Tierisch schnelle Hilfe mit nur einem PS


(Foto: Kreis Fulda)Fulda (pm) – Wenn zu Fuß fast nichts mehr geht, sind Islandpony, Haflinger, Trakehner und Hannoveraner zur Stelle. Die Vierbeiner der DRK-Reiterstaffel Fulda rücken dort aus, wo Menschen vermisst oder Sanitätsdienste benötigt werden.

„Ein gesundes Sozialverhalten und Geländesicherheit sind schon erforderlich“, nennt Jenny Burrell aus Eichenzell-Büchenberg die wichtigsten Eigenschaften eines Pferdes, das für die berittenen Helfer im Einsatz ist. Die 39-jährige hatte die Fuldaer Reiterstaffel des Deutschen Roten Kreuzes im Jahr 1999 gegründet. Zurzeit umfasst die Gruppe 28 Mitglieder, dazu gehören zwölf fest eingespielte Pferd-Reiter-Teams. Die Altersstruktur reicht vom Jugendlichen bis zum Mit-Fünfziger. Voraussetzung, um mit den Vierbeinern auf Rettungseinsätze ausrücken zu dürfen, sind eine Erste-Hilfe- und Sanitätsausbildung, Kenntnisse im Umgang mit Karte und Kompass sowie ein Funklehrgang.

„Jeder Einsatz ist anders und nicht vorhersehbar“, betont die diplomierte Tierheilpraktikerin. Nicht immer sind unmittelbar Menschenleben in Gefahr. Mal wird eine Fuchsjagd oder eine Wanderschaft begleitet, in anderen Fällen gilt es eine reiterliche Veranstaltung abzusichern. Besonders im Gedächtnis geblieben ist der 39-jährigen eine Vermisstensuche im Roten Moor – zum Glück mit gutem Ausgang. Die Reiterei in solch unwegsamem Gelände ist natürlich eine ganz andere als in der Halle oder auf ebenem Terrain. Deshalb müssen die Reiter ihren Pferden ein besonderes Maß an Sicherheit vermitteln. „Wenn Rettungshubschrauber in der Luft kreisen und die Sirenen von Polizeiautos ertönen, stellt das für die Pferde eine ganz schöne Stresssituation dar“, so Burrell. Da Pferde von Natur aus Fluchttiere sind, ist intensives Training erforderlich, damit sie im Ernstfall ruhig bleiben und sich durch nichts aus der Ruhe bringen lassen. Besonders nervenstarke Tiere können Verletzte liegend wie bei der Bergrettung im Winter in einem Ackja abtransportieren.

Mindestens einmal im Monat – das ist zumindest das Ziel – treffen sich die Mitglieder der DRK-Reiterstaffel, um sich weiterzubilden und Kenntnisse aufzufrischen, beispielsweise im Bereich der Ersten Hilfe für Mensch, Pferd und Hund. Zum Team gehören unter anderem eine Ärztin, Krankenschwestern und Arzthelferinnen. Alle arbeiten ehrenamtlich für das DRK und investieren viel Zeit für die gute Sache. Schließlich müssen die Pferde nach ihrer Alarmierung erst noch im Hänger zum Einsatzort gefahren und später von dort wieder zum Stall zurückgebracht werden – von Pflege und Füttern ganz abgesehen.
Im Normalfall ist die größte Reiterstaffel Hessens, die über die Einsatzstelle der Polizei oder der Feuerwehr angefordert wird, nur im Landkreis Fulda aktiv, Hilferufe aus benachbarten Landkreisen oder Städten werden jedoch nicht überhört.

Nachwuchs ist in der Fuldaer Gruppe gerne willkommen. Das Mindestalter liegt bei 14 Jahren, Berittführer müssen die Volljährigkeit erreicht haben. „Es ist eine tolle Sache, Hobby und Ehrenamt auf diese Weise miteinander zu verbinden“, so Burrell. Sie weiß ganz genau: Der nächste Einsatz kommt bestimmt. Doch zunächst einmal wartet jemand anderes ungeduldig im Stall auf die 39-jährige: ihr Vierbeiner Fiona.

One Response to “Tierisch schnelle Hilfe mit nur einem PS”

  1. Carina on Februar 4th, 2010 18:39

    Auch mal eine Möglichkeit. Nur, was machen die wenn ein Patient alllergisch auf Tierhaare reagiert?

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