen sehr wirksamen Impfstoff gibt.

Diese Impfung wird von der Ständigen Impfkommission (STIKO) dringend empfohlen. Sie wird in der Regel im Rahmen der Sechsfach-Impfung im Säuglings- und Kleinkindesalter gegeben und ist im Impfpass meist als HIB abgekürzt.

Der Erkrankungsgipfel liegt bei einer Epiglottitis zwischen dem zweiten und sechsten Lebensjahr. Seit Einführung der Impfung ist die Zahl der an dieser Erkrankung verstorbenen Kinder deutlich zurückgegangen. Dieser Infekt verursacht ein schweres Krankheitsbild, für das hohes Fieber, schmerzhaftes Schlucken, kloßige Sprache und schwere Atemnot sowie vermehrter Speichelfluss charakteristisch sind. Besonders typisch ist der inspiratorische Stridor, häufig kombiniert mit einem exspiratorischen „Schnarchen“.

Besteht bei einem Kind auch nur der geringste Verdacht auf eine solche Erkrankung, ist der schnellstmögliche Transport in ein Krankenhaus erforderlich. Um einen Rückgang der Schwellung zu erreichen, sollte frühzeitig Kortison verabreicht werden. Ergänzt werden sollte die Behandlung durch Inhalationen mit Adrenalin über einen Vernebler.

Insgesamt ist es ratsam, möglichst wenige Maßnahmen an dem Kind durchzuführen. So werden zusätzliche Stressfaktoren vermieden. Insbesondere sollte die Inspektion vom Rachenraum zum Beispiel mit einem Spatel unbedingt unterlassen werden. Die Gefahr, dass es durch die Manipulation zu einer Zunahme der bedrohlichen Schwellung oder gar zu einem Laryngospasmus kommt, ist enorm hoch.

Eine Intubation sollte nach Möglichkeit – insbesondere in der präklinischen Situation – tunlichst vermieden werden. Bei der Epiglottitis muss immer mit besonders erschwerten Bedingungen gerechnet werden. In jedem Fall ist der Transport in eine Klinik indiziiert.

Kinder mit Pseudokrupp

Deutlich weniger dramatisch ist hingegen Pseudokrupp. Durch die Ähnlichkeit der Beschwerden wird Pseudokrupp oftmals mit einer Kehldeckelentzündung verwechselt. Beim Pseudokrupp handelt es sich um eine stenosierende subglottische Laryngitis. Diese Erkrankung der oberen Atemwege verläuft meist harmlos. Von der virusbedingten Infektion sind in der Regel Kinder zwischen einem und drei Jahren betroffen.

Die Kinder, die unter den Folgen der Schleimhautschwellung unterhalb der Stimmlippen leiden, haben im Vergleich zur Epiglotittis bei weitem kein so gravierendes Krankheitsbild. Das Fieber ist beim Pseudokrupp nicht so hoch, und auch die Halsschmerzen beim Schlucken fehlen meist.

Charakteristisch ist neben Heiserkeit und dem pfeifenden, inspiratorischen Stridor der typische, trockene bellende Husten (Krupphusten). Bei schwereren Verläufen lassen sich zum Teil als Zeichen der Atemnot Einziehungen der Zwischenrippenräume und der Jugularregion feststellen. Meist tritt die Atemnot bei eigentlich bis dato gesunden Kindern mitten in der Nacht plötzlich und unerwartet auf. Die Eltern verständigen dann aus Sorge den Kinderarzt oder einen anderen erreichbaren Arzt bzw. den Rettungsdienst. Manchmal besteht beim Pseudokrupp schon ein Infekt der Atemwege im Vorfeld. Typisch ist auch der Erkrankungsgipfel, der im Herbst und Winter auftritt.

Medikamente vernebeln_580

Bei schwerem Pseudokrupp kann Adrenalin über einen Vernebler angewendet werden. Foto: Brändli

Das wichtigste ist wie so oft bei einem derartigen Notfall, sowohl auf das Kind als auch die Eltern beruhigend einzuwirken. Zusätzlicher Stress würde Symptome wie Atemnot nur noch verstärken.

Als Erste-Hilfe-Maßnahme wird oft das Inhalieren feuchter Luft empfohlen. Gerade bei sehr kalter Außentemperatur bietet es sich an, das Kind warm eingepackt ins Bad mitzunehmen, das Fenster zu öffnen und heißes Wasser in der Badewanne laufen zu lassen. Der so erzeugte Dampf wird dann vom Kind automatisch eingeatmet. Allein die kalte Winterluft bewirkt oft schon eine Besserung.

Es gibt zwar Studien, die keinen Nutzen dieser Maßnahme beim Pseudokrupp nachweisen konnten; die Erfahrung aus dem Alltag zeigt aber, dass an dieser altbekannten Methode zur Selbsthilfe doch etwas dran sein muss.

Therapie der Wahl mit wissenschaftlich erwiesener Wirksamkeit ist die Gabe von Glukokortikoiden. Eltern haben häufiger in der häuslichen Notfallapotheke Kortisonzäpfchen vorrätig. Eine gängige Substanz wäre zum Beispiel Rectodelt 100 mg. Es besteht aber auch die Möglichkeit, Kortisonsäfte in Abhängigkeit vom Gewicht des Kindes zu verabreichen. Sie stellt nach aktueller Studienlage die am ehesten empfohlene Variante dar. Diese beiden Applikationsformen sind insbesondere bei kleinen Kindern der vom Arzt durchgeführten intravenösen Gabe – wenn möglich – vorzuziehen.

Lautet die Diagnose „schwererer Pseudokrupp“, kann auch hier die zusätzliche Inhalation von Adrenalin über einen Vernebler angewandt werden. Ob eine Klinikeinweisung erforderlich ist, muss der Arzt bzw. Notarzt im Einzelfall entscheiden. Neben den rein objektivierbaren Kriterien des Patientenzustandes spielen auch individuelle Fähigkeiten und Erfahrungen der Eltern eine Rolle.

(Text: Dr. Philipp Prause, Facharzt für Allgemeinmedizin, Notfallmedizin und Chirotherapie; Symbolfotos: Markus Brändli; zuletzt aktualisiert: 02.10.2017)

One Response to “Pseudokrupp und Epiglottitis”

  1. Lisa Roßbach on August 29th, 2016 11:17

    Wollte bloß darauf hinweisen, dass Kinder mit Pseudokrupp weder einen kloßige, noch eine klosige Stimme haben…. Wer auch immer die Zusammenfassung über dem Artikels geschrieben hat;-)

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