Multiresistente Keime in Rettungs- und Krankenwagen


Ulm (rd.de) – Die Klinik für Anästhesie und das Institut für Mikrobiologie der Universitätsklinik in Ulm hat in einer Studie 86 Rettungswagen und 64 Krankenwagen im Südwesten Deutschlands auf multiresistente Keime untersucht. Demnach ist die Hygiene in den Transportfahrzeugen zwar grundsätzlich gewährleistet, die Gefahr einer Verschleppung multiresistenter Keime jedoch keinesfalls gebannt.

Der Kampf gegen gefährliche Krankheitskeime konzentriert sich auf die Krankenhäuser. Rettungs- und Krankenwagen bleiben als möglicher Verbreitungsvektor bislang unbeachtet. An dieser Stelle setzte das Team der Uniklinik Ulm an und überprüfte mit dem Einverständnis der Rettungswachenleiter an verschiedenen Orten in Süddeutschland die Transportfahrzeuge auf ihre Keimbesiedlung. Zu diesem Zweck wurden an definierten Stellen Proben mittels Abklatschtechnik für eine differenzierte bakterielle Untersuchung gewonnen und anonym ausgewertet.

Das Ergebnis stellte den geprüften Rettungsdiensten im Grunde ein ordentliches Zeugnis in Sachen Desinfektion und Hygiene aus, denn bei den meisten Bakterien handelte es sich um gewöhnliche Umweltkeime. Dennoch fanden die Wissenschaftler in 18 von 150 Einsatzfahrzeugen (12%) eine Kontamination von Oberflächen mit MRSA.

(Foto: Geoman3, GNU)

5 Responses to “Multiresistente Keime in Rettungs- und Krankenwagen”

  1. Peter on Dezember 8th, 2011 10:59

    Schlimm an dieser Sache ist, dass die Krankenkassen dieses Problem noch gar nicht interessiert. Der Krankentransport insbesondere und auch der Rettungstransport kommt immer mehr an seine Grenzen, weil die Transporte mit all den schönen Keimen zunehmen. RTWs und KTWs verbrauchen immer größere Anteile ihrer Vorhaltezeit an Desinfektionen und nicht mehr an Transporten, was dann negativ gegenüber den Stationen und Mitarbeitern RD und Leitstelle ausufert… Aber eine erhöhte Vorhaltung an Rettungsmitteln wird abgelehnt, weil ja gespart werden muss….

  2. Jörn on Dezember 8th, 2011 11:02

    WO kann man die Studie (zu lesen) bekommen? Und WER hat daran teilgenommen? Fragen über Fragen, die einer schnellen Antwort bedürfen…

    Sonnige Grüße aus dem Südwesten

  3. Mario Gongolsky on Dezember 8th, 2011 13:00

    Mir ist nicht bekannt, ob die Studie schon im Volltext veröffentlicht wurde. Die Sekure-Studie wurde jedoch gerade auf dem DIVI-Kongress in Leipzig vorgestellt. Auf der Seite der Anästhesisten ist OA Dr. Wolfgang Stahl von der Uniklinik Ulm zuständig. Nach unbestätigten Informationen waren Rettungswachen im Raum Ulm, Ludwigsburg und Singen beteiligt.

  4. Jörn on Dezember 8th, 2011 15:00

    DANKE, lieber Herr Gongolsky, für Ihre prompte Antwort. Ich weiß jetzt zumindest, an wen ich mich wenden kann.

    Weiterhin sonnige Grüße aus dem Südwesten

    @Peter: Sie haben vollkommen recht. Aber weder RD-Betreiber, noch KH-Verantwortliche, noch GKV-Verantwortliche scheinen sich dieser Problematik bewusst zu sein!

  5. Jörn on Januar 10th, 2012 12:04

    Lieber Herr Gongolsky!

    Ich hatte mich kurz nach Ihrer Antwort auf meine Frage an den Studienleiter an der Uni Ulm gewendet und von ihm noch vor Weihnachten einen ersten Zwischenbescheid bekommen. Herr Dr. Stahl wird die Ergebnisse seiner Projektgruppe im Laufe des Jahres an unterschiedlichen Stellen veröffentlichen und so einer größeren Zielgruppe zugänglich machen. Das ist vorbildlich!

    Wenig winterliche Grüße aus dem Südwesten der Republik

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