Notstrom aus Wasserstoff


Bonn (rd.de) – Beim Strom für sicherheitskritische Anwendungen haben die Verantwortlichen bisher auf Standardlösungen gesetzt. Mittlerweile ist die Brennstoffzelle eine echte Alternative.

Die Nationale Organisation für Wasserstoff- und Brennzellentechnologie (NOW) ist ein Zusammenschluss der Wasserstofftechnologiebranche, die unter der Aufsicht des Bundesministerium für Wirtschaft eine Energiewende, weg vom Erdöl, hin zur Brennstoffzelle flankieren soll.

Der neu gegründete Verband weist die Verantwortlichen der Länder im Zusammenhang mit der Umstellung des BOS-Funks auf die Digitaltechnik auf Möglichkeiten und Vorzüge der Brennstoffzellentechnik bei der Notsromversorgung von Kommunikationsinfrastrukturen hin.

Der BOS-Digitalfunk stellt hohe Anforderungen. Ausfallsicherheit und Verfügbarkeit haben höchste Priorität. Zuverlässige Technologien für die Stromversorgung und die Klimatisierung der Basisstationen sind deshalb unerlässlich. Brennstoffzellen, so führen die Fachautoren Wolfgang Axthammer und Siegfried Suchanek der nationalen Organisation für Wasserstofftechnologie aus, bieten zunehmend eine interessante Alternative, um als solche Backup-Systeme, Stromausfälle von Stunden oder gar Tagen zu überbrücken.

Sie verfügen über eine hohe Lebensdauer, sind mit geringer Wartung zu betrieben und zeichnen sich nicht zuletzt durch ihre exzellenten Umwelteigenschaften aus. Damit erübrigt sich beispielsweise das Erfüllen strenger Umweltauflagen. So verursacht die Brennstoffzelle keine Schadstoffemission, keine Lärmbelastung und produziert auch keinen Sondermüll.

Brennstoffzellen-Systeme leisten zwischen 100 Watt und 20 kW und bieten als unterbrechungsfreie Stromversorgung lange Autonomiezeiten. So kann man heutzutage schon mit einer 50 Liter Wasserstoff-Flasche und 200bar problemlos eine Autonomiezeit von circa zwei Stunden erreichen.

Die Autoren empfehlen deshalb, die Vorteile der Brennstoffzelle bei anstehenden Neuplanungen mit ins Kalkül zu ziehen – beispielsweise im Rahmen der aktuellen Umstel-lung des BOS-Digitalfunks.

450 Basisitationen mit Brennstoffzelle

Die Stromversorgung von Tetra-Netzwerken ist in anderen Länder bereits in der Realisierung. Im Verlauf diesen Jahres wird die Firma Dantherm 450 Tetra-Basisstationen des dänischen Tetra-SINE-Netzes mit einer Wasserstoffstromversorgung versehen. Die Entscheidung für die Wasserstofftechnik hatte ausschließlich wirtschaftliche Gründe. Die geringen Wartungskosten gaben den Ausschlag.

Die Ursachen für die günstige Kostenrechnung sind vielschichtig. Zum Beispiel können die Sendeanlagen problemlos Temperaturen von über 40 Grad verkraften, nicht aber die zur unterbrechnungsfreien Stromversorgung eingesetzten Batterien. In der Folge muss ein Senderhaus mit Batterie-Notstrom stärker heruntergekühlt werden. Auf diese Weise senkt die Brennstoffzelle bereits Energiekosten zur Kühlung. Zudem ist die Brennstoffzelle wesentlich kleiner als das Batteriearsenal und hat klare Umweltvorteile, denn gerissene Bleibatterien könnten beim Auslaufen den Boden verseuchen.

Für das dänische Tetra-Funknetz liefern die Wasserstoff-Notstromanlagen von Dantherm die gesamte Energie für Funkgeräte und Sendeanlagen, die Anlagenkühlung, Modems und Beleuchtung. An der Brennstoffzelle stehen fünf Wasserstoffflaschen zu 50 Liter bei 200 bar Druck bereit. Eine Flasche ist nur für kurze Stromunterbrechungen und den Selbsttest gedacht, die anderen vier Flaschen sorgen für eine längerfristige Notstromversorgung: „Mit den vier Flaschen erreichen wir eine Mindestversorsorgungszeit von 24 Stunden unter Volllast der Basistation“, erklärt Dantherm Sales Manager Claus Munkholm. Somit liefert diese Anlage annähernd 40 Kilowattstunden sauberen Strom.

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