Auslandseinsatz: Als Notfallsanitäter nach China


RD in China_580Bremen (rd_de) – Die Björn-Steiger-Stiftung ist beauftragt worden, in der chinesischen Stadt Jieyang ein Rettungswesen nach deutschem Vorbild aufzubauen und zu betreiben (wir berichteten). In der Anfangsphase werden Notfallsanitäter aus Deutschland benötigt, um in leitender Funktion eingesetzt zu werden. Dr. Stefan Lührs, Ärztlicher Leiter des Projekts, erklärt im Gespräch mit www.rettungsdienst.de, was Bewerber wissen müssen.

Frage: Ab dem dritten Quartal 2017 werden sechs Rettungswachen und ein Luftrettungszentrum in Jieyang eingerichtet. Insgesamt sollen hier 24 Rettungswagen, acht Notarzt-Einsatzfahrzeuge und acht Vorausrüstwagen für die technische Rettung stationiert werden. Wie viele Notfallsanitäter benötigen Sie für diese Aufgabe?
Dr. Stefan Lührs: In der ersten Phase werden wir voraussichtlich 100 Notfallsanitäter aus Deutschland benötigen. Wir gehen davon aus, dass jeder 12 bis 18 Monate vor Ort sein wird.

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Frage: Welche Aufgaben werden die Kandidaten in China zu übernehmen haben?
Dr. Stefan Lührs: Sie werden die chinesischen Kolleginnen und Kollegen vor Ort einweisen. Darüber hinaus planen wir, unsere Mitarbeiter als Supervisor im Rettungsdienst einzusetzen. Das heißt, sie werden Einsätze begleiten und Abläufe beobachten, um anschließend – sofern erforderlich – Optimierungen vorzunehmen.

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Dr. Stefan Lührs, Ärztlicher Leiter bei der Björn-Steiger-Stiftung.

Frage: Und welche Voraussetzungen müssen die Bewerber mitbringen?
Dr. Stefan Lührs: Wir wünschen uns Notfallsanitäter oder erfahrene Rettungsassistenten, die idealerweise schon in leitender Funktion und/oder in der Ausbildung tätig gewesen sind. Darüber hinaus sollten sie englische Sprachkenntnisse mitbringen.

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Frage: Jieyang ist eine Stadt mit fast 7,5 Millionen Einwohnern. Abgesehen von den zu erwartenden Sprachproblemen könnte mancher Interessent Sorge haben, dass er zum Beispiel an der Suche nach einer Unterkunft scheitert…
Dr. Stefan Lührs: Die Sorge ist nachzuvollziehen, aber unbegründet. Jeder deutsche Rettungsdienst-Mitarbeiter, der von uns dorthin entsendet wird, erhält von uns auch die erforderliche Unterstützung, also zum Beispiel eine Unterkunft für die Zeit seines Aufenthalts und Hilfe durch Dolmetscher.

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Frage: Wer wird der Arbeitgeber der deutschen Mitarbeiter in Jieyang sein? Ist das die Björn-Steiger-Stiftung aus Deutschland oder eine chinesische Institution?
Dr. Stefan Lührs: Die Kolleginnen und Kollegen aus Deutschland erhalten für die Zeit Ihrer Mitarbeit in Jieyang einen Vertrag der Björn-Steiger-Stiftung. Insofern werden alle deutschen Bestimmungen des Arbeitsrechts eingehalten.

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Frage: Wie stellt sich die Björn-Steiger-Stiftung den weiteren Verlauf des Projekts vor?
Dr. Stefan Lührs: Ab dem vierten Quartal 2017 wird die Rettungsleitstelle in Jieyang ihren Betrieb aufnehmen. Von diesem Moment an sind – unter unserer Begleitung – die ersten Einsatzfahrten geplant. Nun wird auch das Luftrettungszentrum mit dem ersten Rettungshubschrauber seinen Dienst aufnehmen. Ab diesem Zeitpunkt wird das Stadtzentrum von Jieyang mit 550.000 Einwohnern vollständig abgedeckt sein.

Ab dem ersten Quartal 2018 wollen wir die Kapazitäten dann noch einmal verdoppeln, um bis Ende des Jahres den so genannten Flughafenbezirk mit weiteren 500.000 Einwohnern abzudecken. Damit wollen wir dann die Pilotphase 1 abschließen. Mindestens bis dahin werden wir immer deutsche Rettungsdienst-Mitarbeiter vor Ort benötigen.

Bewerbungen…

…(digital oder postalisch) sind zu richten an:
Björn-Steiger-Stiftung
Ärztliche Leitung Dr. Stefan Lührs/Dr. Roland Huf
Petristraße 12
71364 Winnenden
karriere@steiger-stiftung.de
bitte als Betreff angeben: ”Rettungsassistent China”

(14.06.2016; das Interview führte Lars Schmitz-Eggen; Foto: Michael Rüffer)

3 Responses to “Auslandseinsatz: Als Notfallsanitäter nach China”

  1. Dirty Harry on Juni 14th, 2016 13:53

    Hm, bei BIOS hat das ja nicht geklappt! Hoffentlich wird’s bei der Steiger-Stiftung besser…

  2. Subut on Juni 15th, 2016 05:51

    Warum man jetzt ausgerechnet aus Deutschland Hilfe braucht für den Aufbau des System erschließt sich mir nicht ganz.
    In Hongkong, also vor der Haustür quasi, existiert schon seit Jahren ein gut funktionierendes Rettungsdienstsystem das sein Vorbild in England hat.
    Hongkong ist zwar weiterhin eine Sonderverwaltungszone, gehört aber seit der 90er Jahren voll und ganz zur China.

  3. Jonathan on Juni 15th, 2016 11:18

    @Subut: „Am deutschen Wesen mag die Welt genesen.“ ( Emanuel Geibels 1861) 😉

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