Nur vier Prozent der Ehrenamtlichen arbeiten im Katastrophenschutz


Witten (idw) – Ehrenamt bildet wichtige Stütze bei der Bewältigung von Schadenslagen und Katastrophen. Das Forschungsprojekt „Prioritätenbildung bei Rettungsmaßnahmen“ hat dabei die eherenamtlichen Strukturen im deutschen Bevölkerungs- und Katastrophenschutzsystem untersucht.

Der Lehrstuhl für Politikwissenschaft, Sicherheitsforschung und Sicherheitsmanagement unter Prof. Dr. Hans-Jürgen Lange, hatte das Meinungsforschungsinstitut Forsa mit einer Umfrage zum ehrenamtlichen Engagement beauftragt. Ziel der Untersuchung war es, Aufschluss darüber zu erhalten, in welchen Bereichen die Befragten ehrenamtlich tätig sind, welche Motivation sie haben, sich in dem jeweiligen Bereich zu engagieren, und über welchen Bekanntheitsgrad die Organisationen des Zivil- und Katastrophenschutzes verfügen.

Des Weiteren sollten Erkenntnisse darüber gewonnen werden, welche Anreize es für ein ehrenamtliches Engagement geben könnte und wie hoch die Bereitschaft der Bevölkerung ist, selbst im Zivil- und Katastrophenschutz tätig zu werden.

Die Erhebung umfasste eine Grundgesamtheit von 1.001 Befragten. Davon haben 56 Prozent angegeben, dass sie sich engagieren. Ein Viertel der Befragten bringt sich im Bereich Sport und Soziales ein (Sport: 13 Prozent, Soziales: 12 Prozent), während im Bereich Brand-, Zivil- und Katastrophenschutz nur vier Prozent aktiv sind (Mehrfachnennungen waren möglich).

Gerade aufgrund aktueller Herausforderungen im deutschen Katastrophenschutzsystem durch den demographischen Wandel oder der Abschaffung des Wehr- und Zivildienstes, besteht die Notwendigkeit, die Ansichten und Einstellungen der Bundesbürger hinsichtlich ihres gesellschaftlichen Engagements näher zu untersuchen und so die Daten zu beschaffen, die für eine adäquate Maßnahmenplanung nötig sind, denn: „Ohne ehrenamtliches Engagement wäre ein funktionierender Katastrophenschutz in Deutschland nicht möglich. Das Ehrenamt bildet die Basis“, so Prof. Hans-Jürgen Lange.

Qualifikation wichtiger als Geld

Die Studie beschäftigt sich neben der bloßen Erhebung des aktuellen Ist-Zustandes insbesondere auch mit den Beweggründen der Bürger für ein Engagement oder Nicht-Engagement.

So zeigt die Erhebung beispielsweise, dass nach Einschätzung der Befragten mehr Bürger durch vermehrte nicht-materielle Anreize (z.B. Fortbildungen) für ein Engagement begeistert werden könnten, als durch materielle Anreize (z.B. Führerscheine). Nur elf Prozent der sich nicht engagierenden Befragten sehen gar keine Anreize, um sich ehrenamtlich zu betätigen. Die meisten Menschen engagieren sich ehrenamtlich, „weil es Spaß macht“ (82 Prozent) oder „um an einer sinnvollen Sache mitzuarbeiten“ (80 Prozent). Aufgrund von „materiellen Anreizen“ sind nur drei Prozent ehrenamtlich aktiv.

Die Ergebnisse lassen hoffen, dass eine Weiterentwicklung der Ausgestaltung des Ehrenamtes in Zukunft den vermehrten Zuspruch der Bürger erhalten könnte und somit die Anzahl der ausgeübten Ehrenämter wieder ansteigt.

Projektpartner sind das Generalsekretariat des Deutschen Roten Kreuzes, das Innenministerium Sachsen-Anhalt, die Behörde für Inneres und Sport der Freien und Hansestadt Hamburg sowie die Branddirektion Frankfurt am Main. Wissenschaftlicher Projektpartner ist der Lehrstuhl für Öffentliches Recht, Staatslehre und Verfassungsgeschichte (Prof. Dr. Christoph Gusy) der Universität Bielefeld.

Das Sicherheitsforschungsprogramm der Bundesregierung leistet einen wichtigen Beitrag, Schwachstellen innerhalb der Gefahrenabwehr aufzuzeigen und Lösungsmodelle zu erarbeiten.

2 Responses to “Nur vier Prozent der Ehrenamtlichen arbeiten im Katastrophenschutz”

  1. Jörn on Dezember 29th, 2011 12:19

    Statistik ist so etwas Schönes – das habe ich bereits vor rund 20 Jahren während meines Mathematik-Studiums erleben dürfen! :)

    Also: Gehen wir mal davon aus, dass dies eine repräsentative Umfrage gewesen ist, schließlich wurden ja 1.001 Menschen befragt! (Kleine Info: Erst mit Überschreiten der “magischen” Grenze von 1.000 Befragten darf man von “repräsentativ” sprechen.) Von diesen seien 56 Prozent ehrenamtlich/freiwillig/bürgerschaftlich engagiert aktiv. Das ist Klasse! Aber noch besser ist, dass von ALLEN Beteiligten 4 Prozent, also JEDER 25ste, angegeben haben, (auch) im Brand-, Zivil- und Katastrophenschutz ehrenamtlich tätig zu sein. Rechnet man dies auf die 82 Millionen in Deutschland Lebenden hoch*, kommt eine beachtliche Zahl heraus: nämlich 3,28 Millionen Aktive im Brandschutz/Katastrophenschutz/Bevölkerungschutz/Zivilschutz. Wenn das mal keine Hausnummer ist! Um dieses Potenzial an ehrenamtlich Aktiven beneiden uns die 26 anderen Mitgliedsstaaten in der Europäischen Union!

    Spannender wäre jedoch gewesen zu erfahren, wie viele davon auch haupt- oder nebenberuflich im benannten Segment, ggf. ergänzt um den Bereich Rettungswesen, tätig sind. Nämlich dann erst könnte man das zusätzliche Potenzial an Einsatzkräften im KatS-Fall bestimmen…

    Regnerische Grüße aus dem Südwesten der Republik

    * Bevor Dritte diesen – berechtigten – Einwand erheben: Eigentlich dürfte man wohl nur alle in Deutschland lebenden ab 18, ggf. ab 16 Jahren berücksichtigen.

  2. Dome on Dezember 30th, 2011 14:19

    Das Problem beim Ehrenamt ist das, dass die Helfer meist nur unzureichende Würdigung bekommen. Hand aufs Herz, wer bekommt in seiner Bereitschaft nach Ausbildung oder einem Einsatz ein Dankeschön zu hören? Dies nimmt, was ich aus meinem eigenen Bekanntenkreis kenne, vielen die Motivation. Das Engagement wird als selbstverständliche Leistung angesehen, wenn man dann mal nicht kann werden auch teilweise wieder Stimmen laut, auch wenn dafür eigentlich keine Berechtigung da ist.

    Zum Thema materielle Anreize..
    Ehrenamt ist Ehrenamt. Man macht das nicht, um materielle Gegenstände zu bekommen. Jedoch ist es schön, wenn man gewisse Vorteile bekommt. Sei es ein ermäßigter Eintritt ins örtliche Schwimmbad oder andere Kleinigkeiten, die einfach zeigen, dass man nicht vergessen wird.

    Das ist meiner Meinung nach das Hauptproblem im Ehrenamt:
    Das fehlende Zuständigkeitsgefühl der zuständigen Stellen. Man soll sich nicht so alleingelassen fühlen

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