Noroviren auf dem Vormarsch


Foto: B.BraunBonn (rd.de) – Eigentlich haben Noroviren in der kalten Jahreszeit Saison. Doch die Gesundheitsämter registrieren seit Jahren steigende Infektionszahlen. Der kalte Winter ließ die Zahlen weiter nach oben schnellen.

Im Kreis Rhein-Neuss zählten die Gesundheitsbehörden 1796 Norovirus-Infektionen gegenüber 1285 Fällen von Schweinegrippe. Der Kreis Warendorf ist bei den Norovirus-Infektionen Spitzenreiter im ganzen Münsterland. Von Oktober 2009 bis jetzt zählte man bereits 500 Fälle.

Durchfall und Erbrechen, häufig begleitet von Fieber und Schüttelfrost, betreffen derzeit immer mehr Menschen in Deutschland. „Diese Symptome sind typisch für das Norovirus“, so Prof. Dr. Fickenscher, Virologe der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und Experte des Exzellenzclusters Entzündungsforschung in Schleswig-Holstein. „Wir stellen einen starken Anstieg von Erkrankungen mit dem Norovirus fest, die Zahl der aktuell gemeldeten Fälle liegt über den Durchschnittswerten der letzten fünf Jahre.“

Hoch ansteckend

Das Norovirus wird von Mensch zu Mensch durch die Ausscheidungen eines bereits erkrankten Menschen übertragen. Der Erreger ist stabil und überlebt auch einige Tage auf Handtüchern, Geschirr, Spielzeug, Lebensmitteln oder Türklinken. Deswegen ist die Ansteckungsgefahr in gemeinschaftlich genutzten Einrichtungen wie Büros, Krankenhäusern oder Kindergärten besonders hoch.

Und noch ist auch die aktuelle Infektionswelle nicht überwunden. Die Wärmeperioden waren bislang eher kurz, die Wassertemperaturen bleiben niedrig. Das Norovirus wird in eiskaltem Wasser geradezu konserviert und kann lange darin überleben.

Nicht jedes Desinfektionsmittel wirksam

Bei Kontakt mit einem Norivirus-Patienten sind Desinfektionsmaßnahmen vorzunehmen: „Das Norovirus zeigt sich unbeeindruckt von vielen Desinfektionsmitteln“, warnt Dr. Fickenscher, „sodass besonders stark viruswirksame Mittel benötigt werden.“

Tatsächlich gibt es Zweifel an der Wirksamkeit von Desinfektionsmitteln auf reiner Ethanol- und Propanolbasis. Bei der Händedesinfektion werden Präparate empfohlen, die vom Robert-Koch-Institut als „viruzid“ klassifiziert worden sind, was die Auswahl erheblich einschränkt. Wer eine nicht viruzid eingestufte Handdesinfektion verwendet, sollte die Desinfektion wiederholen und die Einwirkzeiten unbedingt einhalten.

One Response to “Noroviren auf dem Vormarsch”

  1. wilfriedsoddemann on April 14th, 2010 07:43

    Noroviren – Alarm: Trinkwasser macht krank

    Norovirus-Infektionen mit heftigem Brechdurchfall werden durch Fäkalien entweder in Lebensmitteln oder im Trinkwasser ausgelöst, bevor sie sekundär übertragen werden können, besonders augenfällig in Krankenhäusern, Altenheimen, Schulen oder Kindergärten. In unseren Gewässern, auch im Grundwasser, kommen Viren vor. Unsere Wasserwerke können Viren regelmäßig nicht filtern. Kaltes Wasser konserviert ansteckende Viren. Offensichtlich folgen die Norovirus-Infektionen jedes Jahr streng dem Verlauf der Kälte im Wasser und in den Wasserleitungen. Unsere Lebensmittel haben das ganze Jahr über in etwa die gleiche Temperatur. Das Trinkwasser nicht. Es hat sein Temperaturminimum im Februar/März. Also muss das Trinkwasser die Norovirus-Infektionen auslösen! Unsere Wasserwerke müssen so nachgerüstet werden, dass auch Viren abgefiltert werden.

    Dipl.-Ing. Wilfried Soddemann
    soddemann-aachen@t-online.de
    http://sites.google.com/site/trinkwasservirenalarm/Trinkwasser-Viren

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