Radioaktivität: Kein Schutz durch Jodtabletten aus Apotheke


Berlin (pm) – Panikkäufe von Jodtabletten gehen nicht nur wegen der fehlenden radioaktiven Belastung in Deutschland ins Leere. Die hierzulande in Apotheken verfügbaren Präparate wären für den Fall eines Reaktorunfalls ohnehin nicht als Schutzmaßnahme geeignet.

Die in Apotheken angebotenene Präparate sind sind viel zu gering dosiert. Die zur Prophylaxe einer Jodmangel-Struma zugelassenen Kaliumjodid-Produkte enthalten 100, 150 beziehungsweise 200 Mikrogramm. Um die Schilddrüse vor der Einlagerung von radioaktivem Jod zu schützen, ist allerdings eine 1000-fach höhere Dosis notwendig. Ein entsprechendes Notfallpräparat enthält 65 Milligramm Kaliumjodid pro Tablette. Die deutschen Katastrophenschutzbehörden haben das Arzneimittel eingelagert. Im Notfall werden die Tabletten an die Bevölkerung im Umkreis der Atomkraftwerke verteilt – auch über die Apotheken.

Der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände rät Bundesbürgern von prophylaktischen Jodeinnahmen ab: Für die Blockade der Aufnahme radioaktiven Jods reicht im Regelfall eine einmalige Einnahme von Kaliumiodid als Notfallmedikament („Jodblockade“). Erwachsene über 45 Jahren sollten grundsätzlich keine hochdosierten Jodtabletten einnehmen, da diese das Risiko für schwerwiegende Schilddrüsenerkrankungen erhöhen. Auch wer zum Beispiel auf Jod überempfindlich reagiert (Jodallergie) oder eine Schilddrüsenüberfunktion hat, sollte auf die prophylaktische Jodeinnahme verzichten.

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