Sachsen entscheidet sich für Sepura


Münster (pr) - Der Freistaat Sachsen hat sich für die digitalen Funkgeräte von Sepura entschieden und ist mittlerweile das neunte Bundesland, welches die Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben mit digitalen Tetra-Endgeräten ausstattet. Geliefert werden die Geräte von dem westfälischen Unternehmen Selectric-Nachrichten-Systeme aus Münster. Um eine flächendeckende Versorgung der sächsischen Polizei, Feuerwehren und Rettungsdienste zu gewährleisten, werden etwa 30.000 digitale Funkgeräte benötigt. Selectric beliefert mittlerweile die Bundesländer Bremen, Niedersachsen, Bayern, Baden-Württemberg, Hamburg und Sachsen-Anhalt mit Sepura Digitalfunkgeräten. Nicht alle Bundesländer werden, wie in Sachsen, Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) gleichzeitig von Anfang an mit Digitalfunk versorgen. In Niedersachsen, Bayern und Baden-Württemberg funkt im ersten Schritt die Polizei digital, die Rettungsdienste und Feuerwehren folgen erst im Zweiten. Durch die enge Zusammenarbeit zwischen dem englischen Tetra-Endgerätehersteller Sepura und der Selectric ist es möglich, den unterschiedlichen Anforderungen der Bundesländer an die Digitalfunk-Endgeräte gerecht zu werden. Alle Bundesländer, die Sepura-Geräte einsetzen, starten zeitgleich mit der Einführung der BOS-Sicherheitskarte. Mit dieser ist von Anfang an eine Ende-zu-Ende-verschlüsselte Kommunikation möglich. Die Sepura-Endgeräte waren die ersten in Deutschland, die dieses System unterstützen und erfolgreich durch das BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) getestet wurden. Der sächsische Auftrag ist der bisher größte Auftrag für Tetra-Endgeräte der bisher in der Bundesrepublik erteilt wurde.

One Response to “Sachsen entscheidet sich für Sepura”

  1. Manuel on Dezember 2nd, 2009 11:15

    Abgesehen davon, dass die bisher geplanten Folgekosten für Anschaffung und laufenden Betrieb sowohl für die jeweiligen Bundesländer und Kommunen gelinde gesagt erheblich mehr betragen als bedacht, liegen mir ausser denen schon von mir in „Rettungsdienst.de“ geposteten Infos noch weitere Mängel und Risiken des BOS-Digitalfunks vor.

    Die Vorbemerkung dass diese noch viel gravierender sind, als bisher angenommen. Auf den Punkt gebracht, herrscht offensichtlich bei den politisch Verantwortlichen wohl daran kein grosses Interesse, was für sich spricht.

    Lt. diversen Infos vom Nov. 2009 eines ranghohen niederländischen Feuerwehrangehörigen gibt es mit beiden eingesetzten Digitalfunksystemen C-2000 und TETRA seit Jahren grosse Probleme. C-2000 basiert lt. bisherigen Internetrecherchen auf der TETRA-Technologie und hat den fast identischen Frequenzbereich (390-410 MHZ) wie der beabsichtigte BOS-TETRA-Digitalfunk in Deutschland (380-400 MHZ). Mit beiden Digitalfunkverfahren gibt es lt. seiner Aussage in den Niederlanden erhebliche Reichweiten- und Stabilitätsprobleme. Auch bei Grosschadensereignissen sind plötzlich auftretende „Congestions“ zu deutsch Überlastungen an der Tagesordnung. Die niederländische Feuerwehr beklagt z.B. immer wieder kehrende Reichweitenprobleme und Funklöcher beim TETRA-Digitalfunk innerhalb von Gebäuden im DMO-Modus (Funkverkehr ohne Relaisfunkstellen). Als Konsequenz wechseln immer mehr Feuerwehren wieder zum Analogfunk zurück.

    Auch bei der niederländischen Polizei herrscht hinter vorgehaltener Hand erheblicher Unmut über das techn. mangelhafte Digitalfunksystem.

    Als stellvertretende Beispiele für viele weitere Digitalfunkmängel bei Einsätzen wurden im Nov. 2009 durch niederländische BOS-Funkteilnehmer

    – Ein Flugzeugabsturz der Turkish-Airlines am 25.Febr. 2009 in Shipol. Der anfallende Digitalfunkverkehr allein von rd. 40 Rettungswagen sorgte für den Zusammenbruch des Systems. Als Folge waren die dort eingesetzten Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste von jeglicher Funkkommunikation abgeschnitten.

    – Das Attentat auf die Königin in Apeldoorn am 30 April 2009, wobei der Digitalfunkverkehr zwischen der Leitstelle und Polizei bzw. Sicherheitsbeauftragten der Königin zusammenbrach

    – Randalierende Hooligans während die Beachparty Sunset Grooves am 22 August 2009 in Hoek van Holland (über 30.000 Besucher), wobei Polizisten in die Enge getrieben wurden, schossen, und keinen Notruf betätigen konnten. Ursache: ein seit Jahren bekanntes Funkloch und zusätzlich noch ein überlastetes Digitalfunknetz.

    gegenüber der Zweiten Kammer des niederländischen Parlaments, sowie der Kommission des Ministeriums für Inneres und Königreichsbeziehungen geschildert. In allen drei Fällen war das Digitalfunknetz lt. deren Aussagen hoffnungslos überlastet.

