Berufseinstieg: 20 Tipps damit es klappt (Tipps 11 bis 15)


SpineboardBremen (rd_de) –  Jeder Berufseinstieg ist schwer. Der Einstieg in den Rettungsdienst kann aufgrund des stressigen Arbeitsumfelds besonders heraufordernd sein. Auch wenn das nötige Wissen in der Ausbildung vermittelt worden ist, kann es helfen sich immer wieder grundlegende Dinge vor Augen zu führen. Dies ermöglicht die nötige Routine zu entwickeln.

Wir haben aus diesem Grund 20 Tipps zusammengestellt. Diese sollen den Einstieg in die Arbeit im Rettungsdienst erleichtern und die Grundlagen zusammenfassen. Im dritten Teil, mit den Tipps 11 bis 15, wird erläutert worauf bei einem venösen Zugang zu achten ist, warum eine Infusion als Teil der Therapie so wichtig ist und wie der korrekte Umgang mit Medikamenten aussieht.  

Tipp 11: Der venöse Zugang

Trifft der Rettungsdienst auf einen kritisch kranken oder schwer verletzten Patienten, wird als eine der ersten Maßnahmen ein intravenöser Zugang gelegt. Wegen der oftmals erschwerten Bedingungen empfiehlt es sich, nach einem festen Schema vorzugehen.

Da die Venenverhältnisse anatomisch bei jedem Menschen variieren, sollte strukturiert nach gut zu punktierenden Venen gesucht werden. Handrücken, radialseitiger Unterarm und Ellenbeuge sind die klassischen Punktionsorte. Je nach Situation kommen auch Fußrücken und die oberflächliche Halsvene (Vena jugularis externa) als Alternative infrage.

Immer gilt es, möglichst peripher mit der Punktion zu beginnen. Misslingt ein Versuch, erfolgt der nächste Versuch proximal. Als Standardgröße sollte im Rettungsdienst ein 18-G-Zugang gewählt werden. Handelt es sich um einen vital bedrohten Patienten – unabhängig, ob internistisch oder chirurgisch –, müssen zwei großlumige Zugänge (16G oder 14G) gelegt werden.

Dient der Zugang zunächst nur zur Medikamentengabe, kann es hilfreich sein, die Infusion erst im Rettungswagen anzuschließen. Gerade bei der Rettung aus einer Wohnung kann so ein versehentliches Herausziehen beim Umlagern verhindert werden.

Mit größter Sorgfalt ist die Fixierung des Zugangs durchzuführen. Neben einem speziellen Fixierpflaster sollten Sicherungsstreifen vor und nach dem Einspritzkonus geklebt werden. Auch an der Infusionsleitung sollte eine Zugentlastung vorgesehen werden. Sie darf aber nicht als Schlaufe ausgeführt werden, da dies die Gefahr einer unbeabsichtigten Dislokation erhöht.

Lässt sich nach drei Fehlpunktionen oder nach maximal 120 Sekunden kein Zugang legen, muss bei vital gefährdeten Patienten als nächster Schritt versucht werden, einen intraossären Zugang zu platzieren. 

Tipp 12: Immobilisation und Transport mittels Spineboard

Zur technischen Rettung stehen auf den meisten RTW verschiedene Hilfsmittel zur Verfügung. Vielerorts hat sich das Spineboard durchgesetzt.

Voraussetzung, um ein solches Wirbelsäulenbrett einzusetzen, ist eine Zervikalstütze. Zusätzlich sollten Kopf und Halswirbelsäule zum Abschluss der Lagerung noch mit einem am Brett befestigten Fixierungsset immobilisiert werden.

Zunächst aber muss das Spineboard parallel zum Patienten platziert werden. Das Brett ragt dabei rund ein Drittel über den Patienten hinaus. Im Rahmen des Log-Roll-Manövers kann nun der Patient auf Kommando des Helfers am Kopf auf die Seite gedreht werden. Der zweite Helfer greift den Patient dabei an Becken und Schulter, ein dritter an Becken und Oberschenkel. Der zweite, „mittlere“ Helfer kann bei diesem Manöver mit seiner linken Hand die komplette Wirbelsäule des Patienten auf Druckschmerz und Stufenbildung hin untersuchen.

Sodann wird das Spineboard an den Patienten geschoben, sodass der Verletzte auf das Brett gedreht werden kann. In einem weiteren Schritt muss jetzt der Patient nach schräg oben gezogen werden. Mittels eines Gurtsystems wird der Patient nun endgültig auf dem Spineboard befestigt.

