Barotrauma: der gefürchtete Tauchunfall


Bremen (rd.de) – Beim Tauchen kann es zu vielfältigen Unfällen und gesundheitlichen Störungen kommen. Besonders gefürchtet ist das Barotrauma, einem Überdrucktrauma der Lunge. Wichtige Fakten und Sofortmaßnahmen, die jeder Taucher kennen sollte.

Dekompressionsunfälle treten ausschließlich bei einem schnellen Wechsel von einem höheren zu einem niedrigeren Umgebungsdruck auf. Beim Tauchen findet dieser Wechsel während der Auftauchphase statt, welche auch als Dekompressionsphase bezeichnet wird. Während dieser Phase können zwei Krankheitsbilder mit jeweils unterschiedlicher Pathophysiologie auftreten: die klassische Dekompressionskrankheit und das pulmonale Überdrucktrauma (Barotrauma).

Das Risiko eines Dekompressionsunfalls beträgt etwa 1:10.000 Tauchgängen. Jährlich muss mit schätzungsweise 500 bis 1000 Unfällen gerechnet werden. Das pulmonale Barotrauma entsteht als Folge von druckbedingten Schwankungen des Gasvolumens innerhalb der Lunge. Während der Druckreduktion beim Auftauchen dehnen sich alle eingeschlossenen Gasvolumina aus.

Barotrauma: die Risikofaktoren

Besonders bei folgenden Situationen ist das Risiko eines pulmonalen Barotraumas erhöht:

  • zu schnelles Auftauchen (womöglich vorher sogar noch mit tiefer Inspiration),
  • unzureichende Ausatmung der sich ausdehnenden Luft während des Auftauchens,
  • Engstellen im Bronchialsystem durch Sekretansammlung,
  • Konstriktionen sowie
  • Elastizitätsminderungen des Lungengewebes, sodass dieses den druckbedingten Volumenschwankungen nicht ausreichend schnell folgen kann.
  • Die Symptome eines pulmonalen Barotraumas treten innerhalb der ersten zehn Minuten nach dem Auftauchen auf. Als Zeichen der Zerstörung des Lungengewebes können Husten, Luftnot und Bluthusten auftreten.

Barotrauma: Erste-Hilfe-Maßnahmen

In der Regel sind es Tauchpartner, die Erste Hilfe leisten. Bei milden Symptomen wie auffälliger Müdigkeit, Hautjucken und „Taucherflöhen“ sollten Ersthelfer folgende Maßnahmen ergreifen:

  • Sauerstoffinhalation (100 Prozent), unabhängig von dem beim Tauchen verwendeten Atemgas,
  • der Verunglückte sollte einen halben bis einen Liter Flüssigkeit trinken,
  • ihn sowohl vor Auskühlung als auch vor Überhitzung schützen,
  • mit dem Betroffenen sprechen: Ist seine Sprache klar? Kennt er den aktuellen Wochentag und weiß er, wo er sich befindet? Kann er seine Arme und Beine frei bewegen?
Foto: Verband Deutscher Druckkammerzentren

Foto: Verband Deutscher Druckkammerzentren

Bei Auftreten von Symptomen noch unter Wasser oder anderen Symptomen wie Hautflecken und -veränderungen, Schmerzen, Ameisenlaufen, körperliche Schwäche, Taubheitsgefühl, Lähmungen, Atembeschwerden, Seh-, Hör- und Sprachstörungen, Schwindel, Übelkeit, eingeschränktem Bewusstsein oder Bewusstlosigkeit sind weitergehende Maßnahmen erforderlich. Umgehend den Rettungsdienst über Notruf (112) verständigen. Ist der Betroffene bewusstlos, muss er in die stabile Seitenlage gebracht werden. Andernfalls muss der Verunglückte Taucher flach auf dem Rücken zu lagern.

Die weitere Behandlung wird der Rettungsdienst übernehmen bzw. wird in einem Druckkammer-Zentrum durchgeführt.

(Dr. Ingo Blank, Notarzt; Foto: Markus Brändli; 02.04.2015)

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