Telemedizin hilft Herzkranken in Schleswig-Holstein


Kiel (pm) – In Schleswig-Holstein wurden 2008 fast 10.000 Menschen mit einer schweren Herzschwäche im Krankenhaus behandelt. Die Sterberate aufgrund der sogenannten Herzinsuffizienz lag im Land 36 Prozent über dem Bundesschnitt. Jetzt soll ein im Norden einmaliges Spezialistennetzwerk die Versorgung der Betroffenen deutlich verbessern.

Die Krankenkasse DAK, die Segeberger Kliniken und von ihnen eingebundene Haus- und Fachärzte starten hierfür das neue Telemedizin-Projekt „Mein Herz“. Hierbei werden die Patienten zu Hause über elektronische Ferndiagnose medizinisch betreut. Das Kieler Gesundheitsministerium lobt das innovative Angebot.

„Bei chronischer Herzschwäche verunsichert jeder Schweißausbruch oder schnelle Pulsschlag“, sagt Cord-Eric Lubinski, DAK-Vertragschef für Schleswig-Holstein. Einige Betroffene gingen zum Arzt oder ins Krankenhaus, obwohl dies gar nicht erforderlich wäre. Andere ignorierten dagegen Alarmsignale, was fatale Folgen für ihre Gesundheit haben könne. „Unser neues Netzwerk erkennt die Risikofaktoren früher und verbessert so spürbar die Behandlungsqualität“, betont Lubinski.

EKG-Untersuchung in den eigenen vier Wänden

Beim Projekt „Mein Herz“ stehen die Medizinexperten der Segeberger Kliniken und ihre Kooperationspartner den Teilnehmern für zwei Jahre mit Rat und Tat zur Verfügung. „Im Zentrum des neuen Angebots steht der tägliche Gesundheits-Check zu Hause, durch den sich unnötige Arztbesuche und Wartezeiten verringern lassen. Zusätzlich lernt der Patient dabei mehr über seine Erkrankung und zeigt nach unserer Erfahrung auch eine verbesserte Bereitschaft, die notwendigen Medikamente einzunehmen“, erklärt Prof. Dr. Gert Richardt, Chefarzt für Kardiologie. Jeder Patient erhält ein elektronisches Blutdruckmessgerät, eine elektronische Waage und ein 12-Kanal EKG kostenlos zur Verfügung gestellt.

Die gemessenen Vitalparameter werden über den Telefonanschluss des Patienten direkt an das Telemedizinzentrum der Segeberger Kliniken weitergeleitet. Prof. Dr. Gert Richardt: „Wenn wir bei der Auswertung sehen, dass es den Herzkranken schlechter geht, können wir sofort handeln. Hören sie nichts von uns, geht es ihnen gut. Diese Sicherheit bedeutet für die Patienten sehr viel und hilft ihnen, gesund zu werden.“

Mehr Sicherheit und Lebensqualität

In der Privatwohnung des Patienten werden durch die Mitarbeiter des Telemedizinzentrums die Geräte installiert und der Patient in deren Handhabung eingewiesen. Um die Nachhaltigkeit des Therapieerfolgs zu sichern und die Compliance des Patienten zu erhöhen, erhält der Patient einmal wöchentlich einen Anruf aus dem Telemedizinzentrum. „Allein das Gefühl, ständig unter ärztlicher Beobachtung zu stehen, gibt den kranken Menschen mehr Sicherheit und erhöht ihre Lebensqualität“, sagt DAK-Vertragschef Cord-Eric Lubinski. „Unser Ziel ist es auch, durch die Früherkennung unnötige Klinikaufenthalte soweit wie möglich zu vermeiden oder zu verkürzen.“ Aktuell gibt die DAK in Schleswig-Holstein jährlich mehr als drei Millionen Euro für die Behandlung ihrer Versicherten mit schwerer Herzschwäche aus.

Vermeidung von Krankenhauseinweisungen

Eine im Jahr 2008 von einem unabhängigen Institut durchgeführte Nutzenbewertung hat ergeben, dass in Folge der telemedizinischen Betreuung von Patienten mit einer chronischen Herzinsuffizienz die Anzahl der Krankenhauseinweisungen um 29 Prozent reduziert werden konnten. „Die Segeberger Kliniken verfügen über eine mehr als 10-jährige Erfahrung in diesem Bereich“, erklärt Dr. Mathias Rüdiger, Geschäftsführer der Segeberger Kliniken. „Daher sind wir fest davon überzeugt, die erwarteten Kosteneinsparungen auch zu realisieren und tragen das wirtschaftliche Risiko in der Anfangsphase gerne allein. Für uns ist dieser Vertrag zugleich eine Investition in Innovation und Zukunft. Denn wir wissen, Telemedizin kann in vielen Bereichen, in Folge des demographischen Wandelns, die einzige Möglichkeit sein, in Kooperation mit den behandelnden Haus- und Fachärzten die Qualität der medizinischen Versorgung unserer Patienten auch zukünftig zu gewährleisten.“ Ein externes Institut begleitet auch das Projekt „Mein Herz“ wissenschaftlich und untersucht den Erfolg und Nutzen.

Das Kieler Gesundheitsministerium begrüßt das neue Angebot für Schleswig-Holstein. „Ich freue mich, dass die DAK und die Segeberger Kliniken bei der Versorgung von schwer herzkranken Menschen neue innovative Wege gehen“, sagt die Abteilungsleiterin für Gesundheit, Dr. Renée Buck. „Gerade für ländliche Regionen mit relativ wenigen Fachärzten ist die Telemedizin ein wichtiger Baustein.“

Die Teilnahme am Projekt „Mein Herz“ ist für alle DAK-Versicherten freiwillig und kostenlos. Voraussetzung ist, dass die Betroffenen zuvor stationär in den Segeberger Kliniken mit der Hauptdiagnose „Herzinsuffizienz“ behandelt wurden. Bei den Patienten muss die Herzleistung um mindestens 55 Prozent reduziert sein.

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