Zu viele Rettungshubschrauber über Österreich?


München/Wien (rd.de) – Die Niederösterreichische Gebietskrankenkasse (NÖGKK) gab ein Gutachten zum Rettungsdienst in Auftrag. Darin steckte auch die Fragestellung, wie die Luftrettung in Österreich künftig finanziert werden könnte. Die Antwort sorgt nun für Zündstoff.

Das Institut für Notfallmedmizin und Medizinmanagement der Universität München hat im Auftrag der Niederösterreichischen Gebietskrankenkasse (NÖGKK) die rettungsdienstlichen Strukturen in Niederösterreich analysiert und eine fiktive Rettungsdienstlandschaft entwickelt. Ziel des Projektes war die Abschätzung von Kennwerten für die niederösterreichischen Kostenträger sowie die Entwicklung eines Szenarios, das die gesetzlichen Rahmenbedingungen und wirtschaftlichen Aspekte gleichermaßen berücksichtigt.

Die Entwicklung einer „fiktiven“ Rettungsdienstlandschaft war notwendig, da dem Auftraggeber keinerlei reale Einsatzdaten der Rettungsleitstellen oder der Leistungserbringer zur Verfügung standen. Wichtige Parameter zum Einsatzaufkommen und zur Versorgungssicherheit (z. B. Hilfsfrist entsprechend BayRDG) mussten daher auf Basis der Abrechnungsdaten und bayerischer Vergleichswerte mittels einer Simulation ermittelt werden. Zudem wurden die Kennzahlen aus dem bayerischen TRUST-Gutachten auf den niederösterreichischen Rettungsdienst übertragen.

Betrachtung der Luftrettung für ganz Österreich

Bei den Rettungshubschraubern analysierte die Niederösterreichischen Gebietskrankenkasse offenbar im Auftrag verschiedener Krankenkassenverbände für ganz Österreich. Bei der Luftrettung, die um ein wirtschaftlich tragfähiges Abrechnungsmodell kämpft, kamen die Analysten zu der Erkenntnis, dass Österreich mit Hubschrauberstandorten drastisch überversorgt ist. Presseberichten zufolge, könnte man von den bis zu 38 Hubschrauberstandorten (Wintersaison) 22 Stationen dicht machen. Eine strategisch richtige Standortplanung vorausgesetzt, ließe sich mit 16 RTH-Stationen dennoch eine 15-Minuten-Hilfsfrist einhalten.

Die Veröffentlichung dieser Feststellung zur Luftrettung war keineswegs so vorgesehen. Die Niederösterreichischen Gebietskrankenkassen sprechen vielmehr von einer undichten Stelle und möchten  zum jetzigen Zeitpunkt die Studienergebnisse nicht weiter kommentieren.

Dem Wildwuchs ein Ende setzen

Das kommentieren übernehmen dafür die Tageszeitungen: „Je mehr Notarzthubschrauber am Tiroler Himmel kreisen, desto unfinanzierbarer wird das System“, stellt Mario Zenhäusern von der Tiroler Tageszeitung in seinem Kommentar vom 29.Oktober 2009 fest. „In den vergangenen Jahren sind die Notarzthubschrauber in Tirol sprichwörtlich wie die Schwammerln aus dem Boden geschossen. Jedes größere Skigebiet hält sich einen eigenen Heli.“

Um die Luftrettung zu erhalten, darin sind sich die Zeitungskommentatoren einig, muss der Wildwuchs von Rettungshubschrauberstandorten beendet werden.

2 Responses to “Zu viele Rettungshubschrauber über Österreich?”

  1. thomaswagner on Oktober 30th, 2009 14:45

    So interessant und lobenswert eine derartige Analyse ist, so überflüssig ist sie in ihrer Ausführung in diesm Fall, auch wenn das leidige Thema Hubschrauberversorgung damit mal wieder auf den Tisch kommt und gewisse Personen dazu zwingt, sich mit der Thematik wieder zu befassen.
    Es ist altbekannt, dass Österreich unter einer Hubschrauber-Überversorgung leidet, speziell in Regionen mit größeren Skigebieten. Dennoch werden auch dort im Sommer diese Hubschrauberstandorte nicht geschlossen, sondern es kommt zu einem regelrechten Wettlauf um den Transport eines Patienten, und selbst Patienten, für die nicht mal ein Hubschrauber oder Notarzt nötig ist und der bodengebundene RD bereits vor Ort ist, werden aus Gründen der Abrechnungsfähigkeit geflogen. Begünstigt wird dies z. B. in Tirol durch die fragliche Qualität der dortigen ILL, der es teilweise schwer fällt differenziert abzufragen.
    Aus diesem Grund ist das Ergebnis dieser Analyse nichts Neues.
    Zudem kann eine Analyse nur aufgrund von Fakten erstellt werden. Da hier keine Daten der Leistungserbringer und der Leitstellen zur Verfügung gestanden haben sollen, was mir schlicht unverständlich ist, musste in überproportionalem Verhältnis simuliert und damit spekuliert werden. Der Ergebniswert dieser Analyse ist also sehr zweifelhaft.
    Letztlich halte ich es auch für sehr fragwürdig, bayerische Verhältnisse bzw. Analysen (TRUST-Gutachten), die schon in Bayern für reichlich Zündstoff gesorgt haben, auf österreichische Verhältnisse anzuwenden.
    Summa summarum: Meiner Meinung nach eine gelungene Verschwendung von öffentlichen Geldern für eine weitere Bestätigung bekannter Tatsachen auf Basis einer nur scheinbar fundierten Analyse.
    Es wäre sinnvoller gewesen, eine Analyse in Auftrag zu geben, wie die grundsätzliche Kostenverteilung und -übernahme künftig am besten geregelt werden kann und dann an Analysen für Streichungen und Neustrukturierungen zu gehen.

  2. campesino on Oktober 30th, 2009 16:17

    Viel heiße Luft um Altbekanntes. Das nennt sich wissenschaftlich??

Möchten Sie einen Kommentar schreiben?