Bevor die Gurtspinne angelegt wird, sollte der Patient mit einer Schere entkleidet und mit Rettungsfolie eingewickelt werden. Als erstes müssen die Schulter- und Fußgurte, darauf dann Brust-, Becken- und Oberschenkelgurte angelegt werden. Hierbei ist darauf zu achten, dass der Schultergurt möglichst weit unten und der Brustgurt möglichst weit oben festgemacht wird. Die Brustwirbelsäule wird dadurch x-förmig auf das Spineboard gedrückt. Je nach respiratorischer Situation des Patienten können diese entsprechend fest gezogen werden.

Besteht der Verdacht auf eine instabile Beckenfraktur, sollte eine Beckenschlinge zur Kompression des Beckens verwendet werden. Alternativ können die Beckengurte dazu genutzt werden. Jetzt kann die bereits erwähnte Fixierung des Kopfes erfolgen. Erst danach darf der Helfer am Kopf mit der manuellen Immobilisation aufhören.

Da jeder Einsatz anders ist, muss individuell entschieden werden, welches Gerät zur technischen Rettung am besten geeignet ist. Bei einem eingespielten Team stellt das Spineboard eine hervorragende Möglichkeit zur achsengerechten Rettung dar.

Tipp 13: Infusionen – mehr als nur Wasser

Spätestens im RTW sollte an jeden Zugang eine Infusion angeschlossen werden. Foto: Markus Brändli

Spätestens im RTW sollte an jeden Zugang eine Infusion angeschlossen werden. Foto: Markus Brändli

In der Regel werden im Rettungsdienst zwei Arten von Infusionen vorgehalten. Kristalloid- und Kolloidal-Lösungen. Letztere stehen auf Grund ihrer möglichen nierenschädigenden Wirkung zunehmend in der Kritik. Die Standard- Infusionslösung im Rettungsdienst sollte ohnehin eine balancierte Vollelektrolytlösung sein.

Spätestens im Fahrzeug sollte an jeden Zugang eine Infusion angeschlossen werden. Je nach Kreislaufsituation des Patienten wird die Flüssigkeit unterschiedlich schnell infundiert. Bei traumatologischen Notfallpatienten im Schock beträgt der Richtwert zwei Liter. Als Zielblutdruck sollten 90 mmHg angestrebt werden. Dieser Zustand wird dann als „permissive Hypotension“ bezeichnet. Durch den niedrigeren Druck verlaufen Blutungen weniger stark oder können sogar zum Stehen kommen.

Jederzeit muss aber darauf geachtet werden, dass lebenswichtige Organe wie Gehirn und Herz genug oxygeniertes Blut erhalten. Das wiederum bedeutet, dass dieser Blutdruck nicht unterschritten werden darf. Dies gilt insbesondere auch bei Patienten mit akutem Schlaganfall, für die „hochnormale“ Drücke empfohlen werden.

Liegt beim Patienten eine Herz- oder Niereninsuffizienz vor, sollte die Infusion nur sehr langsam oder gar nicht gegeben werden. Zu große Flüssigkeitsmengen können zur Dekompensation des jeweiligen Organs führen.

Bei der Versorgung von Notfallpatienten wird sehr viel Zeit für Diagnostik (EKG, Blutdruck, Pulsoxymetrie, Anamnese) aufgewendet. In gewissen Situationen aber profitiert der Notfallpatient nur von der unmittelbaren Therapie – unter anderem der Flüssigkeitsgabe. Aus diesem Grund darf Diagnostik nie die Therapie akut vitalgefährdeter Patienten behindern.

Tipp 14: Alltägliches Problem: der Patiententransport

Der Großteil aller Einsätze ereignet sich im heimischen Umfeld. In der Regel muss der Patient ins Fahrzeug getragen werden. Gerade bei Verdacht auf ein kardiales oder pulmonales Geschehen sollte dies sehr streng gehandhabt werden, da jegliche Anstrengung den Zustand des Patienten erheblich verschlimmern kann.

Folgende Grundregeln sind zu beachten. Zum Wärmeerhalt und zum Wahren der Privatsphäre sollte der Patient mit einer Decke oder Rettungsfolie zugedeckt werden. Außerdem sollte ein minimales Monitoring immer angelegt sein. Ein Pulsoxymeter mit eingeschaltetem Herzfrequenzton ist wegen seiner geringen Größe gut geeignet.

Ist der Patient ansprechbar, orientiert und kooperativ sowie kreislaufstabil, eignet sich für den Transport ein Tragestuhl am besten. Sicherheitsgurte müssen angelegt sein. Zudem sollte der Patient darauf hingewiesen werden, seine Hände vor dem Oberkörper zu verschränken und nicht an Wand oder Treppengeländer zu greifen.

