Luxation: Schulter & Co. richtig versorgen


Bremen (rd_de) – Für Rettungsdienst-Mitarbeiter stellt das Verletzungsbild einer Luxation keine Seltenheit dar. Dabei sind besonders häufig Schulter, Hüfte oder auch Patella (Kniescheibe) betroffen. Doch die Verdachtsdiagnose “Luxation Schulter” oder “Luxation Hüfte” ist trotz ihres gehäuften Auftretens keineswegs als Lappalie abzutun. Hier die wichtigsten Maßnahmen.

Gerade die Reposition zum Beispiel einer dislozierten Fraktur mit peripherer Durchblutungsstörung gilt als eine relativ einfache, aber wichtige Maßnahme im Rettungsdienst. Sie ist zwingend notwendig für den weiteren Krankheitsverlauf, beeinflusst maßgeblich die Rehabilitation und letztendlich die Lebensqualität des Patienten. Besonders die Vermeidung von Sekundärschäden und Schonung der Weichteile sind wichtig.

Luxation Schulter:

Stichwort “Luxation Schulter”: Hier werden unfallbedingte Schulterluxationen von anlagebedingten unterschieden. Die anlagebedingten Luxationen sind auf schwache Bänder und weiches Bindegewebe zurückzuführen. Bei Menschen mit dieser Veranlagung führen häufig schon einfachste Bewegungen zur Luxation der Schulter.

Ein typischer Unfallmechanismus für die traumatische Gelenkluxation ist eine hebelnde Bewegung des Oberarmes bei gleichzeitiger Abspreizung und Außenrotation, zum Beispiel ein Schlag gegen den Wurfarm beim Handball.

eDossier “Luxation – Ursachen, Symptome, Maßnahmen”
•    Umfang: 10 Seiten
•    Dateigröße: ca. 1,7 MB/PDF-Format
•    Ein Beitrag aus Rettungs-Magazin 4/2015

Luxation Hüfte:

Und wenn die Verdachtsdiagnose “Luxation Hüfte” lautet? Eine solche Hüftgelenkluxation wird meist durch eine ausgeprägte Gewalteinwirkung hervorgerufen. Bei älteren Menschen mit künstlichem Hüftgelenk kann bereits eine geringe Krafteinwirkung oder auch eine falsche Bewegung – zum Beispiel das Übereinanderschlagen der Beine – zur Luxation des Hüftgelenks führen.

Wichtige Maßnahmen bei einer Luxation der Hüfte sind:

  • Durchblutung, Motorik und Sensibilität prüfen
  • Liegen Zeichen weiterer Verletzungen vor?
  • Reposition so bald wie möglich in einer Klinik
  • Analgesie und schmerzarme Lagerung

Sportverletzungen

Verletzungen beim Sport sind nicht nur ärgerlich, sondern zum Teil auch sehr schmerzhaft. Ein Merksatz hilft, sofort die richtigen Erstmaßnahmen bei Prellungen, Verstauchungen und Zerrungen zu ergreifen.

„Pech gehabt?!“, könnte man schadenfroh jemandem erwidern, der über eine Sportverletzung klagt.

Mit PECH ist in diesem Fall aber ein Akronym gemeint, das die Erstmaßnahmen bei derartigen Verletzungen beschreibt:

• Pause,
• Eis,
• Compression,
• Hochlagern.

Pause heißt hier: Ruhigstellung, nicht mehr belasten. Eis, das heißt in diesem Fall Kühlung, hat zwei positive Effekte: Zum einen ist das eine recht effektive Schmerztherapie, zum anderen kann die (ebenfalls schmerzhafte) Schwellung eingegrenzt werden. Erreicht werden kann dies zum Beispiel mit Cool-packs, Eisbeuteln oder Eiswasser. Eisspray kühlt hingegen nicht dauerhaft und kann zu Hautschäden führen.

Eine Kompression (Compression) ist am besten zu erreichen, indem eine elastische Wickel angelegt wird. Damit wird ein weiteres Einbluten und Anschwellen verhindert und der Rückfluss gefördert. Die Wicklung muss von körperfern nach -nah, mit moderatem Druck und „in Achten“ um die Extremität erfolgen. Das Hochlagern unterstützt die genannten Effekte.

Frakturen

Genau wie bei Luxationen müssen auch bei Frakturen unbedingt Durchblutung, Motorik und Sensorik („DMS“) geprüft werden. Zeigen sich hier Auffälligkeiten, sollte eine Fehlstellung bereits präklinisch vom Notarzt reponiert werden. Gerade Luxationen großer Gelenke bei kräftigen Erwachsenen sind dabei meist nicht ohne Narkose und Relaxierung zu reponieren.

Der „Klassiker“ ist hier die Schulterluxation (s.o.). Neben „DMS“ sollte auf eventuelle weitere Verletzungen geachtet und die Aufmerksamkeit nicht nur auf die offensichtliche Verletzung fokussiert werden.

Eine weitere Maßnahme ist die Kontrolle der Vitalparameter. Tachykardie und Hypertonie unterstreichen den Eindruck starker Schmerzen. Außerdem muss der Rettungssanitäter eine Hypothermie vermeiden und auf Schockzeichen achten. Ein Schock droht unter anderem bei einem verborgenen Blutverlust nach einer Fraktur großer Röhrenknochen.

Opioide zur Schmerzbehandlung gehören in die Hand des Notarztes. Trotzdem sollte der Rettungssanitäter wissen, dass im Rettungsdienst zu diesem Zweck relativ häufig Fentanyl eingesetzt wird. Bei Fentanyl tritt das Wirkmaximum bereits nach zwei Minuten ein. Eine Basis-Analgesie reicht bei Frakturen, die gut immobilisiert werden können, meistens aus.

Anders verhält es sich beispielsweise bei einer Schenkelhalsfraktur, insbesondere, wenn noch Umlagerungsmanöver oder gar Repositionen anstehen. Hier bietet sich die Kombination von Ketamin und Midazolam an, weil damit Schmerzspitzen solide abgedeckt werden können.

Alles, was Sie sonst noch über Luxationen, deren Symptome und Behandlungen wissen müssen, in unserem eDossier “Luxation – Ursachen, Symptome, Maßnahmen”.

(Text: Dr. Ingo Blank, Chirurg und Notarzt; Symbolfoto: Markus Brändli; zuletzt aktualisiert: 19.03.2018) [2213]

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