    Die niederländischen politisch Verantwortlichen warben ungeachtet der beschriebenen Mängel und daraus resultierender Folgen für das Vertrauen in den Digitalfunk.

    Deswegen werden betroffene Einsatzkräfte lt. bisher vorliegenden Infos mit Sicherheit erneut bei niederländischen Politikern vorstellig.
    Lt. dem niederländischen Parlament gibt es für den TETRA-Digitalfunk jedoch weltweit bislang keinerlei Erfahrungen bei Katastrophenfällen und Grosschadensereignissen.

    Als direkte Folge der Digitalfunkmängel waren im Jahr 2008 bereits 3 tote Feuerwehrmänner zu beklagen.

    Zumindest die niederländische Feuerwehr beabsichtigt deswegen wieder zum Analogfunk zurückzuwechseln. U.a. wurden bei der Feuerwehr Trente bzw. Utrecht die zuvor bestellten rd. 700 Analogfunkgeräte von Kenwood Anfang 2009 ausgeliefert. Weitere Feuerwehren wollen folgen.

    Wohl wegen gravierender Datenübertragungsprobleme wird zumindest bei der niederländischen Feuerwehr der Digitalfunk nur für Sprechfunk ohne Datenübertragung (z.B. Übermittlung von Einsatzlageplänen, etc..) – noch- benutzt.

    Der ranghohe niederländische Feuerwehrmann berichtete auch über praktische Reichweitenversuche mit Digitalhandfunkgeräten auf der grünen Wiese. Trotz optischer Sicht zu den Kollegen traten ab einer Entfernung von 200m gravierende Reichweitenprobleme auf. Derartige Ergebnisse sind mit Analogfunkgeräten auf demselben Frequenzbereich und wesentlich niedriger Sendeleistung (z.B. 500mW) faktisch ausgeschlossen.

    Kein Wunder, dass es z.B. innerhalb von Gebäuden erhebliche Digitalfunk-Reichweiteneinbussen gibt.

    Wird DMO-Digital-Direktfunkbetrieb ohne Relaisstation/Umsetzer an Einsatzstellen durchgeführt, treten oftmals erhebliche Beeinträchtigungen der Funkverbindungen trotz unterschiedlicher Gesprächsgruppen auf. Dieser Umstand wird durch die Fa. Motorola lt. einer mir vorliegenden EU-Patentschrift „European Patent Application“ vom 26.1.2005 auch eingeräumt. Hier heisst es auf der Seite 2, Satz 25-30 u.a. sinngemäss, dass ohne TMO-Betrieb über Relaisstationen/Umsetzer und der damit wegfallenden Zeitschlitz-Synchronisation keine Möglichkeit besteht, DMO-Interferenzen zu minimieren/verhindern.

    Im Analogfunk nennt sich das Phenomen z.B. „unzureichende Nachbarfrequenzselektion“ bzw. Trennschärfe, was sich jedoch lt. mir bisher vorliegenden Infos nicht derart gravierend bemerkbar macht und mit den bisherigen Analogfunkgeräten keineswegs Normalzustand ist.

    Somit dürften die Aussagen von Digitalfunkbefürwortern und Lobbyisten, welche auch in Deutschland die Meinung vertreten, „der Digitalfunk sei insgesamt leistungsfähiger und belastbarer als der bisherige Analogfunk“, zumindest in diesen Punkten widerlegt sein.

    Die Nebenbemerkung dass es tief blicken lässt, wenn der Verfasser einer EU-Patentschrift trotz erheblicher Mängel und Risiken von politisch Verantwortlichen dennoch mit der Auslieferung bzw. Installation und Betrieb von Digitalfunktechnik beauftragt wird. (Transfer von geldwerten Vorteilen?). Vorbeugender Hinweis, dass dieser Passus lediglich meinen pers. Eindruck vermittelt, und keine offizielle Behauptung darstellt.

    Der niederländische Feuerwehrangehörige äusserte mir gegenüber seine erheblichen Bedenken, dass diese Digitalfunkprobleme nunmehr auch für Deutschland aktuell werden können. Im Jahr 2005 befasste sich ein niederländischer TV-Sender ausführlich mit der Digitalfunk-Problematik. Im Okt. 2008 sah er im dt. Fernsehen den „ZDF Frontal21“ Beitrag „zu teuer, zu schlecht, sinnloser Behördenfunk“. Sein sinngemässer Kommentar: “ Das sind doch genau dieselben Probleme wie bei uns in den Niederlanden – es darf doch nicht wahr sein!“

    Lt. seiner Aussage wagt er nicht an den Fall zu denken, „wenn es richtig kracht“.

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