TV-Tipp (WDR): Tödliches Geheimnis – Gerichtsmediziner auf Spurensuche


Ein Wohngebiet, schlichter Neubau, saubere Fenster. Zwei Polizeibeamte, die sich demonstrativ vor einem Hauseingang aufgebaut haben. Ein Leichenwagen nähert sich fast geräuschlos, zwei ebenso stille Männer verschwinden mit einem 60 Zentimeter großen Sarg hinter der Polizeisperre. Juliane Höfig, Frizzi Raab und Steffi Drobnik, Gerichtsmedizinerinnen der Universität Jena, öffnen vorsichtig die angelehnte Wohnungstür. Eine Wohnung wie viele, nicht verwahrlost, unauffällig. Schwarze Zahlen auf weißem Grund im Badezimmer. Die Spurensicherung hat alles penibel markiert, was von Bedeutung sein könnte. Ein Fleck auf dem Teppich, ein Eimer mit Flüssigkeit, Blutspritzer, eine Plastiktüte. Darin finden die Gerichtsmedizinerinnen ein totes Baby. Einen kleinen Jungen. Etwa zehn Sektionen führen die Ärzte und Obduzenten des Instituts für Rechtsmedizin Jena jede Woche durch. Zwei bis drei am Tag, siebenhundert pro Jahr. Sie lesen die Spuren auf leblosen Körpern, suchen Anomalien im Inneren, an Organen, Knochen und im Blut. Ihre Aufgabe: Todesumstände und -ursachen herausfinden und den Kriminologen Anhaltspunkte und Fakten liefern. Kindstötungen scheinen inzwischen an der Tagesordnung. Babyleichen in Plauen, tote Säuglinge in Thörey, erstickt, in Kartons, Blumenkästen, Tiefkühltruhen. Laut offizieller Statistik blieb die Zahl der getöteten Kinder in den vergangenen Jahren weitestgehend konstant bei einhundert. Doch die Gerichtsmediziner gehen von höheren Zahlen aus. Weil einem getöteten Säugling häufig von außen nichts anzusehen ist und schätzungsweise nur jeder zweite obduziert wird. Das tote Baby werden Juliane, Steffi und Frizzi schon ein paar Stunden später im Sektionssaal genauer untersuchen und einen entscheidenden Hinweis liefern können. Weil der Notarzt in diesem Fall die heimliche Entbindung erkannte und die Polizei verständigte. Weil der zuständige Staatsanwalt eine Sektion anordnete. Weil die Informationskette vorbildlich funktionierte. Dennoch – Fachleute sprechen von enormen Dunkelziffern. Nichtnatürliche Todesfälle, die unentdeckt bleiben, weil eine Obduktion erst gar nicht stattgefunden hat. Der Film begleitet Juliane, Steffi und Frizzi eine Woche lang bei ihrer täglichen Arbeit. Verantwortlich für Thüringen, ziehen die Gerichtsmedizinerinnen durch das ganze Bundesland. Obduzieren, identifizieren und begutachten – den Tod und seine Umstände.

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