VOX-Unfallakte analysiert Gefahrgutunfall auf der B 51


POK Andrik Hackmann (links) und PK Thorsten Leymann bei den Filmaufnahmen.

POK Andrik Hackmann (links) und PK Thorsten Leymann bei den Filmaufnahmen.

Diepholz (ots) – Ein ganzes Dorf hatte Glück im Unglück, als am 19. August 2010 ein mit Gefahrgutfässern beladener Lkw auf der B 51 im niedersächsischen Fahrenhorst zunächst gegen fünf Pkw prallte und dann umstürzte. Jetzt wird der Verkehrsunfall im VOX-TV-Magazin „auto mobil“ analysiert.

Diesen Sonntag (27.02.2011, 17.00 Uhr – 18.15 Uhr) berichtet das VOX-Magazin „auto mobil“ in der Beitragsreihe „Die Unfallakte“ darüber, warum der 60-jährige Gefahrgutfahrer nach einem Herzinfarkt keine Chance mehr hatte, den Lkw wieder unter Kontrolle zu bekommen.

„Es sah aus, als ob der Lkw-Fahrer wie ein Geisterfahrer unterwegs gewesen war und alles mitgenommen hat, was sich ihm in den Weg gestellt hat“, erinnert sich Thorsten Leymann von der Polizei in Weyhe. „Die Zeugen gaben an, dass der Lkw mit circa 40 bis 50 km/h gefahren sein soll. Der Fahrer selbst wurde nicht gesehen. Der war in sich zusammengesackt und der Lkw schoss willkürlich von links nach rechts über die Fahrbahn“, fasst Polizeikommissar Thorsten Leymann Zeugenaussagen zusammen. Andere wiederum, so Anwohner der Hauptstraße in Fahrenhorst, hatten zunächst Probleme damit, die Crashgeräusche zuzuordnen und glaubten beim Anblick der zerstörten Autos und des umgekippten Gefahrgut-Lkw ihren Augen nicht zu trauen: „Man hat das Gefühl gehabt, dass man einen Actionfilm live erlebt. Hier ein Crash, dort ein Crash. Ich konnte zunächst überhaupt nicht begreifen, was dort passiert ist“, sagt Arno Hahn vom gleichnamigen Betrieb an der Hauptstraße.

Dass der Fahrer des Gefahrgutzuges einen schweren Herzinfarkt erlitten hatte, war relativ schnell klar. Freiwillige Feuerwehrleute, die sich auf dem Weg zum Einsatzort befanden, hielten an der Unfallstelle an und konnten durch die sofort eingeleitete Reanimation das Leben des 60-jährigen Truckers retten. Sehr viel Glück hatten auch die an dem Unfall beteiligten Autofahrer, die aufgrund des unberechenbaren Zick-Zack-Kurses des Lkw-Fahrers nicht mehr reagieren konnten: „Alles ging so schnell, dass ich weder bremsen noch ausweichen konnte. Bei rund drei Millionen gefahrenen Kilometern in meinem Leben habe ich so etwas noch nie erlebt“, so Außendienstler Ludwig Wilkens, dessen Volvo von dem Gefahrgut-Lkw frontal erfasst wurde.

Stoffdeklarationen waren nicht zu finden

Äußerst brisant war der Unfall auf der B 51 in Fahrenhorst allerdings für die rund 120 Helfer der Feuerwehren. Denn beim Öffnen des Anhängers entdeckten sie rund 50 Fässer, die als Gefahrgut deklariert waren. Aber es gab keine Informationen über die Bestandteile, so dass der Gefahrguttrupp der Diepholzer Feuerwehr aus Syke ausrücken musste. „Irgendwo im Führerhaus des Lkw lagen sicherlich die Papiere. Doch durch den Unfall war alles durcheinander geflogen und wir konnten nichts finden. So mussten wir uns jedes einzelne Stückgut ansehen und die verschiedenen Stoffnummern und Stoffnamen mühsam bei den jeweiligen Herstellern recherchieren“, erklärt Matthias Thom von der Feuerwehr im Landkreis Diepholz. Da Teile des Gefahrgutes in geringer Konzentration ausgetreten waren, musste die B 51 rund um den Unfallort für etwa sieben Stunden gesperrt werden.

Wie richtig die sofort eingeleiteten Maßnahmen waren, zeigte sich bereits während der Bergung des Gefahrgutes. „Die geladene Chemikalie war bei hohen Temperaturen durchaus explosionsfähig. Und da es am Unglückstag sehr heiß war, gab es eine besondere Gefahr“, verdeutlicht Thom. Aufgezeigt wird in dem TV-Beitrag auch, dass sich das Risiko von plötzlichen Herz-/Kreislaufschwächen hinter dem Lenkrad nicht generell ausschließen lässt. Und das, obwohl Lkw-Fahrer ab dem vollendeten 50. Lebensjahr regelmäßig zu einer Gesundheitsprüfung müssen. „Problem ist, dass viele Fahrer Beschwerden ganz bewusst verschweigen und wir bei unseren Untersuchungen z.B. auch keine Durchblutungsstörungen am Herzen feststellen können“, erläutert die Ärztin Dr. Birgit Krzemien bei VOX.

Polizei und Feuerwehr sind froh, dass bei dem schweren Verkehrsunfall in Fahrenhorst keine Fußgänger oder Radfahrer in der Nähe waren. Ganz abgesehen davon verdeutlicht schon das extreme Verkehrsaufkommen auf der B 51 das Gefahrenpotential dieses Unfalls. Polizeioberkommissar Andrik Hackmann von der Polizei Diepholz: „Wenn man überlegt, dass der Lkw mehrere hundert Meter führerlos durch den Ort geschossen ist, dass er zudem noch mit Gefahrgut beladen war – da hätte also weitaus Schlimmeres passieren können. Und wenn man dann noch an Unbeteiligte wie Fahrradfahrer oder spielende Kinder denkt … Was aber wäre gewesen, wenn die Gefahrstoffe ausgetreten wären oder sich entzündet hätten? Dieser Unfall hätte also durchaus in einer Katastrophe enden können!“

Weitere Informationen zur Beitragsreihe „Die Unfallakte“ bei „auto mobil“ auf VOX im Internet unter www.unfallakte.de

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