Zugunglück in Bayern: Trauma-Netzwerk hat sich bewährt


Klinikum der Universität München - Campus Großhadern: Zwei Einatzfahrzeuge steuern die Notaufnahme des LMU-Kliniums an.

Am Klinikum Großhadern wurden nach dem Zugunglück neun Behandlungsteams zusammengestellt. Foto: Klinikum Großhadern

Rosenheim (DGU) – Das Trauma-Netzwerk der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) hat sich nach dem schweren Zugunglück am Dienstag (09.02.2016, wir berichteten) in Bad Aibling bewährt. Durch den Zusammenschluss der Kliniken hätten alle Verletzten trotz der ländlichen Struktur dieser Region schnell und optimal versorgt werden können, teilte die DGU mit.

„Die Zusammenarbeit der Traumazentren in den regionalen Traumanetzwerken, eng abgestimmt mit den Rettungsdiensten, hat sich bereits in der Vergangenheit wiederholt bewährt. Insbesondere bei Massenunfällen wie jetzt dem Zugunglück in Bayern, für den das Trauma-Netzwerk München-Oberbayern-Süd zuständig war, können viele Patienten schnell und effizient versorgt werden“, sagt Professor Reinhard Hoffmann, Generalsekretär der DGU.

Das Trauma-Netzwerk München-Oberbayern-Süd besteht aus vier überregionalen Traumazentren sowie aus sieben regionalen und 15 lokalen Traumazentren. Bei dem Bahnunglück waren laut DGU das lokale Traumazentrum Bad Aibling, das regionale Traumazentrum Rosenheim und viele weitere umliegende Traumazentren beteiligt. Die meisten Leicht- und Schwerverletzten wurden nach Angaben des Trauma-Netzwerks München-Oberbayern-Süd in die zum Unfallort nächstgelegenen Kliniken gebracht.

Operationssäle wurden freigehalten

In allen Kliniken Südostbayerns sowie München wurde der MANV-Fall (Massenanfall von Verletzten) ausgelöst. „Geplante OPs wurden überall abgesagt und damit mehrere Operationssäle, allein in Rosenheim vier, vorgehalten. Ebenso wurden die Patienten auf den Intensivstationen verlegt, um freie Intensivbetten zu schaffen. Zu betonen ist die gute Zusammenarbeit mit den Häusern der Maximalversorgung im Umkreis“, erklärt Professor Gerd Regel, Chefarzt der Klinik für Unfall-, Hand- und Wirbelsäulenchirurgie am RoMed Klinikum Rosenheim.

„Insgesamt war die Rettung und die Betreuung der Patienten vorbildlich. So war zum Beispiel die Zentrale Notaufnahme im Regionalen Traumazentrum RoMed Klinikum Rosenheim innerhalb von 15 Minuten für den Einsatz leergeräumt.“ Professor Regel fügt hinzu: „Auch die Angehörigen wurden durch Kriseninterventionsteams in den Kliniken bestens betreut. Zusätzlich wurde eine Telefon-Hotline eingerichtet“, erklärt er weiter.

„Das Zugunglück verdeutlicht, dass die teilnehmenden Kliniken des Trauma-Netzwerks München-Oberbayern-Süd adäquat vorbereitet waren“, sagt Professor Wolfgang Böcker, Sprecher des TraumaNetzwerks München-Oberbayern-Süd und Leiter der Klinik für Allgemeine, Unfall- und Wiederherstellungschirurgie am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU). „Durch die vernetzte Versorgungsstruktur konnten die Verletzten schnell auf die Krankenhäuser verteilt und ohne Verzögerung versorgt werden. Es verlief lokal und regional alles reibungslos. Verlegungen von Schwerverletzten in überregionale Traumazentren waren zunächst nicht notwendig. Nach der Leitstellenalarmierung hatten wir uns am Klinikum Großhadern auf das Schlimmste vorbereitet und neun Behandlungsteams mit entsprechenden OP- und Intensivkapazitäten zusammengestellt“, berichtet er.

Im Fall eines MANV gibt es in einem Trauma-Netzwerk klar definierte Ablaufpläne. Dabei gelten so lange wie möglich die Qualitätsansprüche der individualmedizinischen Versorgung von Schwerverletzten.

Bei dem Zugunglück in Bad Aibling waren zehn Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 80 Personen wurden verletzt, 17 davon schwer.

(11.02.2016; Symbolfoto: Klinikum Großhadern)

One Response to “Zugunglück in Bayern: Trauma-Netzwerk hat sich bewährt”

  1. Roland Streng on Februar 18th, 2016 19:20

    Berichtigung: Es sind elf Tote zu beklagen!

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