Toter im Isarkanal – In Badeverbotszone gebadet


München (fw/pol) – Ein Passant sah am Samstagabend um 18.24 Uhr zwei Personen (36 und 37 Jahre) im Isarkanal in Höhe der Münchener Marienklausebrücke, die aus eigener Kraft nicht mehr aus dem Wasser kamen und setzte einen Notruf ab.

Genau an dieser Stelle geht ein Versorgungskanal, der Düker, zur Versorgung des Tierparks Hellabrunn ab. Dabei handelt es sich um eine zweieinhalb Meter hohe und etwa 165 Meter lange Röhre, die vom Isarkanal beginnend unter der Isar hindurch geht. In dem Bereich befindet sich eine Absperrung mit Warnschildern (Lebensgefahr! Betreten verboten!).

Durch die Strömung wurde der 36-Jährige sofort in den Düker gezogen, aus dem er nicht mehr heraus schwimmen konnte. In einem Revisionsschacht dieses Dükers fanden Einsatzkräfte der Feuerwehr den 37-jährigen Mann, der sich an den Stahltritten einer Aufstiegsleiter festhalten konnte und retteten ihn.

Er berichtete von zwei weiteren Personen, die mit ihm unterwegs waren. Vor Ort wurde er durch das Kriseninterventionsteam des ASB betreut und leicht verletzt in eine Klinik transportiert.

Aufgrund der Aussage des Geretteten durchsuchten die Einsatzkräfte die Kanäle im Tierpark und im weiteren Verlauf bis zur Birkenleiten. An der Krämerschen Kunstmühle befindet sich ein Rechen, der Unrat und Treibgut aus dem Kanal auffängt.

In diesem wurde dann der 36-Jährige gefunden. Ein Feuerwehrnotarzt konnte aber nur noch den Tod feststellen. Die Suche nach der möglicherweise dritten Person wurde um 23.30 Uhr trotz intensiver Suche ergebnislos abgebrochen.

Im Einsatz waren 70 Einsatzkräfte von Rettungsdienst und Feuerwehr mit 20 Fahrzeugen. Unterstützt wurde sie durch zwei Hubschrauber, Einsatzkräfte der Polizei, sowie mehrerer Mitarbeiter der Stadtwerke München und eines Mitarbeiters des Tierparks.

Um 0.00 Uhr meldete die Polizei, dass die dritte vermisste Person, ein 33-Jähriger, wohlauf in seiner Wohnung angetroffen wurde. Derzeit ist noch unklar, inwieweit er von der Notlage seiner beiden Freunde Kenntnis hatte.

2 Responses to “Toter im Isarkanal – In Badeverbotszone gebadet”

  1. O. Heinz on August 29th, 2012 10:07

    Bitteres Szenario, wirklich tragisch.
    Zum Glueck waren sich die weiteren Helfer vor Ort wohl der Gefahr der Stroemung bewusst – oder waren tatsaechlich ortskundig.
    Ohne Absenkung des Wehres und damit der Fliessgeschwindigkeit/ des Wasserstandes ist dort auch fuer Stroemungsretter/ Einsatztaucher keine Rettung moeglich, ein fataler Ausgang vorprogrammiert.

    Allerdings sollte man zumindest nach diesem Unfall die Frage stellen, ob bei solchen extremen Wasserbaulichen Gefahren wie einen unterirdisch abgehenden Dueker nicht neben den Warnschildern zumindest mechanische Sicherungen wie Abweiser oder Gitter sinnvoll waeren.

    natuerlich haetten die verunfallten die Schilder beachten sollen – aber gerade an einer so belebten Gegend wie der Isar, wo auch die Stadt Muenchen weiss, dass ueberall gebadet wird, koennte dies zumindest in der Zukunft Menschen retten!

  2. S. Buhn on August 29th, 2012 13:24

    Schlimm daran: Waere das nicht ein Fluss, sondern ein Abwasserkanal, muesste der Dueker gesichert sein durch Streben/ Gitter: http://www.arbeitssicherheit.de/de/html/library/document/4997541,15

    Fuer die Unfallopfer leider kein Trost 🙁

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