Kann der Patient nicht sitzend transportiert werden, stehen Patientenfahrtrage, Schaufeltrage oder Spineboard sowie das Rettungstuch zur Verfügung.

Beim Patiententransport mittels Drehleiter wird der Betroffene immer vom Notarzt – normalerweise mit Helm – begleitet. Foto: Maximilian Kippnich

Beim Patiententransport mittels Drehleiter wird der Betroffene immer vom Notarzt – normalerweise mit Helm – begleitet. Foto: Maximilian Kippnich

Ein Mitglied des Rettungsteams sollte zeitnah klären, wie die Rettung aus der Wohnung am besten gelingt. Sind die baulichen Verhältnisse ungünstig oder das Patientengewicht zu hoch, muss Tragehilfe nachgefordert werden. Dabei kann es sich sowohl um ein KTW-Team als auch eine Drehleiter mit Korb der Feuerwehr handeln. Letztere empfiehlt sich besonders bei Patienten in Narkose. Der Transport mit einer Drehleiter ist maximal schonend und schnell.

Während sich der Patient zum Beispiel auf einer Schleifkorbtrage am Tragenaufnehmer der Drehleiter befindet, können EKG, Beatmungsgerät und Absaugpumpe im Korb mitgeführt werden. Der Patient wird während der Rettung durchgehend vom Notarzt überwacht.

Kreislaufinstabile und vital gefährdete Patienten sollten mit Schaufeltrage oder Spineboard aus der Wohnung getragen werden. Das Tragetuch sollte wegen der ungünstigen Lagerung des Patienten und der hohen Gefahr einer ungewollten Diskonnektion nur noch im Ausnahmefall eingesetzt werden.

Tipp 15: Richtiger Umgang mit Medikamenten

Nicht selten werden am Einsatzort mehrere Medikamente verabreicht. Da eine Verwechslung von Dosierung oder Medikament für den Patienten sehr gefährlich werden kann, gilt es einige Dinge zu beachten.

Zuerst spielt die Kommunikation eine wichtige Rolle. Der Notarzt sollte den Wirkstoff und die gewünschte Verdünnung nennen. Gibt es auf dem Rettungswagen das Medikament in verschiedenen Dosierungen, muss diese ausdrücklich erwähnt werden. Andernfalls muss das Rettungsfachpersonal nachfragen. In jedem Fall sollte der Auftrag mündlich wiederholt werden.

Spritzengröße und aufzuziehende Menge müssen zueinander passen. Nichts ist peinlicher, als eine zu kleine Spritzengröße gewählt zu haben.

Medikamentengabe

Alle vorbereiteten Spritzen sind zum Beispiel in einer sauberen Nierenschale aufzubewahren. Foto: Maximilian Kippnich

Nach dem Aufziehen sollte die Spritze beschriftet werden. Zum Teil liefern die Hersteller der Medikamente hierfür vorgefertigte Klebeetiketten mit. Neben dem Wirkstoff muss die Dosierung auf der Spritze vermerkt werden.

Aus hygienischen Gründen sollte auf jede Spritze ein Verschlussstopfen gesteckt werden. In manchen Rettungsdiensten hat es sich durchgesetzt, Spritzen mit Katecholaminen mit einer roten Kappe zu kennzeichnen. Alle anderen Substanzen erhalten einen blauen Stopfen.

Bewährt hat es sich, immer nach dem Vier-Augen-Prinzip zu arbeiten. Das heißt, es sollte beim Aushändigen der beschrifteten Spritze immer auch die Ampulle vorgezeigt werden.

Alle vorbereiteten Spritzen sind dann zum Beispiel in einer sauberen Nierenschale aufzubewahren. So verliert man auch in hektischen Einsatzsituationen wie Reanimation und Narkose nicht den Überblick. Wird ein kreislaufwirksames Medikament gespritzt, muss gleichzeitig der Puls des Patienten kontrolliert werden. Darüber hinaus ist auf lokale oder systemische Reaktionen zu achten. Vor jeder Gabe müssen außerdem Unverträglichkeiten und Allergien abgefragt werden.

Unmittelbar nach der Gabe ist die Applikation auf dem Notarztprotokoll zu dokumentieren: Wirkstoff, Dosierung, Menge, Zeitpunkt und eventuelle Zwischenfälle.

(Unser Autor: Maximilian Kippnich, cand. med. Universitätsklinikum Würzburg, Rettungssanitäter, Zugführer, Foto: Markus Brändli; zuletzt aktualisiert: 12.05.2017) [3055]

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