Stempel gegen Reanimation


Güttigen/Schweiz (rd.de) – Mit einem „No CPR“-Stempel sorgt eine Schweizer Firma für Diskussionsstoff: Menschen, die nicht wiederbelebt werden wollen, sollen den Stempel auf das Sternum aufbringen.

Der Stempel wurde insbesondere für Palliativpatienten angefertigt. Der Stempel mit der Aufschrift „NO CPR“ wird mit einer abwaschbaren Farbe aufgebracht und muss von Zeit zu Zeit erneuert werden. Angeblich wurde der Stempel zum Start im September bereits 130 Mal bestellt.

Rettungskräfte stürzt die unübersehbare Aufschrift in einen Konflikt. Auch in der Schweiz reicht dieser Stempel alleine als minimalistische Patientenverfügung nicht aus. Der Stempelanbieter bietet zugleich eine Patientenverfügungsdokument mit an. Dennoch dürften eidgenössische Rettungskräfte den Stempel wohl nicht als völlig unbeachtlich ignorieren. Das 2013 in Kraft tretende Erwachsenenschutzrecht soll Patientenverfügungen mehr Verbindlichkeit verleihen. Es kommt hinzu, dass diese aufgedruckte Willensbekundung als aktuell einzustufen ist, wenn der Stempel noch gut lesbar ist. Zwar kann der Stempel keine Patientenverfügung ersetzen, dennoch lässt er sich als starkes Indiz des mutmaßlichen Patientenwillens werten. In der Praxis wird man wohl nicht umhin kommen, zu kontrollieren, ob der Patient eine Verfügung bei sich trägt.

Die NO CPR-Idee ist in Kanada und den USA durchaus verbreitet. In Kanada können sich Patienten registrieren lassen und erhalten ein NO-CPR-Armband oder einen Kettenanhänger mit eingraviertem Namen und der Registriernummer. In der Provinz British Columbia ist diese Form der Reanimationsablehnung vom Rettungsdienst offiziell anerkannt. Einsatzkräfte können über eine Hotline sofort die Registernummer abfragen und medizinische Informationen erhalten. In einigen US-Bundesstaaten gibt es ähnliche Verfahren, um Retter von einer Reanimation abzuhalten. In Washington müssen die Patienten die offizielle EMS No CPR-Erklärung bei sich tragen. Auch hier wird den Einsatzkräften über einen Kettenanhänger der Patientenwille signalisiert. Diese Verordnung gilt bereits seit 1995.

In Deutschland ist der NO-CPR-Stempel nicht erhältlich. Für die Herstellerfirma ist die Idee sicherlich ein Geschäft: Der Stempel kostet 141 Schweizer Franken, das sind 115 Euro, die abwaschbare Stempelfarbe kostet 15 Franken extra.

4 Responses to “Stempel gegen Reanimation”

  1. Arne Bruhn on Januar 13th, 2014 14:51

    Guten Tag!
    Die Idee des Stempels ist gut! Einen plötzlichen Herztod o.ä. empfände ich als Geschenk, das ich mir von keinem noch so gut meinenden „Retter“ nehmen lassen möchte. Da der Stempel erst sichtbar wird, wenn der Brustkorb freigelegt wird, können Laienhelfer, die nach dem neuerdings propagierten Slogan „prüfen-rufen-drücken“ agieren, diesen gar nicht erkennen, ihr Agieren wird dann aber denProfi „in die Enge“ treiben: Abbrechen trotz der Bemühungen?
    Ich entwerfe daher zur Zeit einen Button, der, außen gut sichtbar auf der Kleidung getragen, schon dem Laien sagt: „Keine Reanimation – No CPR“. Ergänzt wird dies durch den rundlaufenden Text „Auszug aus meiner Patienten-verfügung.“
    Falls bei Ihnen Interesse besteht sende ich Ihnen gern eine Bilddatei.
    Mit freundlichen Grüßen
    Arne Bruhn

  2. Jörn on Januar 13th, 2014 18:50

    @Arne Bruhn: Ich will Ihnen ja nicht Ihren Glauben an das Gute nehmen, aber in der Bundesrepublik gelten zunächst einmal BGB und StGB, und irgendwann dann auch der Patientenwille… 😉

    Übrigens: Ein Patient mit Herz-Kreislaufstillstand ist – zum Glück für viele – nicht TOT. Denn wenn statt des Hirntod-Kriteriums der Bundesärztekammer plötzlich der Herztod als TOD im juristischen Sinne gelten würde, dann bräuchten wir keine Herz-Lungen-Wiederbelebungsmaßnahmen mit / ohne AEDs mehr, um Menschen zu re-animieren – es sei denn, wir wollten ihre Organe verpflanzen… 😉 😉 😉

    Abendliche Grüße aus dem Südwesten

  3. Hanseretter on Januar 15th, 2014 08:58

    So ein Stempel wäre im Notfallkoffer ja ganz praktisch!

  4. Arne Bruhn on Januar 27th, 2014 10:59

    Hallo Jörn!
    Den Glauben an das Gute im Menschen habe ich spätestens 2010 verloren, als einem Schwerstkrebskranken in einer Uni-Klinik noch die Zunge herausgeschnitten wurde und die ehrenamtliche Sterbehelferin auf ihre Frage an den Herrn Prof.Dr.Dr. ob das noch nötig gewesen sei die (in meinen Augen skandalöse) Antwort erhielt „Das bringt alles Geld!“ – Und dann kam die Rea-Kampagne August 2013: Allein in Münster mobilisierte der dortige Uni-Prof 12.000 Schüler, denen er das Motto „prüfen-rufen-drücken“ verklickerte. Seitdem habe ich eben Angst, daß mir so ein ‚begeisterter‘ Ersthelfer den in meinen Augen schönsten Tod vermasseln könnte. Und wenn da schon einer im Schweiße seines Angesichts gedrückt hat – hat dann die Rettungswagenbesatzung den Mut zu sagen: „Nichts mehr tun!“??? Darum die Idee mit dem Button „keine Reanimation“. Nun werde ich versuchen, da noch (lesbar) „keinen Notarzt“ hinzuzufügen – immer in der Hoffnung das es hilft.
    Einen schönen Tag noch aus dem Norden
    wünscht Arne
    Übrigens: „Der HERR hat das Leben gegeben, der HERR hat es genommen!“ und nicht „Der Herr in weiß kam dazwischen.“

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