Rüttelt Mecklenburg-Vorpommern an seiner Hilfsfrist?


Schwerin (rd.de) – Kaum im Amt, hat die SPD-CDU-Koalition das Rettungsdienstgesetz des Landes Mecklenburg-Vorpommern ins Visier genommen. Nach Informationen des NDR ist dabei sogar eine Lockerung der Hilfsfrist im Gespräch.

Die Koalitionäre im Schweriner Schloss haben in ihrem Regierungsprogramm angekündigt, Rettungsdienstgesetz und Rettungsdienstplan mit dem Ziel novellieren, die Notfallversorgung in Mecklenburg-Vorpommern auch in Zukunft durchgängig sicherzustellen. In Anbetracht des demografischen Wandels, stellt sich hier auch die Frage, welche Qualität der Notfallrettung man in Zukunft bezahlen kann. Was die Einhaltung der Hilfsfristen betrifft, hat Mecklenburg-Vorpommern ein Problem: Praktisch jeder fünfte Rettungseinsatz überschreitet die gesetzliche Hilfsfrist von 10 Minuten.

Wie NDR 1 Radio MV erfahren haben will, gibt es in der SPD wie in der CDU Stimmen, die eine Lockerung der 10-Minutenfrist ins Gespräch bringen. Die Beschreibung, wie eine Lockerung aussehen soll, ist allerdings recht ungenau: Es reiche demnach aus, wenn zunächst Rettungsassistenten oder Rettungssanitäter die Erstversorgung übernähmen. Damit könnte sogar gemeint sein, Versorgungsengpässe mit First-Responder-Einheiten flicken zu wollen. Das Sozialministerium hat solche Spekulationen allerdings dementiert. Die Hilfsfrist sei nicht Gegenstand der anstehenden Novellierung.

5 Responses to “Rüttelt Mecklenburg-Vorpommern an seiner Hilfsfrist?”

  1. Benny on November 8th, 2011 19:47

    Irgendwann ist es dann so wie in den Skandinavischen Ländern: Wenn Du zu weit weg wohnst, stirbst Du eben.

    Was sind das für Tendenzen? Das größte und reichste Land in Europa und solche Diskussionen………

    Gesundheitsfürsorge ist eine der Pflichten eines solch reichen Landes. Mal in das Grundgesetz schauen und sich auch der moralischen Pflichten erinnern, ihr Politiker!

  2. Thomas van de Kolk on November 10th, 2011 08:32

    Nunja Benny, dein Kommentar ist etwas kurz gedacht.

    Es wäre durchaus einen Verbesserung von Status Quo, wenn die Hilftsfrist auch dann erfüllt wird, wenn – qualifizierte – FirstResponder Einheiten innerhalb von 10 Minuten auch tatsächlich vor Ort sind. Das würde 1/5 Fällen schnellere Hilfte bringen als sonst.

    Die Maßnahmen, die innerhalb der ersten 5-10 Minuten notwendig sind, sind recht übersichtlich. Das kann auch ein FirstRespondern mit guter Ausbildung (RS / RA) und entsprechender Ausrüstung (Rucksack, O2, AED etc.) leisten.

    Spielst Du aber drauf an, das dieses Tendenzen bestärken könnte, das evtl. 1 RTW gegen 2 FR Standorte ausgetauscht wird, weil die ja die Hilftfrist halten und der RTW gerne auch aus der nächsten, größeren Stadt kommen kann, ist es sicherlich ein sehr zweischneidiges Schwert.

    Allerdings ist einen 10 Minuten Hilftsfrist unglaublich mutig. NRW hat keine (!) gesetzliche Hilftfrist, nur eine Verwaltungsempfehlung die z.B. Städte wie Bochum gerne verbiegen, Bayern einen Standortgebundene, Thüringen 17 Minuten in ländlichen Gebieten.

    Sofern würde einen System mit beispielsweise „10 Minuten bis RS/RA als FR, 15 Minuten bis RTW+Notarzt vor Ort“ sicherlich ein im Bundesvergleich als recht gutes darstehen. Wenn es wirklich so wäre.

    Allein daran habe ich meine Zweifel.

  3. Mario Gongolsky on November 10th, 2011 09:12

    Thomas, in der Erläuterung zum Rettungsdienstgesetz NRW sind 5-8 Minuten in städtischen Gebiet und 12 Minuten im ländlichen Gebiet als Hilfsfrist vorgesehen. In der Praxis werden 8/12 Minuten angepeilt. Vorausgesetzt, meine Informationen sind noch aktuell, wurde nur in Hamburg kein Zeitfenster definiert.

  4. Jörn on November 10th, 2011 10:44

    Man beDENKe: Die Hilfsfrist ist eine planerische Größe und nicht geichzusetzen mit dem so genannten „Therapie-freien Intervall“. Und leider können und dürfen wir Äpfel und Birnen nicht miteinander vergleichen, schon gar nicht gleichsetzen: Denn in den Bundesländern mögen die Zeitvorgaben für die Hilfsfrist schon unterschiedlich sein, die Definitionen, wann diese beginnt, aber auch!!!

    Neblige Grüße aus dem Südwesten, dessen rettungsdienstliche Hilfsfrist (also jene für den RTW) kürzlich zum Vorbild für Brandenburg wurde, nachdem dort bereits im Jahr 2009 die parlamentarische Opposition massive Verstöße gegen die im märkischen RettDG genannte Hilfsfrist durch eine kleine parlamentarische Anfrage öffentlich machte. Jetzt beginnt diese nämlich erst mit der Alarmierung des geeigneten Rettungsmittels – und nicht mehr wie zuvor mit dem Eingang des Notrufs/Hilfeersuchens in der Integrierten (Regional-)Leitstelle.

  5. Frank on Dezember 1st, 2011 08:21

    Hauptsache die Politiker werden fristgerecht gerettet.

    Vielleicht sollte man mal über eine mobile Wachenstrategie nachdenken.

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