Studie zu Alkoholvergiftungen bei Jugendlichen


Dresden (idw) – Wissenschaftler der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden wollen im Rahmen einer Studie persönliche Hintergründe von Alkoholvergiftungen bei Jugendlichen ermitteln.

Gleichzeitig gehen die Forscher der Frage nach, ob diese Betroffenen bereits erste Zeichen der Alkoholabhängigkeit zeigen und inwiefern sie gefährdet sind, später Alkoholprobleme zu bekommen. Ein weiterer Forschungsaspekt bezieht sich auf die bisher noch nicht systematisch untersuchte Wirksamkeit von Gegenmaßnahmen, die etwa im Rahmen des deutschlandweiten Präventionsprojektes HaLT („Hart am Limit)“ angewendet werden.

An der von Dresdner Wissenschaftlern koordinierten Studie beteiligen sich mit Rostock, München, Freiburg und Lörrach vier weitere Zentren. Im Rahmen des Forschungsprojekts werden Kinder und Jugendliche, die nach einer Alkoholvergiftung an der HaLT- Präventionsmaßnahme teilnehmen, nach sechs Monaten nachuntersucht. Zudem werden junge Erwachsene, deren Alkoholvergiftung bereits fünf bis zehn Jahre zurückliegt, am Telefon befragt, wie sich ihr Leben seither entwickelt hat und ob es zu Suchtproblemen kam. Damit wollen die Wissenschaftler herausfinden, woran man bereits im Krankenhaus feststellen kann, ob eine Alkoholvergiftung nur ein „Ausrutscher“ war oder ein Alarmzeichen für Sucht- oder andere Entwicklungsgefährdungen darstellt. Dieses Wissen kann genutzt werden, um die Betroffenen individueller als bisher zu beraten.

Seit dem Jahr 2000 mussten in Deutschland insgesamt 200.000 junge Menschen unter 20 Jahren wegen Alkoholvergiftungen („Komasaufen“) im Krankenhaus behandelt werden, die jährliche Fallzahl hat sich in diesem Zeitraum mehr als verdoppelt. Trotz dieses alarmierenden Trends wurde der gesamte Themenkomplex bislang kaum wissenschaftlich untersucht.

Das jetzt geförderte Forschungsprojekt basiert auf Vorarbeiten der Arbeitsgruppe von PD Dr. Ulrich Zimmermann, der das Labor für experimentelle Psychopharmakologie der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Uniklinikums leitet. Am Beispiel der Stadt Dresden untersuchte er bereits Alkoholvergiftungen von Jugendlichen. Dabei stellte sich heraus, dass in den Jahren 2003 bis 2008 insgesamt 586 Minderjährige zwischen 12 und 17 Jahren betrunken in die beiden Dresdner Kinderkliniken eingeliefert wurden, das heißt im Durchschnitt eine Aufnahme alle vier Tage. Dies bedeutet auch, dass im Laufe dieser sechs Jahre fast zwei Prozent aller in Dresden lebenden Jugendlichen zwischen zehn und 17 Jahren alkoholbedingt ins Krankenhaus kamen.

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