Mit Unterschieden umgehen


IkK_BevSchutzBonn (BBK) – Die Universität Greifswald und das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe starten ein Forschungsprojekt zur interkulturellen Kompetenz im Bevölkerungsschutz.

Einsatzkräfte im Katastrophenschutz werden künftig im professionellen Umgang mit kulturellen Unterschieden geschult. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) beauftragte die Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald zu diesem Zweck mit einem Forschungsprojekt, das diesen Monat startet (www.rettung-hilfe-kultur.de).

Die zunehmende kulturelle und ethnische Vielfalt der Gesellschaft wirkt sich merklich auf den Katastrophenschutz und die Arbeit von Rettungsdiensten in Deutschland aus. Einsatzkräfte deutscher Feuerwehren, Hilfs- und Katastrophenschutzorganisationen sind zudem immer öfter im Ausland engagiert. In beiden Fällen sind sie mit Situationen konfrontiert, in denen sie Menschen versorgen müssen, die sich in religiöser, weltanschaulicher und sprachlicher Hinsicht von ihnen als Einsatzkräften unterscheiden. Dies führt nicht nur zu Kommunikationsproblemen. Vielmehr können interkulturelle Einsatzsituationen die Handlungssicherheit und damit die Qualität der Hilfeleistung beeinträchtigen.

Bislang existieren für interkulturelle Bildungsmaßnahmen im Bevölkerungsschutz, zu dem auch der Katastrophenschutz zählt, kaum empirisch gesicherte Grundlagen oder wissenschaftlich erprobte Konzepte. Das Forschungsprojekt sieht langfristig die Vermittlung von interkultureller Kompetenz bei Einsatzkräften in der technischen Rettung und Gefahrenabwehr, in Rettungsdienst und Notfallmedizin sowie in der psychosozialen Notfallversorgung vor. Zu diesem Zweck wird ein Forschungsteam unter der Leitung von Prof. Dr. Silke Schmidt (Lehrstuhl Gesundheit und Prävention am Institut für Psychologie der Universität Greifswald) zunächst Befragungen durchführen. Zielgruppen sind Experten aus dem Bevölkerungsschutz und Menschen mit Migrationshintergrund, die in Regionen mit einem hohen multikulturellen Bevölkerungsanteil leben und von Notfällen betroffen waren. Anschließend werden aufgrund dieser Befragungsergebnisse interkulturelle Bildungsmaßnahmen entwickelt und wissenschaftlich geprüft. Diese sollen bundesweit bei im Bevölkerungsschutz tätigen Organisationen zum Einsatz kommen.

Für das BBK, das Auftraggeber des Forschungsprojektes ist, haben der Praxisbezug und die Verwertbarkeit der Forschungsergebnisse eine hohe Priorität. Weiterer Kooperationspartner des Projektes ist das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

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